Die Taktik von Trainer Florian Kohfeldt ging zunächst nicht auf: Werder Bremen  spielte eine schlechte erste Halbzeit gegen den FC Schalke 04.
+
Die Taktik von Trainer Florian Kohfeldt ging zunächst nicht auf: Werder Bremen spielte eine schlechte erste Halbzeit gegen den FC Schalke 04.

Werder gegen S04 in der Taktik-Analyse

Zum Glück gezwungen: Warum Werders Mauertaktik gegen Schalke 04 nicht aufging – die Analyse

Bremen - In der ersten Halbzeit wollte Werder Bremen die spielschwachen Schalker kommen lassen. Doch die Strategie ging schief. Warum Werder bis zur Pause schwächelte und wieso am Ende trotzdem ein Sieg drin gewesen wäre, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

„Never change a winning team!“, lautet ein bekanntes Mantra aus dem US-Sport. Werder-Trainer Florian Kohfeldt wandte diesen Satz in etwas abgewandelter Form gegen Schalke 04 an: „Never change a winning tactic!“ Werder Bremen folgte der Erfolgsidee der vergangenen Wochen: Dem spielschwachen Gegner den Ball überlassen, um selbst mit Kontern und Standards zum Erfolg zu gelangen. Ausgerechnet gegen den Tabellenletzten ging diese Strategie schief.

Werder Bremen gegen Schalke 04 in der Taktik-Analyse: Tiefe Bremer, geduldige Schalker

Florian Kohfeldt veränderte seine Startaufstellung im Vergleich zum 4:1-Sieg gegen Hertha BSC nur auf einer Position: Josh Sargent ersetzte den verletzten Davie Selke. Wie in der Vorwoche schickte Kohfeldt seine Elf in einer 5-3-2-Formation auf das Feld. Auch die Strategie blieb dieselbe wie gegen Hertha. Werder Bremen zog sich in die eigene Hälfte zurück und überließ dem Gegner den Ballbesitz. Das Kalkül: Die spielschwachen Schalker würden gegen Werders kompakte Defensive keine Lücken in der Defensive finden. Der Gegner sollte sich praktisch selbst schlagen – und Werder den Ball und die passenden Kontergelegenheiten schenken.

Schalke 04 machte das Spiel mit. Sie übernahmen die Kontrolle über die Partie und ließen den Ball im eigenen 4-2-3-1-System zirkulieren. Sechser Benjamin Stambouli ließ sich immer wieder fallen, um den Spielaufbau seiner Mannschaft anzukurbeln. Bremen übte keinen Druck auf Schalkes erste Aufbaulinie aus. Deren Verteidiger ließen Ball und Gegner laufen.

Werder Bremen: Taktik geht gegen Schalke 04 nicht auf - Keine Gefahr durch Konter

Zunächst versuchte der SV Werder Bremen noch, Ballgewinne zu erzwingen. Bei Rückpässen auf dem Flügel schoben die Außenverteidiger aggressiv nach, Werder wollte hier den Ball erobern. Nachdem dies nicht wie erwünscht funktionierte, stellte Bremen das Pressing nach einer Viertelstunde ein. Sie verbarrikadierten sich am eigenen Strafraum in einem 5-3-2. Es entwickelte sich ein zähes Spiel. Schalke 04 fehlten die spielerischen Mittel, um die kompakte Defensive der Bremer zu knacken. Stürmer Matthew Hoppe hing in der Luft. Ihre starke linke Seite mit Sead Kolasinac und Amine Harit fand nicht ins Spiel, auf der rechten Seite fehlte es an Ideen. In diesem Aspekt ging Werders Plan auf.

Doch Kohfeldts Team verließ sich in dieser Phase zu stark auf das eigene Defensivspiel. Konter waren ebenso Fehlanzeige wie der Versuch, Schalkes ewige Passstaffetten auf den Flügeln zu unterbrechen. Bis zur Pause hatten die Gäste fast 65 Prozent Ballbesitz. Es kam, wie es kommen musste: Schalke ging mit einem Angriff über den rechten Flügel in Führung (38.). Harit war von der linken Seite herübergerückt und schuf damit Unordnung in Werders Defensive.

Taktik-Analyse gegen den FC Schalke 04: Anderes Werder Bremen nach der Pause

Florian Kohfeldt war sichtlich unzufrieden mit der passiven Verteidigung seines Teams. In der Halbzeitpause wechselte er gleich dreifach: Ludwig Augustinsson, Kevin Möhwald und Milot Rashica kamen in die Partie. Auf den ersten Blick waren alle drei Wechsel positionsgetreu. Werder Bremen agierte auch nach der Pause aus einem 5-3-2-System, Rashica spielte nun als zweiter Stürmer neben Sargent.

Die Spielidee der Bremer war nun aber eine gänzlich andere: Sie übernahmen die Kontrolle über das Spiel. Die Außenverteidiger schoben weit nach vorne und attackierten nun Schalkes Außenverteidiger. Werder presste häufig in einem 3-1-4-2-System. Das schmeckte den Schalkern nicht. Man spürte die Verunsicherung beim Tabellenletzten. Vor der Pause waren ohne Bremer Druck noch 89m Prozent ihrer Pässe angekommen. Nach der Pause lag ihre Passgenauigkeit bei 64 %.

Im Ballbesitzspiel kamen die Bremer nun hauptsächlich über die Flügel. Hier schufen sie Überzahlen. Tatsächlich gelang es Werder Bremen, mithilfe von Flanken zu Chancen zu gelangen. Rashica und der in der 61. Minute eingewechselte Yuya Osako kamen per Kopf zu Möglichkeiten. Dass diese eher klein gewachsenen Angreifer Kopfball-Duelle gewannen, unterstreicht, wie schwach Schalke 04 im eigenen 4-2-3-1 verteidigte. Gerade auf den Flügeln klafften große Lücken.

Die defensive Strategie von Werder Bremen gegen Schalke 04: Im 5-3-2 zog sich die Mannschaft von Florian Kohfeldt in die eigene Hälfte zurück. Schalkes Viererkette plus der zurückfallende Stambouli wurden praktisch nicht gestört; Schalke konnte somit den Ball laufen lassen. Erst in der zweiten Halbzeit attackierten die Bremer früher.

Werder Bremen gegen den FC Schalke 04 in der Taktik-Analyse: Fehlende Tiefe - das Fazit

13 Abschlüsse hatten die Bremer am Ende nach der Pause. Trotzdem konnten sie das Spiel nicht drehen. Es mangelte (mal wieder) an Tiefe im Bremer Angriffsspiel. Möhwald und Rashica ließen sich häufig fallen. Osako war häufig der einzige Spieler in letzter Linie – eine Position, die weder zu ihm noch zum Angriffsspiel passt. Werder Bremen fehlte ein Abnehmer für den finalen Pass. Es war kein Zufall, dass der Ausgleich fiel, als Osako das Spiel aus tiefer Position einleitete. Rashica war ausnahmsweise in die Tiefe gestartet und bediente den ebenfalls aufgerückten Kevin Möhwald (77.); eine Aufgabenteilung, die wesentlich besser zu den Stärken der Spieler passte.

Das Unentschieden mag angesichts der Dominanz in der zweiten Halbzeit ungerecht wirken. Es stellt sich jedoch die Frage, warum der SV Werder Bremen erst nach 45 Minuten auf diese Taktik umgestellt hat. Die Idee, den Schalkern den Ball zu überlassen und sie damit zu verunsichern, ging schief. Dass am Ende nicht mehr als ein Unentschieden heraussprang, lag hauptsächlich an dieser strategischen Fehlentscheidung.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare