Top-Debüt von Ole Werner als Trainer des SV Werder Bremen: Gegen Erzgebirge Aue ging seine Taktik voll auf - am Ende stand es 4:0.
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Top-Debüt von Ole Werner als Trainer des SV Werder Bremen: Gegen Erzgebirge Aue ging seine Taktik voll auf - am Ende stand es 4:0.

SV Werder gewinnt 4:0 gegen Aue

Perfekter Einstand! Werners riskante Taktik im Debüt geht auf - die Analyse zum Werder-Sieg gegen Aue

Ein Auftakt nach Maß! Ole Werner seziert in seinem ersten Spiel als Werder-Coach die Schwächen des Gegners. Erzgebirge Aue bleibt chancenlos – auch weil Bremen kompromisslos nach vorne verteidigt, meint unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Markus Anfang war gestern. Nun soll es in Bremen wieder um das Sportliche gehen. So lautete Ole Werners Botschaft bei seinem Amtsantritt als neuer Werder-Trainer. Er möchte bei Werder Bremen nicht nur erfolgreichen, sondern auch attraktiven Fußball spielen lassen. Bereits bei seinem Debüt-Spiel gegen Erzgebirge Aue sah man einige taktische Ideen, die typisch sind für den ehemaligen Kieler Trainer.

Auf dem Papier nahm Ole Werner keine allzu großen Änderungen vor. Werder stellte sich in einem 5-3-2-System auf. Diese Formation hatten bereits sein Vorgänger Anfang und Interimscoach Danijel Zenkovic genutzt. Einzig Interims-Interimscoach Christian Brand war vergangene Woche mit einem 4-4-2-System vom 5-3-2 abgewichen – und kassierte prompt einen Rüffel von Niclas Füllkrug, dem die Taktik missfiel. Werders Angreifer konnte sich freuen, als Teil eines Zweiersturms wieder von einer Fünferkette abgesichert zu werden.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen Erzgebirge Aue: Altes 5-3-2-System, neue Spielweise

Die Formation mag die gleiche gewesen sein wie in den vergangenen Partien. Die Spielweise unterschied sich jedoch stark. Im Offensivspiel war Werder Bremen viel stärker darauf fokussiert, mit flachen Pässen zwischen die gegnerischen Linien zu gelangen. Die Außenverteidiger schoben dazu hoch, während sich die Achter in den Halbräumen anboten.

Werder wollte auf diese Art die Viererketten von Erzgebirge Aue sprengen. Diese verteidigten in einem 4-4-2. Romano Schmid und Leonardo Bittencourt postierten sich dabei zwischen den gegnerischen Außenstürmern und den Sechsern. Um Bittencourt und Schmid zu decken, zogen die gegnerischen Außenstürmer nach innen. Das öffnete wiederum Räume auf den Flügeln für Werders Außenverteidiger. Ließ Aue die Halbräume offen, kamen Bittencourt und Schmid in guter Position an den Ball. Die Raumaufteilung der Bremer war in der Offensive wesentlich stimmiger als noch in den vergangenen Wochen.

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Die Grafik zeigt, wie es Werder Bremen gelang, Erzgebirge Aue in die Mitte zu locken: Bittencourt und Schmid postierten sich so, dass Aues Außenstürmer ins Zentrum liefen. Das öffnete den Weg auf den Flügeln für Werders Außenverteidiger.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen Erzgebirge Aue: Hohe Risikobereitschaft - offensiv wie defensiv

Werder Bremen gelangte dank dieser guten Ansätze häufig in die gegnerische Hälfte. Marvin Ducksch zeigte sich gewohnt umtriebig, der Stürmer unterstützte seine Kollegen auf den Flügeln. Dort gelangen die meisten Durchbrüche. Die Außenverteidiger zogen immer wieder an die Grundlinie. Dort wagten sie die Ablage in den Rückraum. Nicht immer kam der Ball bei einem Mitspieler an. Diese riskanten, flachen Pässe sorgten aber immer wieder für Chaos im gegnerischen Strafraum.

Grundsätzlich kennzeichnete Werder eine hohe Bereitschaft, ins Risiko zu gehen. Das galt nicht nur für die Steckpässe auf den Flügel oder die flachen Pässe in den Strafraum. Auch defensiv verteidigte Werder Bremen mutig nach vorne. So schob Christian Groß als einziger Sechser immer wieder heraus, um die gegnerischen Sechser im Spielaufbau zu stören. Meist stand er sogar höher als Schmid und Bittencourt.

Groß‘ Herausrücken hatte eine Lücke vor der Abwehr zur Folge. Das ist eigentlich eine Zone, in der eine Mannschaft keine Lücke haben möchte; von hier aus kann der Gegner leicht Angriffe einleiten. Werder wählte trotzdem diesen risikoreichen Weg, auch weil er zum Gegner passte: Erzgebirge Aue besetzte den Raum vor Werders Abwehr im eigenen 4-4-2 nur über die zurückfallenden Stürmer. Werders Verteidiger folgten diesen auf Schritt und Tritt – und schlossen damit auch den Raum vor der Abwehr, sobald sich ein Stürmer dorthin fallenließ. Gerade Ömer Toprak beeindruckte mit seinem Timing beim Herausrücken, aber auch Milos Veljkovic und Marco Friedl gewannen zahlreiche Bälle.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen Erzgebirge Aue: Traumtore erleichtern den Einstand für OIe Werner

Erleichtert wurde Werners Einstand von der Tatsache, dass Werder nicht nur ein, sondern gleich zwei Traumtore erzielte. In der siebten Minute zirkelte Schmid den Ball in den Torwinkel, in der 19. Minute traf Milos Veljkovic per Scorpion-Kick.

Für Werder Bremen hatte die frühe 2:0-Führung den angenehmen Nebeneffekt, dass sie das eigene Risiko senken konnten. Gerade im eigenen Ballbesitz wagten sie in der Anfangsviertelstunde viel, einige Bälle hinter die Abwehr kamen nicht an. Aufgrund der vielen Ballverluste war das Ballbesitzverhältnis bis zum 2:0 ausgeglichen. Ab der 25. Minute ließ Werder den Ball länger in den eigenen Reihen laufen. Ab dann erhöhte sich der Wert auf dominante sechzig Prozent.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Ole Werner lässt riskant spielen, aber Erzgebirge Aue macht es Werder leicht

Zwar konnte Werder Bremen die Partie nicht durchgehend kontrollieren. Die riskante Vorwärtsverteidigung bringt mit sich, dass manches Mal doch ein Ball durchrutscht. Zugleich blieb Werder aber auch immer offensiv gefährlich, weil sie strukturell dem Gegner überlegen waren. Immer wieder konnten Schmid und Bittencourt aus dem Halbraum gute Chancen einleiten. So erhöhte Werder das Ergebnis auf 4:0.

Der perfekte Einstand von Ole Werner zeigt, was möglich ist in Bremen. Beizeiten blitzte bei Werder bereits jene Kombinationsfreude auf, die Werners Kiel so ausgezeichnet hat. Zugleich traf Werder jedoch auf einen Gegner, der an diesem Abend klar unterlegen agierte. Kaum ein Gegner wird es Werder so leicht machen, über die Flügel Durchbrüche zu erzielen. Für Werner gilt es nun zu beweisen, dass er auch die Schwachstellen der anderen Zweitligisten offenlegen kann. Dann redet man in Bremen bald nur noch über das Sportliche. (tes) Lest auch: Torfestival unter den Augen von Ole Werner - Werders U23 schlägt auch Jeddeloh klar!

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