Florian Kohfeldt schimpft am Spielfeldrand der Veltins Arena.
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Auch wenn es auf diesem Foto ganz anders aussieht: Florian Kohfeldt, Cheftrainer des SV Werder Bremen, war mit dem Auftritt seiner Mannschaft gegen Schalke 04 sehr zufrieden.

Nach 3:1-Auswärtssieg auf Schalke

Taktik-Analyse: Pressing und Standards führen Werder zum Sieg gegen Schalke 04

Werder Bremen betreibt Wiedergutmachung: Der 3:1-Sieg auf Schalke macht den verpatzten Saisonstart fast vergessen. Spielerische Fortschritte gab es kaum zu bestaunen, dafür aber eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft und ein gut funktionierendes Angriffspressing. Die Taktik-Kolumne.

Werder Bremen kennt in dieser Saison nur ein Ziel: Sie wollen die katastrophale vergangene Saison vergessen machen. Nicht nur die Ergebnisse sollen wieder stimmen – auch fußballerisch möchte Werder zu alter Spielfreude zurückfinden. Das Projekt „spielerische Leichtigkeit“ hat Florian Kohfeldt jedoch angesichts der 1:4-Niederlage gegen Hertha BSC erst einmal verschoben. Gegen Schalke 04 setzten seine Grün-Weißen nicht auf Ballstaffetten, sondern auf Kampf und lange Bälle. Es war der richtige Weg gegen einen völlig verunsicherten Gegner.

Werder Bremen gegen Schalke 04: 4-3-3 gegen Raute

Gleich auf vier Positionen veränderte Kohfeldt seine Startelf im Vergleich zum Saisonauftakt. Damit ging auch ein Wechsel der taktischen Ausrichtung einher: Während Werder Bremen gegen Hertha im 4-4-1-1 verteidigte, agierten sie nun aus einem 4-3-3 heraus. Josh Sargent beackerte zwar noch immer den linken Flügel, postierte sich nun aber deutlich offensiver als noch gegen Berlin. Auch Leonardo Bittencourt rückte auf der anderen Seite auf eine Höhe mit Stürmer Niclas Füllkrug.

Schalkes Trainer David Wagner hatte seine Elf in einer Mittelfeldraute aufgestellt. Sechser Omar Mascarell ließ sich bei Ballbesitz praktisch permanent zwischen die Innenverteidiger fallen. Schalke baute somit mit einer Dreierreihe auf. Die Außenverteidiger konnten dadurch vorrücken.

Die Grafik zeigt Werders Pressing: Werder Bremen legte den gegnerischen Spielaufbau klug auf die Flügel und sorgte dort für Überzahlen. Die Außenstürmer rückten nach Außen, um Schalkes Innenverteidiger zum Pass auf die Außenverteidiger zu verleiten. die Schalker Außenverteidiger wurden in der Folge mit zwei Mann attackiert.

Werders oberstes Bestreben war es, den Spielaufbau des Gegners zu stören. Werders Drei-Mann-Sturm konnte hohen Druck ausüben auf den Schalker Spielaufbau: Mascarell wurde in Manndeckung genommen durch Werders zentralen Spieler (meist Füllkrug, nach Positionswechseln auch mal Bittencourt). Für die äußeren Spieler von Schalkes Dreierkette waren Werders Außenstürmer zuständig. Sie liefen dabei meist aus dem Halbraum nach Außen an. Somit blockierten sie den Passweg ins Zentrum und lenkten Schalkes Spielaufbau nach Außen.

Auf Außen halfen wiederum Werders Mittelfeldspieler aus: Davy Klaassen rückte von der halblinken Seite auf den Flügel, Jean-Manuel Mbom übernahm diese Aufgabe auf der rechten Seite. Werder pinnte den Gegner auf dem Flügel fest. Der 20-Jährige Startelf-Debütant Mbom stach besonders heraus. Er führte zahllose Zweikämpfe. Kein Bremer Spieler legte mehr Meter zurück.

Werder Bremen mit spielerischem Stückwerk im Spielaufbau gegen Schalke 04

Werders Fokus war klar: Die verunsicherten Schalker sollten das Spiel gestalten. Werder Bremen selbst wollte über Ballgewinne und schnelles Umschaltspiel zum Torerfolg kommen. Aus diesem Grund war Werders Aufbauspiel wesentlich direkter, als man es sonst aus Spielen unter Kohfeldt gewohnt ist.

Häufig versuchte Werder, Durchbrüche über die linke Seite zu erzwingen. Wenn Schalke im 4-1-3-2 hoch zu pressen versuchte, schlug Bremen den Ball nach halblinks. Sargent oder der nach links ausweichende Füllkrug versuchten, in Kopfballduelle gegen Schalkes Rechtsverteidiger Sebastian Rudy zu gelangen. Sie gewannen die meisten dieser Duelle. Die Anschlussaktionen misslangen jedoch zumeist. So gingen viele Bremer Bälle schnell wieder verloren. Werder sammelte im Verlauf des Spiels gerade einmal 30 Prozent Ballbesitz. Torgefahr entwickelte Werder Bremen in erster Linie nach ruhenden Bällen. Hier waren sie Schalke deutlich überlegen: Die lückenhafte Raumdeckung der Schalker ermöglichte es Werder, vor der Pause zwei Tore nach Standards zu erzielen.

Werder Bremen: Schalkes (kurzes) Aufbäumen nach der Pause

Zu Beginn der zweiten Halbzeit bäumte sich Schalke kurz auf. Wagner hatte seine Mannschaft offensiv umgestellt: Mit Vedad Ibisevic kam ein Flankenverwerter, mit Salif Sané wechselte Schalkes Coach einen spielstärkeren Innenverteidiger ein.

In der Folge erregten vor allem Schalkes Außenverteidiger offensiv Aufsehen. Sie machten sich zunutze, dass Werder auf den Flügeln Lücken ließ: Durch die hohe Position der Außenstürmer war Werder davon abhängig, dass die Achter Klaassen und Mbom Zugriff auf die Außenverteidiger erhielten. Das gelang aber gerade nach der Pause nicht, als Schalke mit Spielverlagerungen von einer Seite zur anderen Werders Abwehr aushebelte.

Zudem hatte Schalke mit Ibisevic nun einen Abnehmer für Flanken. Folgerichtig hatte er die beste Chance der Schalker, nach einer Hereingabe von der linken Seite köpfte er knapp neben das Tor. Wie so häufig in der Vorsaison verpasste es Werder Bremen, im eigenen Strafraum rechtzeitig von Raum- auf Manndeckung umzuschalten. Die Kehrseite der Schalker Strategie: Sie sicherten aufgrund der hohen Position der Außenverteidiger Konter nur noch schlecht ab. Kohfeldt beorderte Sargent auf die rechte Seite. Hier sollte der US-Amerikaner häufiger hinter die gegnerische Abwehr gelangen.

Was ist der Sieg des SV Werder Bremen gegen Schalke 04 wert?

Füllkrugs Elfmeter zum 3:0 (59.) beendete die Partie faktisch. Die völlig demoralisierten Schalker stellten ihre Offensivbemühungen ein. Kohfeldt stärkte die Defensive zunächst durch eine Umstellung auf ein 4-3-1-2. Kurz vor Schluss stellte er auf eine Fünferkette in der Abwehr um. Es gelang jedoch nicht, die Null zu halten. In der Nachspielzeit erzielte Mark Uth den Ehrentreffer.

Werder legte in diesem Spiel gnadenlos die Schalker Schwächen offen: Ihrem Spielaufbau mangelt es an Kreativität, unter Druck neigen die Verteidiger zu Fehlern. Werders Strategie hatte nur zwei Ziele: Ballverluste gegen das hohe Pressing der Schalker vermeiden – und im Gegenzug Ballgewinne im Pressing erzielen. Werder agierte klug, ohne dabei berauschenden Fußball zu zelebrieren. In der kommenden Woche dürfte Werder Bremen deutlich mehr Ballbesitz haben als gegen Schalke 04 Aufsteiger Bielefeld wird auf Konter lauern. Werder wird spielerische Lösungen finden müssen. Dann wird sich zeigen, ob sie ihre Versprechen aus der Saisonvorbereitung einhalten können.

Fotostrecke: Werder holt drei Punkte auf Schalke

Werder Bremen gegen Schalke 04.
Werder Bremen gegen Schalke 04.JPG © imago images
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Werder Bremen gegen Schalke 04 © gumzmedia
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