Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Darum ging das letzte Spiel von Trainer Florian Kohfeldt schief.
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Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Darum ging das letzte Spiel von Trainer Florian Kohfeldt schief.

Darum ging der Kohfeldt-Plan nicht auf

Taktik-Analyse zum letzten Spiel von Trainer Florian Kohfeldt: Werder-Niederlage ein Spiegelbild der Saison

Augsburg – Die 0:2-Niederlage des SV Werder Bremen beim FC Augsburg besiegelte das Aus von Trainer Florian Kohfeldt. Werder beging gegen den FCA dieselben Fehler, die das Team seit Monaten bereits plagen: Werder fehlten die Ideen im Ballbesitz, bei Standards waren sie anfällig – und auch der taktische Plan von Kohfeldt war nicht optimal, meint DeichStube-Taktikanalyst Tobias Escher.

Es gibt Spiele, in denen erinnert Fußball mehr an Kampf- denn an Ballsport. Die Partie zwischen Werder Bremen und dem FC Augsburg gehörte definitiv dazu. Am vorletzten Spieltag ging es um nicht weniger als den Klassenerhalt. Entsprechend warfen beide Teams ihre ganze Kampfkraft und Leidenschaft in die Waagschale. Ironischerweise schwächelten die Bremer immer just dann, wenn aus dem Kampf- ein Fußballspiel wurde.

Werder Bremen gegen den FC Augsburg in der Taktik-Analyse: 4-2-3-1 gegen 4-2-3-1

Kampfkraft, Stabilität, Kompaktheit: Das waren die Eigenschaften, die beide Trainer von ihren Teams forderten. Entsprechend verzichteten Werder-Coach Florian Kohfeldt und sein Gegenspieler Markus Weinzierl auf Experimente. Beide Teams stellten ihre Mannschaft in einem 4-2-3-1 auf. Defensiv verteidigten die Teams mit zwei Viererketten in einem 4-4-1-1. Offensiv versuchten sie, mit langen Bällen ihre groß gewachsenen Stürmer zu finden. Auf Werders Seite waren dies Davie Selke und Niclas Füllkrug. Fußball gab es in den ersten Minuten kaum zu bestaunen, dafür zahlreiche Duelle um lange Bälle sowie Fouls. Die Spieler warfen sich in jeden Zweikampf (und nach jedem Zweikampf warfen sie sich auf den Boden). Es dauerte keine Viertelstunde, ehe der erste Spieler die Kontrolle verlor: Augsburgs Ruben Vargas flog nach einer Tätlichkeit vom Platz (13.).

Die Aufgaben waren fortan klar verteilt: Augsburg änderte die eigene Formation zu einem 4-4-1 und zog sich noch weiter zurück. Es lag nun an Werder Bremen, die tief verteidigende Augsburger Defensive zu knacken. Werders Ballbesitzanteil zwischen der 15. und der 45. Minute lag bei nahezu 80 Prozent; Werte, die selbst der FC Bayern selten erreicht.

Das letzte Spiel von Werder Bremen-Trainer Florian Kohfeldt in der Taktik-Analyse: Rechte Seite im Fokus

Werder Bremen ging dabei recht geduldig vor: Die Innenverteidiger ließen den Ball laufen, Christian Groß ließ sich als Unterstützung immer wieder in die Abwehr fallen. Aus dem ruhigen Ballbesitzspiel versuchten die Bremer, den Gegner über die rechte Seite zu knacken. Hier hatte Florian Kohfeldt offenbar eine Schwachstelle im gegnerischen Defensivverbund ausgemacht. Maximilian Eggestein rückte mit auf diese Seite, Außenverteidiger Theodor Gebre Selassie rückte weit mit nach vorne. Werder versuchte, den halbrechts postierten Josh Sargent hinter die gegnerische Abwehr zu schicken. Er sollte sich zwischen gegnerischen Außen- und Innenverteidiger postieren. Sobald der Augsburger Außenverteidiger herausrückte auf Selassie oder Eggestein, startete Sargent in die Tiefe. Leider gelang dieses Angriffsmuster nur wenige Male. Zum Einen unterstützte Augsburg Außenstürmer Marco Richter seinen Außenverteidiger-Kollegen Iago. Zum Anderen konnte sich Sargent selbst dann kaum durchsetzen, wenn er den Ball bekam.

Die taktische Grundordnung von Werder Bremen gegen den FC Augsburg.

Diese Spielidee funktionierte tatsächlich besser auf der linken Seite des SV Werder Bremen. Hier hielt Leonardo Bittencourt seine Position an der Seitenlinie. Augsburgs Außenverteidiger Robert Gumny rückte weit heraus, um ihn zu stören. Es entstand eine große Lücke zwischen Außen- und Innenverteidiger. Allerdings spielte Werder zu selten über diese Seite; laut TV-Sender Sky liefen 60 Prozent der Bremer Angriffe über die rechte Seite. So kam Werder hauptsächlich nach abgefälschten Flanken zu Abschlüssen.

Rote Karte bringt Werder Bremen aus dem Tritt

Das Mittelfeld glänzte selten in dieser Bremer Saison. Gegen Augsburg war es eine echte Problemzone: Eggestein und Groß agierten häufig zu weit auseinander. Das war nicht nur im Angriffsvortrag, sondern auch nach Ballverlusten ein Problem. Augsburg testete diese Lücken zunächst nicht, sondern war froh, nach Ballgewinnen die Kugel direkt zu Stürmer Florian Niederlechner zu bolzen. Um die Halbzeit-Pause herum waren sie etwas forscher. Das brachte ihnen selbst zwar keine Chancen, zwang aber Christian Groß mehrfach in schwierige Zweikämpfe in potentiellen Kontersituationen. In der 49. Minute flog er mit Gelb-Rot vom Platz. Werder Bremen agierte fortan ebenfalls im 4-4-1. Florian Kohfeldt wollte das eigene Flügelspiel stärken, indem er Milot Rashica (56., für Selke) brachte. Doch es folgte schon der nächste Nackenschlag: Werder rückte nach einer Ecke nicht konsequent heraus. Rani Khedira erzielte das 1:0 (57.).

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Kein Esprit gegen den FC Augsburg

Nun kehrte die Partie zur Blaupause der ersten Halbzeit zurück: Augsburg verteidigte im 4-4-1, Werder Bremen sammelte Ballbesitz und spielte über die Flügel. Die Flügelaktionen endeten meist in fruchtlosen Flanken. Nach der Auswechslung von Selke fehlte jedoch nun einer von zwei Strafraumstürmern. Durch das Zentrum wagte sich Werder kaum einmal. Leonardo Bittencourts Fernschuss an den Pfosten war das einzig nennenswerte Highlight. Der FC Augsburg wiederum wagte sich in Gleichzahl nach Ballgewinnen wuchtiger nach vorne als in Halbzeit eins. Daniel Caligiuri kam für die linke Seite (70.), er startete ständig hinter den weit aufgerückten Gebre Selassie. Augsburg gab in der Schlussviertelstunde fünf Torschüsse ab, Werder nur zwei – und das, obwohl es für sie um alles ging. Folgerichtig erhöhte Caligiuri per Elfmeter auf 2:0 (90.).

Die Partie gegen Augsburg war ein Spiegelbild der Saison des SV Werder Bremen: Den Willen konnte man dem Team nicht absprechen. Es mangelte jedoch an Qualität: im Ballbesitzspiel, im zentralen Mittelfeld, bei Standards. Der Plan von Florian Kohfeldt, in einem 4-2-3-1 die Kampfkraft des Teams zu bündeln, ging nicht auf. Die zahllosen Angriffe über die rechte Seite in Überzahl brachten zu wenige Torgelegenheiten. So steht Werder einen Spieltag vor Saisonschluss vor dem Abgrund. Auch interessant: Werder Bremen trennt sich von Trainer Florian Kohfeldt, Thomas Schaaf übernimmt! Und: So reagieren die Ex-Spieler von Thomas Schaaf auf den Trainerwechsel bei Werder Bremen!

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