Trainer Ole Werner musste im Heimspiel des SV Werder Bremen auf einen überraschend frech aufspielenden Underdog Dynamo Dresden reagieren.
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Trainer Ole Werner musste im Heimspiel des SV Werder Bremen auf einen überraschend frech aufspielenden Underdog Dynamo Dresden reagieren.

Werders Heimsieg gegen Dresden

Taktik-Analyse: Risiko statt Dominanz - wie sich Werder gegen Dynamo Dresden befreien konnte

Bremen - Die Taktik des neuen Trainers von Dynamo Dresden stellte Werder Bremen vor eine Herausforderung. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten fanden die Bremer die richtigen Lösungen – und spielten doch in mancher Situation arg riskant, meint unser Taktik-Experte Tobias Escher.

Wenn der Gegner vor dem Spiel seinen Trainer entlässt, erschwert dies die Vorbereitung ungemein. Welche Taktik der neue Trainer wählt, ist völlig offen. Die vergangenen Spiele taugen nicht mehr als Maßstab. Gegen Dynamo Dresden stand Werder Bremens Coach Ole Werner vor genau dieser Aufgabe. Deren neuer Trainer Guerino Capretti hatte sich gegen Werder etwas Interessantes ausgedacht.

Werder Bremen gegen Dynamo Dresden: Dresdner Mischung aus 4-3-3 und 4-4-2 stellt Werder vor Probleme

Nachdem Dresden zuletzt in einem 4-2-3-1 agiert hatte, änderte Capretti die Grundformation. In Bremen trat Dynamo in einer Mischung aus 4-3-3 und 4-4-2 an. Interessant war hier vor allem die Rolle von Morris Schröter, der zwischen Rechtsaußen und Sturm pendelte. Dynamos Matchplan sah vor, hohen Druck auf der (halb-)rechten Seite auszuüben. Schröter schob dazu auf eine Höhe mit Stürmer Christoph Daferner. Gemeinsam liefen sie Bremens Innenverteidiger an. Marco Friedl und Ömer Toprak sahen sich besonders in der Anfangsphase ständigem Druck ausgesetzt.

Die Grafik zeigt das Pressing von Dynamo Dresden. Schröter rückte auf rechts vor, Meier sicherte für ihn ab. So konnte Dresden hohe Druck auf Friedl und Toprak ausüben. Schlüsselspieler bei Werder Bremen wurde Christian Groß: Er ließ sich fallen, entledigte sich seines Manndeckers Mai und spielte die meisten Pässe aller Bremer.

Dynamo Dresden reagierte damit auf den Spielaufbau der Bremer Mannschaft. Dieser ist leicht asymmetrisch angelegt: Rechtsverteidiger Mitchell Weiser rückt weit vor. Dadurch muss wiederum Milos Veljkovic weit nach Außen rücken, um sich in der Breite anzubieten. Im Zentrum übernehmen Friedl und Toprak den Aufbau. Dresden spiegelte das Bremer System und lenkte somit den Aufbau von Friedl und Toprak weg.

Werder Bremen gegen Dynamo Dresden: Viel Risiko, viel Ertrag

Werder Bremen benötigte einige Minuten, um sich gegen das aggressive Pressing der Gäste zurechtzufinden. Nach dem frühen Rückstand (2.) fanden sie jedoch schnell zum eigenen Rhythmus. Sechser Christian Groß sollte in der Folge der Schlüssel werden. Ständig ließ er sich fallen oder bewegte sich nach Außen, um Anspielstationen zu kreieren. Von dort aus suchte Werder die Verlagerung, meist auf den rechts freistehenden Veljkovic. Mit zunehmender Zeit konnte Werder Kontrolle über die Partie gewinnen. Dresden überzeugte zwar im hohen Pressing. Sobald dieses überspielt war, zogen sie sich in einem passiven 4-5-1 zurück.

Bremen fand vor allem auf den Flügeln Räume vor. Marvin Ducksch wich wie gewohnt nach links aus, Leonardo Bittencourt schuf Überzahlen auf der rechten Seite. Meist fanden sie sich nur einem Gegenspieler gegenüber. Dresden rückte hier nicht konsequent genug nach. Noch folgenschwerer für Dynamo Dresden war die Tatsache, dass sie häufig den Passweg ins Zentrum nicht schlossen. Werder Bremen konnte relativ simpel Pässe vom Flügel an die Strafraumkante spielen, so auch vor dem 1:1 (16.).

Werder Bremen mit wenig Zug zum Tor und zu wenig Dominanz gegen Dynamo Dresden

In den guten Phasen der Partie überzeugte Werder Bremen mit Risiko im zweiten sowie im letzten Spielfelddrittel. Fast immer suchten sie die riskante Lösung. In den meisten Fällen beinhaltete dies ein Pass ins Zentrum; hier boten sich der zurückfallende Niclas Füllkrug sowie Niklas Schmidt, der gegen Dynamo zu seinem ersten Startelf-Einsatz seit Oktober kam, an. Im Idealfall kombinierte sich Werder schnell zum gegnerischen Strafraum – so auch vor dem 2:1 (44.).

Mit der Zeit jedoch wurde das Spiel der Bremer ungenauer. Dynamo Dresden stellte sich auf die zahlreichen Pässe ins Zentrum ein. Sechser Sebastian Mai stand etwas tiefer, um den Raum vor der Abwehr zu stärken. Werder verlor zunehmend Bälle – und damit auch die Kontrolle über die Partie. Dies sollte über die gesamten neunzig Minuten ein Problem darstellen. Nach Ballgewinnen versuchten die Bremer, den Konter zu erzwingen. Nur selten funktionierte dies. Da Dresden nach Ballverlusten ebenfalls sofort nach vorne spielte, meist in Form eines langen Balls, entstand ein zerfahrenes, aufgeregtes Spiel – eine Partie also, an der Bremen eigentlich kein Interesse hatte, spätestens nach der 2:1-Führung.

Christian Groß ist Werders unscheinbarer Antreiber - ohne ihn sammelten die Bremer im Schnitt nur 0,8 Punkte pro Spiel, mit ihm 2,2!

Abnehmende Kräfte bei Gegner Dynamo Dresden: Werder Bremen fehlt die Zielstrebigkeit

Auch im gegnerischen Strafraum wählte Werder Bremen meist die etwas riskante Variante. Beizeiten hatte man das Gefühl, die Bremer Spieler wollen den Ball ins Tor passen. Im gegnerischen Strafraum spielte Werder fast doppelt so viele Pässe, wie sie Schüsse abgaben (28:15). Solch eine Statistik ist äußerst selten. Zum Vergleich: Dynamo Dresdens Wert lag bei 9:10, Aufstiegskonkurrent St. Pauli kam an diesem Wochenende auf 8:13, Darmstadt gar auf 5:10.

Das etwas zu verschnörkelte Spiel sorgte dafür, dass Werder Bremen gegen einen offensiv recht harmlosen Gegner lange Zeit zittern musste. Dresdens Versuche, mit Angriffen über die eingerückten Außenstürmer zum Erfolg zu gelangen, hätte fast zum Ausgleich geführt. In der Schlussviertelstunde konnte Debütant Capretti jedoch keine neuen taktischen Ideen aufbieten. Dynamo Dresden wirkte nun müde. So gewann Werder ein Spiel, in dessen Verlauf sie in manchen Momenten Kombinationsfußball zelebrierten. In anderen Situationen fehlte jedoch die Zielstrebigkeit. Mit der unbekannten Taktik des Gegners kam Werners Team indes gut zurecht. Am kommenden Wochenende dürfte die Vorbereitung leichter fallen. Heidenheims Trainer Frank Schmidt ist seit 2007 im Amt. Es gibt also genug Material, das Werders Spielanalysten durchforsten können.

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