Taktik-Analyse: Florian Kohfeldt, Cheftrainer des SV Werder Bremen, sucht noch nach der richtigen Balance zwischen Defensive und Offensive.
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Taktik-Analyse: Florian Kohfeldt, Cheftrainer des SV Werder Bremen, sucht noch nach der richtigen Balance zwischen Defensive und Offensive.

Werder holt Punkt gegen Hoffenheim

Werder in der Taktik-Analyse: Kohfeldts Suche nach der richtigen Balance

Bremen – Ein Schritt vorwärts, ein Schritt zurück: So lässt sich die Leistung des SV Werder Bremen beim 1:1 gegen Hoffenheim aus taktischer Sicht beschreiben. Wieso Florian Kohfeldt als Taktikfuchs überzeugte, sein Team aber gerade nach vorne Schwächen offenbarte, erklärt unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Hauptsache Punkte! So lautete das Motto des SV Werder Bremen in den ersten Spielen dieser Saison. Trainer Florian Kohfeldt wählte eher simple taktische Systeme, um seinem Team Stabilität zu geben. Mit den positiven Ergebnissen im Rücken kehrt so langsam das Selbstvertrauen nach Bremen zurück – und damit auch Kohfeldts Experimentierfreude.

Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim in der Taktik-Analyse: Das Zentrum bleibt dicht!

Gegen Hoffenheim wirbelte Kohfeldt die Bremer Startelf durcheinander. Ludwig Augustinsson fehlte verletzt, für ihn rückte Jean-Manuel Mbom auf die linke Seite. Die Rechtsverteidiger-Position übernahm Theodor Gebre Selassie, weshalb Niklas Moisander in die Innenverteidigung rückte. Am auffälligsten waren Werders Änderungen im Mittelfeld: Christian Groß begann für Nick Woltemade. Er bildete zusammen mit Maximilian Eggestein eine Doppelsechs vor Bremens Dreier-Abwehr. Vor ihnen agierten mit Leonardo Bittencourt und Josh Sargent zwei weitere Spieler in relativ zentraler Position. Niclas Füllkrug fiel die Rolle des alleinigen Stürmers zu. Werders defensive Strategie lautete, das Zentrum für die Hoffenheimer zu versperren. Bittencourt und Sargent rückten weit ins Zentrum, sodass eine Art 5-2-2-1-Formation entstand. Werder Bremen wollte damit Hoffenheims hohe Zentrumslastigkeit kontern.

Taktik-Analyse: Hoffenheimer Abstimmungsschwierigkeiten gegen Werder Bremen

Die Hoffenheimer begannen in einem defensiven 5-2-3-System, hatten aber einige taktische Kniffe parat. So rückte Rechtsverteidiger Sebastian Rudy bei eigenem Ballbesitz praktisch permanent in den Sechserraum. Zusammen mit Diadie Samassekou und Dennis Geiger bildete er hier ein Dreier-Mittelfeld. Christoph Baumgartner bot sich als zurückfallender Stürmer ebenfalls häufig im Zentrum an. Werder Bremen war mit der eigenen Formation gut gewappnet gegen die hohe Zentrumslastigkeit des Gegners. Sie stellten alle Passwege in die Mitte zu. Hoffenheim blieb im Spielaufbau nur der Pass auf die Außenverteidiger. Hier schlug Werder meist aggressiv zu: Die Außenverteidiger rückten nach vorne, Bittencourt bzw. Sargent machten zusätzlich den Weg zum Flügel. Werder schloss somit auch von hier aus alle Wege ins Zentrum.

Die Grafik zeigt das Spiel des SV Werder Bremen gegen den Ball. Baumgartner und Rudy versuchten, eine Hoffenheimer Überzahl im Zentrum zu kreieren. Bittencourt und Sargent zogen weit in die Mitte, um diese Überzahl zu kontern.

Auch im eigenen Spielaufbau hatten die Bremer leichte Vorteile. Hoffenheim wirkte im neu formierten System schlecht abgestimmt. Vorne pressten zwar drei Akteure, dahinter rückte jedoch selten jemand nach. Eggestein und Groß halfen, das Pressing der Hoffenheimer zu überspielen, indem sie immer wieder auf die Flügel herausrückten. Werder Bremen konnte sich gut herauskombinieren und erzielte früh das Führungstor (5.). Nur in einer Situation verpasste Werder es, genügend Druck auf die gegnerischen Außenverteidiger auszuüben. In der 22. Minute konnte Rechtsverteidiger Stefan Posch eine Verlagerung spielen auf Linksverteidiger Robert Skov. Dessen abgefälschter Pass landete bei Dennis Geiger. 1:1.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse gegen die TSG Hoffenheim: Es mangelt an Tiefe

Trainer Sebastian Hoeneß reagierte nach dem Ausgleichstreffer und änderte seine Formation: Baumgartner ließ sich ins Mittelfeld fallen, Hoffenheim verteidigte fortan in einem 5-3-2-System. Immer seltener gingen sie ins hohe Pressing. Stattdessen versuchten sie, im Mittelfeld kompakt zu stehen. Bei Bremen zeigten sich in der Folge alte Schwierigkeiten. Insbesondere nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Füllkrug (37.) mangelte es dem Bremer Spiel an Tiefe. Ersatzmann Yuya Osako ließ sich zwar häufig fallen. Selbst wenn er im Zehnerraum den Ball bekam, fehlte häufig die Anschlussaktion. Bittencourt ging noch am ehesten den Weg in die Spitze. Gerade aus dem Mittelfeld heraus fehlten nachrückende Bewegungen. Das war keine Überraschung, schließlich boten sich Eggestein und Groß meist tief auf dem Flügel an.

Nicht nur aufgrund der Bremer Offensivschwächen trat die TSG Hoffenheim in der zweiten Halbzeit dominanter auf. Ihnen gelang es nun häufiger, das Mittelfeld des SV Werder Bremen über die Halbräume zu umspielen. Besonders Samassekou setzte sich häufig auf den halblinken Flügel ab und stand dort frei. Gerade in den Schlussminuten wirkte Bremen nicht ganz so griffig wie noch in der ersten halben Stunde.

Taktik-Analyse: Werder Bremens Stabilität ohne Offensivgefahr gegen die TSG Hoffenheim

Doch auch die Hoffenheimer hatten an diesem Nachmittag Probleme, ihre Ballbesitzansätze in den gegnerischen Strafraum zu tragen. Chancen gab es in der zweiten Halbzeit hauptsächlich nach Standardsituationen. So bleibt nach dem Spiel ein gemischtes Fazit aus Bremer Sicht. Florian Kohfeldt hat seine Mannschaft gut eingestellt auf den Gegner, defensiv hatten sie die Partie über weite Strecken im Griff. Sorgen macht eine andere Statistik: Nur fünfmal schoss Werder Bremen in Richtung Hoffenheimer Tor, wobei nur Eggesteins Führungstreffer im gegnerischen Strafraum abgegeben wurde. Nachdem Kohfeldt die Bremer Mannschaft defensiv stabilisiert hat, wird er als nächstes die Offensivprobleme angehen müssen.

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