Werder Bremens Trainer Ole Werner hatte im Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim alle Hände voll zu tun. Am Ende gewann Werder knapp mit 2:1.
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Werder Bremens Trainer Ole Werner hatte im Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim alle Hände voll zu tun. Am Ende gewann Werder knapp mit 2:1.

Nach Werder-Auswärtssieg in Sinsheim

Taktik-Analyse: Zum Sieg gearbeitet - Wie die TSG Hoffenheim Werder Bremen vor Probleme stellte

Auf den Kantersieg folgt ein Arbeitssieg: Während Gladbach beim 5:1 alles dafür tat, Werder Bremen gut aussehen zu lassen, wehrte sich die TSG Hoffenheim mit spielerischen Mitteln. Warum Bremen mit der gegnerischen Spielweise große Probleme hatte, am Ende aber dennoch als Sieger hervorging, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Wer nach Werder Bremens 5:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach auf eine erneute Gala gehofft hatte, wurde am Freitagabend enttäuscht. Bereits vor dem Anpfiff war klar, dass die TSG Hoffenheim sich stärker wehren wird als die vor Wochenfrist unterirdischen Gladbacher. Der vor der Saison verpflichtete Trainer André Breitenreiter hat die Hoffenheimer Defensive stabilisiert. In acht Saisonspielen hatten sie nur acht Gegentreffer kassiert. Umso mehr darf sich Werder über den Sieg gegen einen formstarken Gegner freuen – auch wenn der Weg dorthin steinig war.

Werder Bremen mit Drei-Mann-Pressing gegen Dreierkette der TSG Hoffenheim

Werder-Coach Ole Werner sah nach dem Kantersieg gegen Gladbach keine Notwendigkeit, seine Startelf zu verändern. Werder Bremen begann die Partie erneut in einem 5-3-2. Da auch die TSG Hoffenheim mit einer Dreierkette spielte, veränderte sich das Bremer Pressing im Vergleich zur Vorwoche. Romano Schmid rückte aus dem Mittelfeld nach vorne, um zusammen mit dem Doppelsturm in vorderster Linie zu stören. So konnte Werder mit drei Angreifern eine Gleichzahl herstellen gegen die Dreierkette des Gegners.

Breitenreiters Formation ähnelte Werners Variante. Auch die Hoffenheimer begannen in einer nominellen 5-3-2-Formation. Bei ihnen rückte Andrej Kramaric aus dem Mittelfeld nach vorne, um den Doppelsturm zu unterstützen. So übten auch die Hoffenheimer einen hohen Druck aus gegen Bremens Dreierkette. Beide Mannschaften pressten auf dem ganzen Feld. Werder Bremen agierte gewohnt mannorientiert, während sich die Hoffenheimer in einem raumorientierten 3-4-3 aufstellten.

Werder Bremen wackelt: TSG Hoffenheim mit den besseren Lösungen

Die TSG Hoffenheim erarbeitete sich früh in der Partie ein Chancenplus. Sie fanden die besseren Lösungen gegen das Pressing des Gegners. Ihre Dreierkette ließ Bremens Angreifer immer wieder ins Leere laufen. Die Unterstützung durch Sechser Dennis Geiger und Linksverteidiger Angelino half, in der ersten Linie eine Überzahl herzustellen. Den Gastgebern gelang es, Werder Bremen herauszulocken und anschließend mit langen Bällen das Mittelfeld der Bremer zu überspielen. Hoffenheim nutzte dazu lange Zuspiele in die Halbräume und Verlagerungen von der linken auf die rechte Seite.

Die Grafik zeigt, wie TSG Hoffenheim das Pressing des SV Werder Bremen geknackt hat. Geiger und Angelino ließen sich fallen. Sie zogen damit ihre Bewacher Weiser und Groß aus der Ordnung. Kramaric besetzte den Raum hinter ihnen.

Vor allem letztere Variante sorgte für Gefahr. Angelino kurbelte das Spiel auf links in der Tiefe an und spielte anschließend auf den weit vorrückenden Rechtsverteidiger Robert Skov. Der Däne gab allein in der ersten halben Stunde drei Torschüsse ab. Dass Skov weit vorrückte und Angelino sich zurückhielt, war durchaus überraschend. Beim 1:1 gegen Hertha BSC in der Vorwoche hatte Hoffenheim noch maßgeblich über den weit vorrückenden Angelino angegriffen.

Taktik-Analyse: Werder Bremens spielt gegen TSG Hoffenheim seine unterschätzte Stärke aus

Werder Bremen befand sich in der Anfangsviertelstunde ständig in der Defensive. Die Bremer Führung fiel dementsprechend recht überraschend. Werder gewann einen Ball hinter der Mittellinie und spielte den Konter stark aus (18.). Marvin Ducksch stand genauso weit außen auf der linken Seite wie nötig und spielte einen cleveren Doppelpass mit Niclas Füllkrug. Auch nach der Führung kämpfte Werder weiter mit strukturellen Problemen. Ihr Pressing griff nicht, immer wieder stand Skov auf rechts oder Kramaric im linken Halbraum frei. Doch Hoffenheim kam nicht mehr ganz so häufig in die Bremer Hälfte wie noch in den Anfangsminuten.

Das lag nicht zuletzt daran, dass Bremen nun häufiger und länger den Ball hielt. Sie spielten ihre vielleicht unterschätzteste Stärke aus: Die Dreierkette kann mit dem zurückbleibenden Linksverteidiger Anthony Jung sowie dem zurückfallenden Christian Groß das Tempo aus der Partie nehmen. Das taten sie nach der Führung immer häufiger. Hoffenheim wollte nicht zu weit vorrücken, um sich defensiv nicht zu entblößen. So konnte Werder den Ball laufen lassen und das Spiel beruhigen.

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Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim: Beide Teams mit schnellen Angriffen

Obwohl Werder Bremen nach der Führung im Schnitt 55% Ballbesitz sammelte, konnten sie Hoffenheimer Angriffe nicht gänzlich unterbinden. So kamen die Kraichgauer nach einem Konter zum Ausgleich (32.). Auch danach spielten die Hoffenheimer mit viel Tempo nach vorne. In der zweiten Halbzeit gelang es beiden Teams, immer wieder aus dem eigenen Ballbesitzspiel Tempoangriffe einzuleiten. Bei Werder rückte nun Mitchell Weiser häufig in die vorderste Linie. Der eingewechselte Leonardo Bittencourt zog in diesen Situationen nach außen. So gelang es Werder einige Male, die gegnerische Ordnung zu sprengen.

Doch auch die TSG Hoffenheim kam weiterhin gefährlich vor das Tor. Werder erhielt weiterhin kaum Zugriff auf die gegnerische Dreierkette. Stattdessen zogen sie sich häufiger in einem 5-3-2 in die eigene Hälfte zurück. Angelino nahm nun eine offensivere Rolle ein. Fortan überzeugte vor allem Christoph Baumgartner als zurückfallender Stürmer. Er schuf die Anbindung zwischen Spielaufbau und Angriff.

Arbeitssieg bei der TSG Hoffenheim unterstreicht, dass Werder Bremen gegen fast jeden Gegner mithalten kann

In einer temporeichen zweiten Halbzeit hatten beide Teams die Möglichkeit, das Spiel für sich zu entscheiden. Am Ende profitierte Werder Bremen von einem Elfmeter-Tor von Niclas Füllkrug (87.). Weiser hatte den Strafstoß herausgeholt. Hier machte sich seine hohe Position bezahlt. Hoffenheims wütende Angriffe in den Schlussminuten verpufften. Werder ging als Sieger vom Platz. Werders Auftritt mag weniger begeistert haben als beim 5:1-Erfolg gegen Gladbach. Gerade deshalb sollte der Sieg gegen die TSG Hoffenheim noch süßer schmecken. Gladbach erwischte einen rabenschwarzen Tag. In Sinsheim gewann Werder gegen einen Gegner, der sich auf der Höhe seines Schaffens befand. Das unterstreicht, dass Werder in guter Form mit fast jedem Bundesligisten mithalten kann.

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