Florian Kohfeldt, Trainer von Werder Bremen, an der Seitenlinie beim Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg
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Florian Kohfeldt, stellte die Taktik des SV Werder Bremen im Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg mehrmals um.

Mit dieser Taktik wollte Kohfeldt Freiburg knacken

Defensive Stabilität zuerst: Die Werder-Taktik gegen den SC Freiburg in der Analyse

Das 1:1 von Werder Bremen beim SC Freiburg bot Licht und Schatten. Nachdem Florian Kohfeldts eigentlicher Plan nur mäßig aufging, zog er später die richtigen Schlüsse. Warum Werder am Ende trotzdem glücklich sein sollte über den Punktgewinn, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Pragmatismus ist das neue Motto beim SV Werder Bremen. Nach der verkorksten Saison 2019/2020 sehnen sich alle in Bremen nach einer ruhigen Saison. Trainer Florian Kohfeldt will derzeit vor allem eins: Punkte, Punkte, Punkte. Dafür nimmt er Kompromisse in Kauf, was den Spielstil seiner Mannschaft angeht. Auch beim 1:1-Unentschieden gegen den SC Freiburg war vom Kohfeldt’schen Ballbesitzfußball wenig zu sehen. Erneut stand die Defensive im Vordergrund.

Werder Bremen gegen SC Freiburg in der Taktik-Analyse: Blockade im Zentrum

Florian Kohfeldt überraschte mit seiner Startaufstellung: Hinter Sturmspitze Niclas Füllkrug agierten mit Josh Sargent und Nick Woltemade gleich zwei Jungspunde. Sie hatten eine besondere Aufgabe zu erfüllen: Sie sollten zusammen mit Füllkrug die Passwege ins Zentrum schließen. Sargent und Woltemade postierten sich versetzt neben Füllkrug. Hinter dem Trio sicherte ein weiteres Trio ab. Werder Bremen begann defensiv in einem 4-3-2-1. Das war auf dem Papier keine schlechte Wahl gegen Freiburgs Spielaufbau. Christian Streich stellte seine Elf in einem 4-2-2-2 auf. Die Freiburger versuchen, das Spiel über das Zentrum zu eröffnen. Neben den zwei zentralen Mittelfeldspielern rückten auch die Außenstürmer immer wieder in die Mitte. Damit möchte Freiburg den Gegner ins Zentrum locken. Das öffnet wiederum Räume auf den Flügeln für die offensiv auftretenden Außenverteidiger.

Werder Bremen wollte das Freiburger Spiel durch das Zentrum verhindern. Stattdessen sollte Freiburg den frühen Pass auf die Außenverteidiger spielen. So sollten diese bereits früh ins Spiel eingebunden werden. Die Bremer griffen die Außenverteidiger in der Folge scharf an: Auf links rückte Leonardo Bittencourt immer wieder nach vorne, auf rechts suchte Jean-Manuel Mbom den Zweikampf.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Wenig Zugriff gegen den SC Freiburg

Werder blockierte zwar in der vordersten Linie die Passwege ins Mittelfeld. Sie bekamen jedoch nur selten Zugriff auf den gegnerischen Aufbau. Durch das Herausrücken von Bittencourt und Mbom entstand wiederum ein anderes Problem: Maximilian Eggestein musste zu häufig allein den Raum vor der Abwehr beackern. Immer wieder gelang es Freiburg, mit kurzem Ein-Kontakt-Fußball Bremens Pressing zu umspielen. Vor allem Lucas Hölers Präsenz stellte Werder Bremen vor Probleme. Der Stürmer ließ sich ständig neben Eggestein fallen. Mit Höler, Grifo und Roland Sallai hatte Freiburg gleich drei Optionen neben Eggestein. Selten nur kam Freiburg aus dieser Zone direkt zum Abschluss; häufig genug konnten sie aber die Außenverteidiger in Flankenpositionen bringen. Die Führung war nur eine Frage der Zeit.

Die Grafik zeigt die Anfangsformation von Werder Bremen gegen den SC Freiburg. Weil Mbom und Bittencourt häufig aus dem Zentrum rückten, musste Eggestein viel Raum alleine beackern. Das nutzte Freiburg mit Grifo, Sallai und Höler aus.

Werder Bremen-Taktik: 5-3-2 funktioniert defensiv besser

Nach der Freiburger 1:0-Führung konnte Werder sich bei Philipp Lienhart bedanken, der mit einem Fehlpass den Bremer Elfmeter einleitete. Füllkrug erzielte den zu diesem Zeitpunkt unverdienten Ausgleich (25.). Nach dem Ausgleich stellte Florian Kohfeldt um: Gebre Selassie wechselte in die Innenverteidigung, Mbom auf die Rechtsverteidiger-Position. Werder Bremen agierte fortan mit einer Dreierkette. Mit dieser neuen Formation stand Werder defensiv stabiler. Vor allem fand Höler weniger Raum zur Entfaltung.

Nach der Pause verbesserte sich Werders Spiel abermals. Mit der Einwechslung von Kevin Möhwald (für Woltemade) agierte Bremen in einem 5-3-2. Das neu formierte Mittelfeld sicherte besser den Raum neben Eggestein ab. Zugleich trauten sich die Bremer Außenverteidiger angesichts der besseren Absicherung häufiger in die Offensive. Nun waren es die Freiburger, die mit ihrer engen 4-4-2-Formation keinen Zugriff bekamen auf die Bremer Außenspieler. Nach 66 Minuten entschied sich Florian Kohfeldt, offensiv noch mehr zu wagen. Mit Milot Rashica (für Bittencourt) kam ein weiterer Offensivakteur. Nachdem Rashica kurze Zeit als Achter agierte (und defensiv fast immer falsch stand), stellte Kohfeldt sein Team auf ein 5-2-3-System um. Mit Sargent als Linksaußen und Rashica als Rechtsaußen wollte Werder Bremen offensiv für Gefahr sorgen.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Freiburger Schlussoffensive

Diese Wechsel spielten jedoch dem SC Freiburg in die Karten. Bremen verlor erneut die Kontrolle über das Zentrum, Höler bekam wieder mehr Zuspiele. Zugleich stärkte SC-Coach Christian Streich das Flügelspiel seiner Mannschaft: Mit Chang-Hoon Kwon und Woo-Jeong Kwon kamen zwei schnelle Spieler auf den Außen. Die Außen waren nun gleichmäßiger besetzt, da die eingewechselten Spieler – anders als Grifo – nur selten ins Zentrum zogen. Werder Bremen zog sich in dieser Schlussphase in einem 5-4-1 an den eigenen Strafraum zurück. Um gegen Freiburgs Flanken besser gewappnet zu sein, brachte Kohfeldt mit Christian Groß einen weiteren Kopfballstarken Spieler. Der zuvor eingewechselte Kevin Möhwald war von dieser Maßnahme nicht begeistert, musste er das Feld doch nach nur 42 Minuten wieder verlassen. Doch Groß‘ Präsenz half, das Unentschieden zu halten.

Von der Bremer Leichtfüßigkeit aus früheren Kohfeldt-Tagen war auch gegen Freiburg nichts zu erkennen. Erneut hatten die Bremer weniger als 40 Prozent Ballbesitz. Dafür steht Werder defensiv besser als in der Vorsaison. Und sie sammeln Punkte. Mit sieben Zählern nach vier Spielen kann Werder gelassener an die kommenden Aufgaben herangehen.

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