Florian Kohfeldt gestikuliert am Spielfeldrand.
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Florian Kohfeldt, Chefcoach des SV Werder Bremen, dirigierte seine Mannschaft auch gegen Arminia Bielefeld permanent an der Seitenlinie.

Nach 1:0-Sieg gegen Arminia Bielfeld

Werder-Taktik-Analyse: 35 Prozent Ballbesitz gegen Bielefeld und trotzdem dominant

Einfach mal den Gegner spielen lassen: So lautete Werder Bremens Strategie gegen Arminia Bielefeld. Der 1:0-Erfolg gegen den Aufsteiger gibt Florian Kohfeldt Recht – zeigt aber zugleich, wie harmlos Werders Offensive aktuell auftritt. Die DeichStube-Taktik-Analyse.

Arminia Bielefeld ist kein normaler Aufsteiger. Kampf- und Krampffußball mit vielen langen Bällen? Das ist nicht das Ding der Ostwestfalen. Flach das Spiel eröffnen, dominant auftreten: Diese Spielidee verfolgt das Team von Trainer Uwe Neuhaus. Dass sie auch gegen Werder Bremen mitspielen wollen, war bereits vor dem Spiel zu erahnen. Dass die Bielefelder am Ende aber über 60 Prozent Ballbesitz haben würden – damit war kaum zu rechnen. Werder trat überraschend passiv auf, verteidigte aber über weite Strecken des Spiels gut genug, um sich einen 1:0-Sieg zu erkämpfen.

Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld in der Taktik-Analyse: Selbe Aufstellung wie auf Schalke, aber neue Formation

Werder-Trainer Florian Kohfeldt vertraute auf dieselbe Startelf, die vor einer Woche auf Schalke gewann. Dennoch trat seine Elf in einer anderen Formation auf: Jungspund Jean-Manuel Mbom begann nicht im zentralen Mittelfeld, sondern als Rechtsverteidiger einer Fünferkette. Das 4-3-1-2 gegen Schalke mutierte zu einem Gemisch aus 5-3-2 und 3-1-4-2.

Die Grafik zeigt Werders Herausrücken aus der Abwehr: Immer wieder rückten die Bremer Verteidiger mannorientiert vor, um die Bielefelder Angreifer zu stören. Somit sollte Bielefelds Übergang nach vorne gestört werden.

Kohfeldt wollte seiner Mannschaft damit offenbar helfen, Zugriff auf den Spielaufbau der Gäste zu erlangen. Die Arminia verfolgt unter Neuhaus eine klare Spielidee: Ein Sechser lässt sich fallen, um zusammen mit der Vierer-Abwehrkette das Spiel zu eröffnen. Torhüter Stefan Ortega eröffnet das Spiel stets mit einem kurzen Pass und macht sich sofort wieder anspielbereit. Arminia Bielefeld möchte den Gegner mit vielen flachen Pässen in die eigene Hälfte locken, um daraufhin mit einem langen Schlag das Mittelfeld zu überbrücken. Der 1,94 Meter große Angreifer Fabian Klos steht als Abnehmer für lange Bälle bereit.

In den ersten Minuten war Werder Bremen gewillt, den Spielaufbau der Arminia konsequent zu unterbinden. Joshua Sargent und Niclas Füllkrug liefen in vorderster Linie an. Sie waren vor allem darauf bedacht, den zurückfallenden Sechser Manuel Prietl vom Spielaufbau abzuschneiden. Aber auch auf den Außen rückte Werder aggressiv vor. Gerade Mbom zeigte sich enorm aggressiv, er rückte immer wieder bis an die vorderste Linie vor.

Taktik-Analyse: Werder Bremen punktet gegen Arminia Bielefeld mit Stabilität

Was Werder gelang: Arminia musste in der ersten Viertelstunde den Ball früher lang schlagen, als ihn eigentlich lieb ist. Bremens Endverteidigung funktionierte in diesen Situationen: Die Dreier-Abwehrkette ging rechtzeitig zur Manndeckung über. Milos Veljkovic ging robust gegen Klos zu Werke, sodass dieser seine typischen Ablagen nicht spielen konnte. Aber auch Marco Friedl fiel positiv auf: Sein Timing beim Herausrücken half, entstehende Lücken zwischen den Linien zu schließen.

Was Werder Bremen nicht gelang: Bälle im Pressing zu erobern. Nur selten kamen sie an die flachen Zuspiele des Gegners heran. Bielefeld blieb stets die Option, den Ball zu Ortega zu spielen. Der wiederum überzeugte mit seiner Variabilität im Passspiel. Nach einiger Zeit gab Werder die eigenen Pressing-Versuche auf. Das neue Ziel lautete, im 5-3-2 die Räume im Mittelfeld zu schließen. Ein Ziel, das aufging: Achter Ritsu Doan musste sich teils weit fallen lassen, um überhaupt Bälle zu erhalten. Bielefeld sammelte zwar Ballbesitz, der bestand aber praktisch nur aus Pässen innerhalb der ersten Aufbaulinie.

Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld in der Taktik-Analyse: Ein zähes Spiel

Da auch Bielefeld fast gänzlich auf ein aggressives Pressing verzichtete, entstand in der Folge ein zähes Spiel. Wenn Bielefeld den Ball hatte, stand Werder kompakt - und Werder den Ball hatte, stand Bielefeld kompakt. Die Bremer bissen sich die Zähne am gegnerischen 4-1-4-1-Konstrukt aus. Die besten Momente hatte Werder, wenn sie die eigenen Ballbesitzansätze mit Tempo ausspielten. Auch in diesem Bereich stachen Mbom und Friedl hervor: Friedl versuchte mit langen Spielverlagerungen, das enge Konstrukt der Bielefelder zu umgehen. Mbom bot sich als Anspielpunkt an. Einer dieser langen Pässe leitete die Führung ein.

Torschütze Leonardo Bittencourt war ebenfalls ein Lichtblick: Immer wieder schlich er sich von seiner Position auf der halbrechten Seite davon. Er bot sich zwischen den gegnerischen Linien oder auf dem rechten Flügel an. Sein Treffer war der verdiente Lohn für den starken Auftritt (27.)

Taktik-Analyse: 4-3-3 sichert Werder Bremen den Punkt gegen Arminia Bielefeld

Diese Ansätze eines Ballbesitzspiels gab Werder Bremen nach der Führung gänzlich auf. Fortan zogen sie sich im 5-3-2 in die eigene Hälfte zurück. Sie übten praktisch keinen Druck mehr auf den gegnerischen Spielaufbau aus. Bielefeld spielte Pass um Pass um Pass. Nach der Halbzeit begann Bielefeld, den fehlenden Druck der Bremer konsequenter zu bestrafen. Neuhaus stellte sein Team auf ein 4-4-2 um. Die Außenverteidiger schoben nun konsequent nach vorne. Auch die Innenverteidiger wagten sich mit dem Ball am Fuß in die gegnerische Hälfte – schließlich störte sie kein Bremer Angreifer. In der gegnerischen Hälfte blieb Bielefelds Spiel zwar kreativarm. Immerhin kamen sie nun aber in günstigere Flankenpositionen.

Nach rund einer Stunde entschied sich Kohfeldt für einen Formationswechsel. Jean-Manuel Mbom wechselte auf die Achter-Position, Werder agierte fortan aus einer 4-3-3-Formation. Die Bremer rückten nun wieder konsequenter vor und griff die gegnerischen Verteidiger an, sobald diese zum Dribbling ansetzten. Offensiv blieb Werder zwar weiterhin völlig harmlos; sie kontrollierten die Partie aber wieder über ihre starke Defensive.

Nur kurz vor Schluss wurde es noch einmal gefährlich, als Jiri Pavlenka gegen Joan Edmundsson parieren musste. Es wäre die Quittung gewesen für eine zweite Halbzeit, in der Werder über weite Strecken zu passiv agierte. Der 1:0-Erfolg nimmt etwas Druck von der Mannschaft, zeigt aber zugleich: Offensiv muss sich bei Werder noch Einiges tun.

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