Der Matchplan von Trainer Ole Werner ging voll auf: Werder Bremen schlägt Schalke 04 mit 4:1 - die Taktik-Analyse.
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Der Matchplan von Trainer Ole Werner ging voll auf: Werder Bremen schlägt Schalke 04 mit 4:1 - die Taktik-Analyse.

Wie ging der Matchplan von Werder-Trainer Werner aufging

Ab durch die Mitte: Werders dominante Vorstellung gegen Schalke in der Taktik-Analyse

Gelsenkirchen - Es sollte das Spitzenspiel Erster gegen Zweiter werden. Am Ende war es eine einseitige Angelegenheit. Werder Bremens Trainer Ole Werner fand die Schwachstelle der Schalker Mannschaft. Sein Matchplan war ganz darauf ausgerichtet, die Königsblauen über das Zentrum zu knacken, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Die Saison biegt auf die Zielgerade. Für Werder Bremen und die eigenen Aufstiegsambitionen gilt nun Louis van Gaals Lebensmotto: „Tod oder Gladiolen!“ Nicht nur die Spieler müssen in den entscheidenden Spielen ihre Leistung abrufen. Auch das Trainerteam ist gefragt: Die eigene Aufstellung und der eigene Matchplan können über Sieg und Niederlage entscheiden. Werder Trainerteam hat in dieser Hinsicht im Spitzenspiel gegen den FC Schalke 04 alles richtig gemacht. Ole Werner fand die Schwachstellen des Gegners und nutzte sie eiskalt aus.

Schalkes Simon-Terodde-System: Werder Bremen gegen S04 in der Taktik-Analyse

Vor vier Wochen hat Mike Büskens den Cheftrainer-Posten auf Schalke übernommen. Der Ur-Schalker hat die Königsblauen an die Tabellenspitze geführt. Seine Taktik setzt darauf, die Einzelspieler glänzen zu lassen. Damit ist vor allem Stürmer Simon Terodde gemeint: Er soll mit zahlreichen Flanken und Pässen in den Strafraum gefüttert werden. Schalke agiert dazu in einem klassischen 4-2-3-1-System. Ein Sechser lässt sich in die Abwehr fallen, um mit den beiden Innenverteidigern den Spielaufbau zu gestalten. Dadurch können die Außenverteidiger weit vorrücken. Sie suchen offensiv das Zusammenspiel mit den Außenstürmern. Diese rücken etwas ins Zentrum ein. Alle Flügelspieler haben die Aufgabe, den Ball möglichst direkt in den Strafraum zu befördern.

Der erste Teil von Werders Matchplan lautete, Schalke aus dem eigenen Strafraum fernzuhalten. Dort ist Terodde kaum zu verteidigen. Stattdessen wagte Werder Bremen ein hohes Pressing: Aus dem eigenen 5-3-2-System schossen sie weit nach vorne, um Schalke 04 früh zu stören. Besonders im Zentrum war Werder wachsam: Sobald sich Schalkes Sechser Kou Ikatura fallenließ, verfolgte ihn ein Bremer. Leonardo Bittencourt oder Romano Schmid schoben dazu weit nach vorne. Wie bereits in den vergangenen Partien störte Werder den Gegner früh und erhielt weit in der gegnerischen Hälfte Zugriff.

Die Grafik zeigt den Spielaufbau der Schalker und wie Werder Bremen darauf reagierte. Itakura ließ sich in die Abwehr fallen, wurde dabei aber stets von Romano Schmid und Leonardo Bittencourt verfolgt. Die Schalker Außenverteidiger schoben weit nach vorne. Hier sieht man schon das große Problem der Schalker: Im Zentrum stehen sie ziemlich offen. Werder nutzte diese Schwachstelle konsequent aus.

Werder Bremen gegen Schalke 04 ab durch die Mitte: Der Matchplan von Trainer Ole Werner in der Taktik-Analyse

Der zweite Eckpfeiler des Bremer Matchplans lautete, Schalkes Angriffe über die Flügel zu kontrollieren. In den ersten Minuten dürften einige Bremer Fans noch geflucht haben: Warum gehen Felix Agu und Mitchell Weiser nicht an die Grundlinie? Warum zögern sie bei Kontern? Es dürfte Absicht gewesen sein: Werder Bremen wollte vermeiden, dass Schalke zu schnellen Gegenstößen über die Flügel kommt. Bei Werders Außenverteidigern fiel allerdings noch eine zweite Eigenheit auf: Bei eigenem Ballbesitz rückten sie leicht ins Zentrum ein. Breite gaben eher Bittencourt oder Schmid, wenn sie auswichen. Agu und Weiser versuchten eher, im Zentrum auszuhelfen.

Auch dies gehörte zu Werders Matchplan: Schalkes Spielsystem wies im Zentrum einige Lücken auf. Die Doppelsechs war hier zumeist auf sich allein gestellt, die Außenstürmer waren mit Werders Außenverteidigern beschäftigt. Terodde und Marius Bülter agierten eher hoch. Somit fand Werder Bremen ein großes Loch neben den Sechsern, das sie konsequent bespielten. Immer wieder jagte Werder vermeintlich unkoordinierte lange Bälle in das Zentrum, nur um dort in Person von Nicklas Füllkrug oder Marvin Ducksch einen vielversprechenden Angriff zu starten. Werder eroberte fast jeden zweiten Ball im Zentrum, immer wieder kamen sie zu guten Angriffen.

Zwei Eckenvarianten und zwei schnelle Tore: Werder Bremen gegen den FC Schalke 04 in der Taktik-Analyse

Im ersten Durchgang konnte man dem SV Werder Bremen nur zwei Vorwürfe machen: Zum Einen fehlte manches Mal die Genauigkeit im Passspiel. Gerade Felix Agu (48% Passgenauigkeit) ließ hier Einiges vermissen. Zum Glück für Werder zeigte sich vor allem Leo Bittencourt von seiner besten Seite. Er war ein Garant dafür, dass Werders Matchplan mit den Angriffen durch das Zentrum aufging. Zum Anderen verpasste es Werder, die eigene Dominanz in Tore umzumünzen. Aus dem Spiel heraus gab es mehrere gute Möglichkeiten, die Werder jedoch vergab. Dafür hatten sie nach Standards mehr Erfolg. Auch hier stimmte die Vorbereitung: Werder knackte die Raumdeckung der Schalker, indem sie die Ecken kurz ausführten. Schalke 04 verharrte in der Raumdeckung, rückte nicht heraus – und ließ Weiser im Rückraum völlig frei. Er bereite so zwei Tore vor (9, 26.). Das 2:0 war in der Höhe angesichts der Bremer Dominanz fast zu niedrig.

Nach der Pause belohnte sich Werder auch aus dem Spiel heraus. Bittencourt rückte nun häufiger auf die rechte Seite, Schalke hatte hier enorme Probleme. Die Tore drei (51.) und vier (53.) leitete Werder über die Halbräume ein. Schalke zeigte sich abermals völlig offen im Zentrum, Werder fand von den Flügeln aus immer wieder den freien Rückraum.

Schalke 04 gibt gegen Werder Bremen nicht auf - die Taktik-Analyse

Dem FC Schalke 04 muss man zugutehalten, dass sie nach dem 0:4 nicht aufgaben. Immer wieder trieben sie das Spiel über die Flügel an. Mit zunehmender Spieldauer kam Schalke häufiger gefährlich vor das Bremer Tor. Die Grün-Weißen hielten nicht mehr mit voller Intensität dagegen, sodass Schalke öfter über die Seiten durchbrach. Chancen hatten sie fast nur nach Standardsituationen. Das 1:4 (88.) war jedoch nur noch Ergebniskosmetik. Schalke zeigte sich im Spitzenspiel erschreckend schwach. In mancher Szene stand ihr Zentrum offen wie ein Scheunentor. Ole Werner hat diese Schwachstelle im Vorfeld erkannt und seine Mannschaft exzellent darauf eingestellt. Drei weitere taktische Leistungen dieser Güteklasse und Werder Bremen kann den ersehnten Wiederaufstieg eintüten.

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