Werder Bremen in der Taktik-Analyse gegen den 1. FC Heidenheim: Werder-Coach Florian Kohfeldt (li.) im Duell mit Heidenheim-Trainer Frank Schmidt.
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Werder Bremen in der Taktik-Analyse gegen den 1. FC Heidenheim: Werder-Coach Florian Kohfeldt (li.) im Duell mit Heidenheim-Trainer Frank Schmidt.

Relegation: Werder gegen Heidenheim

Werder in der Taktik-Analyse: Darum blieb die Bremer Offensive gegen Heidenheim wirkungslos

Bremen - Der SV Werder Bremen muss weiter zittern. Im Hinspiel der Relegation gelang den Bremern kein Tor. Der 1. FC Heidenheim legte die Offensive der Bremer mit einer engen Manndeckung lahm. Warum Werder dank des 0:0 trotzdem hoffen darf, schreibt unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Der 1. FC Heidenheim ist nicht Köln. Spätestens mit dem Anpfiff der Relegation wurde deutlich, wie stark Werder Bremen am letzten Spieltag von einem Gegner profitiert hat, der mit dem Kopf bereits im Sommerurlaub war. Heidenheim entpuppte sich als bissiger Kontrahent – und Bremen fehlten die taktischen Mittel, um die stabile Defensive des Gegners zu knacken.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Heidenheimer Manndeckung

Florian Kohfeldt sah nach dem 6:1-Erfolg gegen Köln keinen Anlass, sein taktisches System zu verändern. Werder Bremen begann wie zuletzt in einem 4-3-1-2-System. Einzig Kevin Vogt musste aufgrund einer Gelbsperre ersetzt werden, Philipp Bargfrede rückte in die Startformation. Niclas Füllkrug und Milot Rashica bildeten den Doppelsturm. Überraschend begann Rashica halbrechts, während sich Füllkrug auf der linken Seite austobte. Beide tauschten jedoch häufig die Seiten.

Heidenheims Trainer Frank Schmidt hatte eine simple Antwort auf das Bremer System: Seine Mannschaft spielte eine Manndeckung. Schmidt richtete die Formation seiner Mannschaft einzig danach aus, in Abwehr und Mittelfeld Mann-gegen-Mann-Situationen zu erzeugen.

Die beiden Angreifer Denis Thomalla und Tim Kleindienst agierten vor Bremens Abwehrkette noch raumorientiert. Sie sicherten die Zuspielwege ins Mittelfeld. Dahinter agierten sämtliche Heidenheimer eng am Mann. Vor allem im Mittelfeld wurde dies deutlich: Niklas Dorsch deckte Maximilian Eggestein, Kevin Sessa nahm Davy Klaassen aus dem Spiel und Sebastian Griesbeck stand Yuya Osako auf den Füßen. Auch auf den Flügeln deckten Heidenheims Außenspieler die Bremer Außenverteidiger eng.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Wenig Bewegung und Genauigkeit gegen Heidenheim

Werder Bremen fand keine Antwort auf das Manndeckungssystem der Gäste. Zwar konnten die Innenverteidiger ungestört den Ball laufen lassen. Werder verbuchte im Verlaufe des Spiels fast 70% Ballbesitz. Pässe nach vorne waren aber kaum möglich; jeder Bremer war gedeckt. Die Bremer Mittelfeldspieler versuchten zwar, sich aus der Manndeckung zu befreien. Gerade Eggestein ließ sich weit fallen, teilweise agierte er auf einer Höhe mit den Innenverteidigern. Doch das löste das grundsätzliche Problem des Bremer Spiels nicht: Es fehlten Anspielstationen im Mittelfeld, um den Ball nach vorne zu spielen und den Gegner nach hinten zu drücken.

Stattdessen versuchte Werder Bremen, die gegnerischen Linien mit einem einzigen Pass zu überwinden. Häufig spielten die Verteidiger einen Pass direkt zu den Angreifern. Diese sollten den Ball mit dem Rücken zum Gegner ablegen. Diese Pässe schufen aber selten Raumgewinn. Der 1. FC Heidenheim verteidigte auch in der Abwehrkette eng am Mann. Zudem kamen die Pässe oft einen Tick zu ungenau, sodass Heidenheim die Kugel abfangen konnte. Einzig Rashica gelang es, den Ball so an- und mitzunehmen, dass er zumindest den Gegner zu einem Foul zwang. Sechsmal foulte Heidenheim den Kosovaren; kein einziger Freistoß brachte Torgefahr.

Werder Bremen-Taktik gegen Heidenheim: Risikoarme Offensive, stabile Defensive

Früh am Abend war klar: Werder Bremen geht hier nicht volles Risiko. Das spürte man in vielen Situationen, beispielsweise in der recht konservativen Positionierung. Selten wagten die Angreifer überraschende Laufwege oder verließen ihre Position nach vorne. Das dürfte auch taktische Gründe gehabt haben: Werder wollte nach Ballverlusten schnell in die eigene Ordnung zurückfinden, um Heidenheimer Konter zu erschweren. Das gelang in vielen Szenen, auch weil Bremen den Ball selten im Mittelfeld herschenkte. Das war die positive Seite des Versuchs, den Ball im Aufbau direkt zu den Stürmern zu spielen.

Werder Bremen gegen den 1. FC Heidenheim in der Taktik-Analyse: Die Grafik zeigt, wie die Heidenheimer im Mittelfeld mit einer engen Manndeckung die Passoptionen der Bremer nach vorne blockierten.

Doch immer wenn Werder Bremen unachtsam den Ball im Zentrum verlor, konterte der 1. FC Heidenheim wuchtig mit vier bis fünf Spielern. Sie nahmen dabei vor allem den rechten Flügelspieler Maurice Multhaup mit, der wesentlich höher stand als der linke Flügelspieler Norman Theuerkauf. So kamen die Gäste insgesamt zu den besseren Chancen.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Umstellungen ändern wenig

Selbst die taktischen Umstellungen in der zweiten Halbzeit änderten wenig an der Spieldynamik. Florian Kohfeldt stellte sein Team bereits direkt nach der Pause auf ein 4-3-3 um. Mit dem dreifachen Wechsel in der 65. Minute wurde dieses 4-3-3 noch sichtbarer. Christian Groß (für Bargfrede) ließ sich zudem häufiger in die Abwehr fallen.

Doch Heidenheim hielt gegen. Frank Schmidt hielt mit seinen Wechseln die defensive Ordnung seiner Mannschaft bei. Mit der Einwechslung von Konstantin Kerschbaumer (59., für Sessa) kehrte Heidenheim zu einem etwas orthodoxeren System zurück, bei dem beide Flügel permanent besetzt blieben. Das erlaubte Dorsch, stärker aus dem Zentrum die Fäden zu ziehen. Doch nicht einmal die Gelb-Rote Karte gegen Niklas Moisander gab den Schwaben den nötigen Auftrieb, das Spiel für sich zu entscheiden. Werder improvisierte in den Schlussminuten ein 4-3-2-artiges Gebilde, sie hielten die Null bis zum Schluss.

Werder Bremen-Taktik: Bessere Chancen in Heidenheim?

Das ist der Faktor, der die größte Hoffnung macht für das Rückspiel. Werder Bremen verhinderte ein Heidenheimer Auswärtstor. Im Rückspiel genügt Bremen ein Unentschieden, solange sie selbst einen Treffer erzielen. Heidenheim wird also offensiver agieren müssen, als sie dies über weite Strecken des Hinspiels taten. Schmidt kann nicht noch einmal eine Taktik basteln, die sich ganz auf die Manndeckung der Bremer Leistungsträger fokussiert. Werder wird kein zweites Mal einem reinen Bollwerk entgegenstehen.

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Kevin Stöger könnte ein Spieler sein, der das Offensivspiel des Werder Bremen belebt. Werder ist an einem Transfer des Ex-Düsseldorfers interessiert. Auch interessant: Nach dem 0:0 gegen Heidenheim brodelte es bei Werder Bremen, gab es sogar Streit zwischen Florian Kohfeldt und Niclas Füllkrug?

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