Daumen hoch: Trainer Florian Kohfeldt sah beim 5:1-Sieg gegen den SC Paderborn ein gutes Spiel von Werder Bremen.
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Daumen hoch: Trainer Florian Kohfeldt sah beim 5:1-Sieg gegen den SC Paderborn ein gutes Spiel von Werder Bremen.

5:1-Sieg am Samstag

Taktik-Analyse: So hat Werder in Paderborn endlich die Offensive in Schwung gebracht

Beim 5:1-Erfolg gegen den SC Paderborn erzielte Werder Bremen so viele Treffer wie in den sieben vorherigen Partien zusammengenommen. Aus der Offensive der Bremer ragte Davy Klaassen heraus. Taktikanalyst Tobias Escher seziert die Partie.

Die mangelnde Torgefahr ist eins der großen Probleme dieser Bremer Saison. 30 Tore hatte Werder an den ersten 30 Spieltagen erzielt, sie stellten damit die harmloseste Bundesliga-Offensive. Gegen den Tabellenletzten SC Paderborn platzte der Knoten: Werder Bremen traf gleich fünffach. Trainer Florian Kohfeldt merzte eine Schwachstelle der vergangenen Wochen aus: die fehlende Tiefe im letzten Drittel.

Nominell nahm Kohfeldt in seiner Startelf nur eine Änderung vor im Vergleich zum 0:1 gegen den VfL Wolfsburg. Milot Rashica begann anstelle von Philipp Bargfrede. Dadurch veränderte sich Bremens Spielsystem: Rashica begann als halblinker Stürmer, Joshua Sargent wechselte auf die halbrechte Seite. Yuya Osako agierte als Zehner hinter dieser Doppelspitze.

Werder Bremen: Davy Klaassen als Tiefensprinter gegen SC Paderborn

Interessant waren die Rollen von zwei Mittelfeldspielern: Kevin Vogt übernahm erneut eine flexible Rolle zwischen drittem Innenverteidiger und Sechser. Bei gegnerischem Ballbesitz rückte er ins Mittelfeld vor. Bei eigenem Ballbesitz ließ er sich zwischen die Verteidiger fallen. Zusammen mit den Innenverteidigern bildete er eine Dreierkette in der ersten Linie. Damit erzielte Werder Bremen eine Überzahl gegen den Zwei-Mann-Sturm der Paderborner. Diese pressten in einem 4-4-2-System.

Noch interessanter war die Rolle von Davy Klaassen: Er bewegte sich von seiner Position im zentralen Mittelfeld häufig auf den rechten Flügel. Dort verharrte er jedoch nicht. Stattdessen suchte er wieder und wieder die Schnittstelle zwischen gegnerischem Außen- und Innenverteidiger. Klaassen vollführte damit eine Rolle, die Bremens Offensivspiel zuletzt fehlte: Er brachte mit seinen Sprints hinter die gegnerische Abwehr Tiefe und Zug zum Tor.

Werder Bremen bei Ballbesitz: Vogt ließ sich in die Abwehr fallen und stellte damit eine Drei-gegen-Zwei-Überzahl her gegen Paderborns Doppelsturm. Vorne liefen Sargent und der nach rechts ausweichende Klaassen die Schnittstellen der gegnerischen Viererkette an.

Werder Bremen gegen SC Paderborn: Intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen

Es dauerte jedoch einige Zeit, bis Werder Bremen die zahlreichen Läufe von Klaassen zu bedienen wusste. Gerade in der Anfangsphase ließen sich die Bremer von der Hektik der Gastgeber anstecken. Diese agierten im Spiel gegen den Ball gewohnt aggressiv. Sobald Werder den Ball ins Mittelfeld gespielt hatte, schlossen Paderborns Stürmer die Rückpasswege. Werder sollte gezwungen werden, den Ball sofort nach vorne weiterzuspielen. Sie verhedderten sich dabei im zweikampfstarken Mittelfeld der Paderborner.

Erst mit der Zeit gelang es Werder, über die Flügel das Paderborner Pressing auszuhebeln. Ludwig Augustinsson rückte auf der linken Seite häufig nach vorne, die rechte Seite besetzte Klaassen. Sie zogen die Abwehr der Paderborner auseinander. Dadurch erhielt Osako im Zentrum etwas Raum.

Werder Bremen gegen SC Paderborn: Stabile Defensive dank weit aufrückendem Kevin Vogt

Gerade die zusätzliche Tiefe im Angriffsspiel machte sich mit der Zeit bezahlt. Klaassen und Sargent gelang es, hinter die gegnerische Abwehr zu gelangen oder zumindest die gegnerische Abwehr nach hinten zu schieben. Sie wirbelten die neu zusammengestellte Viererkette der Paderborner durcheinander. Davy Klaassen erzielte den ersten (20.) und den dritten Treffer (39.), Josh Sargent bereitete das zwischenzeitliche 3:0 vor (34.).

Defensiv hatte Werder die Partie bis zur Pause im Griff. Kevin Vogt rückte bei gegnerischem Ballbesitz weit nach vorne. Seine Aufgabe war es, den gegnerischen Sechser Sebastian Vasiliadis eng zu decken. Das erlaubte wiederum Klaassen, nach rechts zu rücken und hier das Pressing zu unterstützen. Bremen lenkte das Spiel so auf die andere Seite. Hier war der SC Paderborn wesentlich spielschwächer aufgestellt.

Werder Bremen nach Systemumstellung des SC Paderborn zeitweise unter Druck

Trotz der klaren 3:0-Halbzeitführung folgte auf den Wiederanpfiff eine Phase, in der Paderborn drückte. Trainer Steffen Baumgart hatte sein System umgestellt: Mit den Einwechslungen von Ben Zolinski und Marlon Ritter (für Dennis Srbeny und Laurent Jans) stellte der SCP von einem 4-4-2- auf ein 3-4-3-System um. Ritter agierte hinter einem Doppelsturm aus Zolinski und Sven Michel. Antony Evans und Christopher Antwi-Adjei, in der ersten Halbzeit noch als Außenstürmer unterwegs, agierten nun als enorm offensive Außenverteidiger.

Werder Bremen brauchte einige Minuten, um sich an das offensive System der Paderborner anzupassen. Zunächst rückte Vogt weiterhin aggressiv nach vorne, was gegen Paderborns Drei-Mann-Sturm jedoch große Lücken im Abwehrverbund hinterließ. Kohfeldt beorderte Vogt jedoch schnell in die Abwehr zurück. Mit der Einwechslung von Philipp Bargfrede (59., für Rashica) stellte Bremen auf ein stabiles 5-3-2-System um.

Werder Bremen poliert gegen SC Paderborn Torverhältnis auf

Später brachte Kohfeldt in Davie Selke und Niclas Füllkrug einen neuen Doppelsturm. Das entpuppte sich als gute Entscheidung: Bremen gelang es in der Schlussphase, die weit aufgerückten Paderborner auszukontern. Diese sicherten eigene Angriffe nur noch mit der Dreierkette ab.

Paderborn verlangte Werder zwar auch in der zweiten Halbzeit ein intensives Spiel ab. Beide Teams zwangen sich gegenseitig in die Zweikämpfe. Doch Werder Bremen hielt dem Druck stand. Der höchste Sieg der Saison sorgt dafür, dass die Bremer im Abstiegskampf Luft wittern. Zugleich macht die neu gewonnene Tiefe im Angriffsspiel Hoffnung, dass auch in den drei finalen Saisonspielen Tore gelingen – vielleicht sogar schon am Dienstag gegen die Bayern.

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