Bundesliga-Chance oder verleihen?

Eren Dinkci, Kebba Badjie, Nick Woltemade, Johan Mina - was hat der SV Werder Bremen mit der Rasselbande vor?

Bremen – Nun war also auch Kebba Badjie schneller. Der 21-Jährige Gambier hat es beim SV Werder Bremen aus der U23 in den Stand eines Profis gebracht und am Montag seinen ersten Vertrag als solcher unterschrieben – ganz ohne vorher auch nur einmal im Bundesliga-Kader gestanden zu haben. Nick Woltemade, wie Badjie ein Mann für die Offensive, hat dagegen bereits elf Mal in der Bundesliga gespielt, einen Profi-Vertrag hat er aber immer noch nicht in der Tasche. Was dem Vernehmen nach mehr an ihm selbst liegt als am SV Werder. 

Nick Woltemade zögert mit der Unterschrift – und es stellt sich die Frage, ob es für den 18-Jährigen irgendwann zu spät sein könnte, weil andere ihm zuvorkommen und die Planstellen für Perspektivspieler in der Bremer Personalplanung besetzen. Wie Kebba Badjie. Wie vielleicht auch Eren Dinkci, der bei seinem Bundesliga-Debüt gleich getroffen hatte und in dessen Nachwuchsspieler-Vertrag der Übergang zu den Profis bereits verankert sein soll. Mit Woltemade wären es dann gleich drei junge Offensive, die Werder Bremen in der kommenden Saison als unerfahrene Spieler im Kader hätte.

Mit Johan Mina, der ebenfalls im Sommer zu den Profis aufrücken soll, sogar vier. Zu viele? „Wir bauen auf unseren Nachwuchs und wollen die Jungs weiterentwickeln“, sagt Clemens Fritz einerseits. Andererseits betont der Leiter Profi-Fußball beim SV Werder Bremen aber auch: „Wichtig ist, dass wir ein gutes Gleichgewicht aus jungen und erfahrenen Spielern im Kader haben.“

Werder Bremen: Bei Kebba Badjie „muss man sehen, ob wir über eine Leihe nachdenken“

Jetzt ist es längst gängige Praxis, dass junge Spieler von Werder verliehen werden. Auch bei Badjie könnte das passieren, „da muss man sehen, ob wir vielleicht über eine Leihe nachdenken müssen“, meint Fritz. Gleiches kann auch für Dinkci oder Woltemade gelten. Bei Letzterem hängt jedoch alles an der Unterschrift unter einen neuen Vertrag. Der aktuelle endet im Sommer, Woltemade hätte dann sicher mehrere Optionen. Aber ob auch ein Erstligist wie Werder Bremen darunter wäre? Tatsache ist, dass der 1,98 Meter große Teenager bei seinen bisherigen Einsätzen in der Bundesliga keine Bäume ausgerissen hat.

Dennoch und obwohl sich die Verhandlungen mit Nick Woltemade, der derzeit wegen eines Virus-Infekts pausieren muss, nun schon über Monate hinziehen, wirbt Fritz bei dem 18-Jährigen weiter für einen Verbleib. „Ich denke, dass Nick weiß, was er an Werder hat. Ich würde mich freuen, wenn er die nächsten Entwicklungsschritte hier macht.“ Hinsichtlich einer weiteren Zusammenarbeit sei er „durchaus optimistisch“, so Fritz.

Werder Bremen: Jung-Profi Kebba Badjie mit „unheimlich großem Potenzial“

Mit Badjie hat Sportchef Frank Baumann indes schon alles klar gemacht. Der 21-Jährige, der vor sieben Jahren als Flüchtling nach Bremen kam, ist laut Fritz ein Spieler mit einem „unheimlich großen Potenzial“. Die Stärken des Linksaußen beschreibt der Ex-Nationalspieler so: „Er ist einer, der immer ein bisschen rumschleicht und sich die Räume sucht. Er ist lernwillig, fragt viel nach. Man merkt richtig, dass er die Mentalität hat, etwas erreichen zu wollen. Und er ist ein total angenehmer Mensch mit einer beeindruckenden Geschichte.“

Aus Gambia geflohen, in Bremen gelandet und über diverse Amateurclubs bis zu Werder vorgestoßen – doch im Augenblick trifft der Corona-Lockdown Badjie hart. Wie ein Schlagbaum auf dem eigenen Weg nach oben. „Den Jungs fehlen gerade die Spiele, um sich entwickeln zu können. Wir wissen auch nicht, wann die U23 wieder spielen darf. Es ist eine total schwierige Zeit“, sagt Fritz. Durch den neuen Vertrag für Kebba Badjie hat Werder Bremen nun wenigstens die Handlungsoption, ihn noch im Winter in eine Profi-Liga verleihen zu können, die nicht vom Lockdown betroffen ist. Aber auch das will gut überlegt sein, meint der 40-Jährige: „Es muss Sinn machen. Wenn er auch woanders nicht spielt, hat niemand etwas davon.“ (csa)

Rubriklistenbild: © imago images / foto2press / gumzmedia

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