Ole Werner wirkte im Heimspiel des SV Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt ein ums andere Mal konsterniert angesichts der Leistung seiner Hintermannschaft.
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Ole Werner wirkte im Heimspiel des SV Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt ein ums andere Mal konsterniert angesichts der Leistung seiner Hintermannschaft.

Nach Werders 2:3-Pleite gegen Frankfurt

Taktik-Analyse: Das Chaos siegt - wie Eintracht Frankfurt dem SV Werder Bremen die Grenzen aufzeigte

Bremen - Wacker gekämpft, trotzdem verloren: Eintracht Frankfurt zeigt, wie man das Werderaner System bespielen muss. Trotzdem steckte Werder Bremen nie auf. Unser Taktikkolumnist Tobias Escher versucht, Ordnung in eine chaotische Partie zu bringen.

Langeweile dürfte niemand verspürt haben am frühen Sonntagabend im Bremer Weserstadion. Fünf Tore fielen allein in der ersten Halbzeit, zwei weitere kamen nach der Pause hinzu. Besonders in den ersten 45 Minuten lieferten sich Werder Bremen und Eintracht Frankfurt einen munteren Schlagabtausch. Dass Werder erstmals in dieser Saison als Verlierer vom Platz ging, lag an einem spielstarken Gegner. Frankfurts Coach Oliver Glasner wählte die richtige Aufstellung gegen Bremens mannorientierte Defensive.

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner setzt auf Spielstärke

Werder-Coach Ole Werner sah nach dem 3:2-Erfolg gegen Borussia Dortmund keine Veranlassung, seine Mannschaft zu verändern. Werder lief erneut in einem 5-3-2-System auf. Die Defensive war – wie unter Werner üblich – auf das Spiel Mann-gegen-Mann ausgerichtet. Besonders im Mittelfeld hefteten sich die Spieler des SV Werder Bremen an die Fersen ihrer Gegenspieler.

Gäste-Trainer Oliver Glasner ließ sich etwas einfallen gegen Bremens Manndeckung. Er stellte eine besonders spielstarke Mannschaft auf: In seinem 4-2-3-1 verzichtete er auf einen klassischen Stürmer. Stattdessen begann der leichtfüßige Randal Kolo Muani als einzige Spitze. Hinter ihm agierten mit Jesper Lindstrøm, Mario Götze und Daichi Kamada gleich drei kreative Spieler. Frankfurts 4-2-3-1-System war ganz auf Kurzpassspiel getrimmt. Früh erschloss sich, welche Idee hinter dieser Aufstellung steckte: Eintracht Frankfurt wollte mit viel Bewegung und flachem Passspiel die Manndeckung der Bremer sprengen. Götze bewegte sich immer wieder nach vorne und hinten, Kamada zog ständig in die Mitte, auch Lindstrøm zeigte sich umtriebig. Sie versuchten, die Bremer Mittelfeldspieler aus ihrer Position zu ziehen.

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt in der Taktik-Analyse: Chaos statt Ordnung

Eintracht Frankfurts Idee ging in vielen Situationen auf – zumindest in Ansätzen. Die Doppelsechs aus Djibril Sow und Sebastian Rode positionierte sich tief. Sobald sich ein Bremer auf sie stürzte, suchten sie den freien Mann in der Dreierreihe. Häufig konnte Frankfurt diese Angriffe schnell durchspielen, bis Muani zu einem Dribbling oder der aufrückende Linksverteidiger Luca Pellegrini zu einer Flanke ansetzen konnte. Diese Spielanlage brachte Frankfurt die frühe Führung (2.) und zugleich ein optisches Übergewicht. Kontrolle über die Partie erlangten sie damit aber nicht. Das war der Haken an ihrer Taktik: Sie versuchten, mit flachen Pässen durch das Mittelfeld die Manndeckung des SV Werder Bremen zu knacken und einen freien Offensivspieler zu finden. Dadurch wurde ihr Spiel schnell, beizeiten hektisch. Viele Ballverluste waren die Folge.

So fand Werder Bremen zurück in die Partie, obwohl sie in der Anfangsphase defensiv wenig Zugriff erhielten. Sie kamen durch das hektische Frankfurter Spiel immer wieder an den Ball. Zugleich setzte Eintracht Frankfurt auf viele kleine Fouls, um die Ansätze von Bremer Kontern zunichtezumachen. Werder ging dank zweier Standard-Tore (14., 17.) in Führung. Das Übergewicht der Frankfurter blieb aber bestehen. Beim 2:2 (32.) profitierten sie von einem Fehlpass von Marco Friedl. Das 3:2 (39.) unterstrich indes die Stärken der Frankfurter an diesem Nachmittag. Werder erhielt im Mittelfeld keinen Zugriff auf den Gegner. Mit kurzen, genauen Pässen filetierte die Eintracht das gegnerische Mittelfeld. Im Anschluss konnte Lindstrøm mit Vollgas auf Jiri Pavlenka zulaufen.

Vor dem 3:2 für Eintracht Frankfurt befindet sich Werder Bremen im Mittelfeld nur wenige Meter vom Gegner entfernt, auch weil Groß mit einem Auge Kamada im Raum hinter sich im Blick behält. Die SGE kombiniert sich mit kurzen Pässen durch, Werders komplettes Mann-gegen-Mann-Mittelfeld wird so entblößt.

Werder Bremen übernimmt die Kontrolle nach der Pause - aber es reicht nicht zu etwas Zählbarem gegen Eintracht Frankfurt

Das 4:2 direkt nach Wiederanpfiff (48.) schien das Bremer Schicksal zu besiegeln. Eintracht Frankfurt zog sich mit der Führung im Rücken zurück. Sie verteidigten nun in einem 4-4-1-1. Werder Bremen durfte den Ball in der eigenen Abwehr zirkulieren lassen. Erst im Mittelfeld versuchten die Frankfurter, Zugriff herzustellen. Waren die Ballbesitzwerte vor der Pause noch ausgeglichen, erzielte Werder nach der Pause ein klares Plus von über 60 Prozent. Werder brauchte einigen Anlauf, den eigenen Ballbesitz auch auszuspielen. Sie versuchten, das eigene Mittelfeld zu überspielen und direkt die Stürmer einzusetzen. In einigen Situationen funktionierte dies, auch weil die Frankfurter Viererkette nicht aktiv herausrückte. Oft aber konnte die zurückfallende Doppelsechs diese Angriffe entschärfen.

Gefahr entfachte Werder erst in der Schlussphase. Die eingewechselten Romano Schmid und Niklas Schmidt besetzten nun die Räume im zentralen Mittelfeld. Frankfurt verteidigte nach den eigenen Wechseln nicht mehr ganz so konsequent, gerade zwischen Sturm und Mittelfeld klaffte eine große Lücke. Nach der Einwechslung von Oliver Burke griff Werder in einem enorm offensiven 3-4-3-System an. Dem SV Werder Bremen gelang zwar noch der Treffer zum 3:4. Doch das Wunder blieb ihnen diesmal versagt. Es wäre auch zu viel gewesen. Die Eintracht spielte vor der Pause ihre Spielstärke aus, profitierte bei den eigenen Treffern aber auch von Bremer Schwächen im Defensivverbund. Werder musste erstmals in dieser Saison erfahren, dass sich die eigenen Fehler nicht immer mit einem Last-Minute-Kraftakt ausmerzen lassen. Dieses Fazit sollte sich Werder vor dem wichtigen Spiel beim VfL Bochum am kommenden Samstag auf die Fahnen schreiben.

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