Trainer Ole Werner musste gegen den KSC zwischenzeitlich um den Sieg bangen, doch am Ende ging sein Matchplan auf - die Taktik-Analyse.
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Trainer Ole Werner musste gegen den KSC zwischenzeitlich um den Sieg bangen, doch am Ende ging sein Matchplan auf - die Taktik-Analyse.

Wie Werners Matchplan aufging

Mit Ball geduldig, ohne Ball dominant: Werders 2:1-Sieg gegen den Karlsruher SC in der Taktik-Analyse  

Bremen - Werder Bremens Bilanz unter Trainer Ole Werner bleibt makellos. Gegen defensiv eingestellte Karlsruher tat sich Werder lange Zeit schwer. Das unermüdliche Pressing sichert Werder den 2:1-Sieg, analysiert DeichStube-Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Seit Ole Werner in Bremen übernommen hat, stehen vor allem zwei Namen im Fokus: Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch. Das Sturmduo trifft nach Belieben. 20 Tore hat Werder Bremen unter Werner erzielt, an zwölf war mindestens einer der beiden Stürmer beteiligt. Die Stürmer treffen. Werner selbst betont, dass er selbst gar nicht so viel verändert habe in der Bremer Offensive. Bereits sein Vorgänger Markus Anfang hatte irgendwann eingesehen, dass Ducksch und Füllkrug gemeinsam einen starken Doppelsturm bilden. Das offensive 3-5-2-System hat Werner von Anfang übernommen. In der Tat liegen die größten Änderungen des neuen Trainers eher in der Defensive. Beim 2:1-Erfolg über den Karlsruher SC zeigte sich in besonderem Maße, was Werner von seinem Vorgänger unterscheidet: das Risiko im Spiel gegen den Ball.

Werder Bremen wie gewohnt: Die Taktik-Analyse zum 2:1-Sieg gegen den KSC

Ole Werner nahm abermals kaum Änderungen an seinem Team vor. Mitchell Weiser begann als Rechtsverteidiger, das war der einzige Wechsel in der Startformation. Werder Bremen spielte also erneut in einem 3-5-2-System. Die Mechanismen sind bekannt: Sechser Christian Groß sichert vor der Abwehr ab, während Leonardo Bittencourt und Romano Schmid sich immer wieder auf den Außen einschalten. Auch Füllkrug und Ducksch interpretierten ihre Position eher frei. Die Bremer Offensive stand jedoch zunächst nicht im Fokus. Dazu traten die Gäste zu passiv auf. Karlsruhes Trainer Christian Eichner stellte seine Mannschaft in einer Mischung aus 4-3-3 und 4-2-3-1 auf. Marvin Wanitzek pendelte zwischen Achter- und Zehner-Position.

Karlsruhes oberstes Ziel mit dieser Formation lautete, das Zentrum zu schließen. Die drei zentralen Mittelfeldspieler zogen sich eng zusammen und verdichteten die Mitte. Auch die Viererkette in der Abwehr zog sich eng zusammen. Karlsruhes Außenstürmer beackerten die Flügel allein. Dazu zogen sie sich weit zurück. Teilweise entstanden so tiefe 5-4-1- oder gar 6-3-1-Staffelungen. Der KSC schloss das Zentrum, ließ aber auf den Flügeln Lücken.

Werder Bremen gegen den KSC in der Taktik-Analyse: Dominanz nicht über Ballbesitz, sondern über Gegenpressing

Gegen die eher passiv auftretenden Karlsruher musste Werder Bremen im Spielaufbau Lösungen finden. Das fiel nicht leicht: Der KSC war durch das Zentrum kaum zu knacken. Werders Innenverteidiger konnten die Bälle nur untereinander passen – oder aber auf die Flügel spielen. Dort gab es auch nur in tieferen Zonen Lücken (siehe Grafik). Die Folge: Werder schlug mehr Halbraumflanken als zuletzt. Doch nur in Einzelfällen gelang es Werder, mit halbhohen Flanken Stürmer Niclas Füllkrug zu finden.

Die Grafik zeigt Karlsruhes eher tiefe Verteidigung. Auch die Außenstürmer ließen sich tief fallen, sodass Werder Bremen auf den Flügeln nur im Rückraum Lücken fand. Die Halbraumflanken aus diesen Räumen führten jedoch nicht zum gewünschten Erfolg.

Schnell stand eine andere Facette des Bremer Spiels im Vordergrund: das Verhalten im Spiel gegen den Ball. Werder Bremen versuchte, mit hohem Risiko immer wieder hinter die gegnerische Abwehrkette zu gelangen. Das gelang selten, auch weil Füllkrug (68% Passgenauigkeit), Ducksch (69%) und Bittencourt (72%) eher ungenaue Pässe spielten. Vorbildlich war hingegen das Verhalten nach Ballverlusten: Die Bremer waren so strukturiert, dass stets mehrere Spieler in Ballnähe nachsetzen konnten. Werder setzte dabei konsequent nach und ging auch auf den zweiten oder dritten Pass. Karlsruhe blieb häufig nur der Pass nach hinten, bis Torhüter Marius Gersbeck den Ball wegschlug. Kein Karlsruher spielte mehr Pässe als Gersbeck. Dass der Torhüter die meisten Pässe schlägt, kommt eher selten vor.

Werder Bremen intensiv und konsequent gegen den Ball: Die Taktik-Analyse zum 2:1-Sieg gegen den Karlsruher SC

Genauso intensiv verteidigte der SV Werder Bremen im regulären Pressing. Hier fällt immer stärker auf, wie stark Ole Werner die Mannschaft nach seinen Wünschen formt. Im Mittelfeld agiert Werder grundsätzlich mannorientiert. Das bedeutet: Die Bremer Verteidiger verfolgen einen Gegenspieler. Sobald Werder den Zugriff sucht, richtet sich der Blick jedoch nach vorne. Die Spieler verlassen ihre Zuordnungen, um den Gegner unter Druck zu setzen. Die Spieler aus der hinteren Linie rücken nach, um die freiwerdenden Spieler zu decken. Werder lässt damit zwar manches Mal Lücken, wenn die Übergabe verpasst wird. Sie schaffen aber auch viel Dynamik: Immer wieder befinden sich Spieler auf dem Sprung nach vorne, permanent können sie den Druck hochhalten.

Was passiert, wenn man gegen Werder Bremen hinten herausspielen möchte, erfuhr der KSC kurz nach der Pause. Die Gäste versuchten, das Pressing der Bremer über Pässe auf Rechtsverteidiger Marco Thiede zu umspielen. Das funktionierte beim ersten Mal, beim zweiten Mal führte es bereits fast zu einem Ballverlust – und beim dritten Mal eroberte Werders Sechser Groß die Kugel und leitete das 1:0 ein (51.).

Werder Bremen: Der Matchplan von Trainer Ole Werner in der Taktik-Analyse - Dominante Bremer und müde Karlsruher

In der Folge machten sich die Bremer das Leben selbst schwer. Die offensiv harmlosen Karlsruher glichen nach einer Ecke aus (59.). Werder Bremen musste wieder die tiefstehenden Baden knacken – und tat dies auch. Sie nutzten die freien Räume auf dem Flügel. Der eingewechselte Rechtsverteidiger Jean-Manuel Mbom flankte den Ball auf den aufgerückten Linksverteidiger Anthony Jung, der traf zum 2:1 (76.). Der KSC hatte in der Folge wenig entgegenzusetzen. Die Strapazen der vergangenen Wochen – ein Corona-Ausbruch zwang Karlsruhe zu einer Zwangspause – waren der Mannschaft durchaus anzumerken. Auch der Versuch, auf ein offensives 4-4-2-System umzustellen, brachte keine Wende. Werder verwaltete routiniert die Partie.

Der Bremer Sieg mag nicht so spektakulär gewesen sein wie der 4:3-Erfolg gegen Paderborn. Im Fokus stand diesmal nicht die Offensive, sondern das Spiel gegen den Ball. Werder beweist, dass es mit seinem riskanten, aber wirksamen Pressing schwächere Gegner dominieren kann.

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