Nach dem Testspiel zwischen Werder Bremen und Besiktas Istanbul stürmten vor allem Fans des türkischen Erstligisten den Rasen des Tivoli Stadions in Innsbruck.
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Nach dem Testspiel zwischen Werder Bremen und Besiktas Istanbul stürmten vor allem Fans des türkischen Erstligisten den Rasen des Tivoli Stadions in Innsbruck.

Werder verliert Testspiel

Testspiel-Niederlage: Besiktas-Party und Schiri-Ärger frustet den SV Werder Bremen nur wenig

Innsbruck – So ein bisschen wunderten sie sich beim SV Werder Bremen dann schon, wie am Samstagnachmittag die letzten Minuten des Testspiels gegen Besiktas Istanbul im Tivoli-Stadion von Innsbruck abliefen. „Man will ja auch testen - und wenn man dann das Gefühl hat, dass da jemand drei Minuten liegen bleibt und Zeit schindet, damit die das Ergebnis über die Runden bringen, ist das natürlich ein bisschen schade“, meinte ein sichtlich abgekämpfter Niclas Füllkrug nach der unglücklichen 1:2 (0:0)-Niederlage, während draußen Spieler und Fans von Besiktas den Erfolg fast wie einen Titelgewinn feierten. Es war nicht der einzige Bremer Ärger an diesem Nachmittag, aber den ganz großen Frust gab es auch nicht. Denn die Leistung gegen das Team des Ex-Bremers Valerien Ismael hatte zum Abschluss des Trainingslagers gestimmt, am Sonntag geht es dann gut gerüstet für die letzten Wochen der Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison zurück nach Bremen.

„Wir konnten in beiden Halbzeiten gegen eine sehr gute Mannschaft eine gewisse Intensität gehen. Klar, in Ballbesitz hat uns noch ein wenig die Genauigkeit gefehlt. Die Räume waren aber da – und die Abläufe werden immer klarer. Daraus hätten wir nur mehr klare Chancen erspielen müssen. Und es ist ärgerlich, dass wir in der zweiten Halbzeit eigentlich nichts zugelassen und dann zwei unnötige Gegentore bekommen haben“, meinte Werder-Bremen-Cheftrainer Ole Werner: „Wir wollen auch so ein Testspiel gewinnen. Aber die positiven Dinge überwiegen.“

Werder Bremen hatte mutig begonnen, attackierte schon im gegnerischen Strafraum und rückte dabei gut nach. Da zahlte sich die Trainingsarbeit der letzten Tage aus, bei der vor allem das Verschieben immer wieder geübt worden war. Hinten fiel auf, dass Milios Veljkovic und Amos Pieper gerne mal ihre Rollen als mittleres und rechtes Glied der Dreierkette tauschten. Veljkovic setzte dabei auch nach vorne Akzente. Nach einer cleveren Freistoß-Finte von Marvin Ducksch verpasste der Serbe nur knapp die Führung (10.). Auch sein Kopfball nach der darauffolgenden Ecke war nicht ungefährlich. Und wenig später schickte er Oliver Burke auf die Reise, der den Ball nur ganz knapp verpasste. Solche Pässe auf den schnellen Schotten könnten eine gute Alternative im Bremer Angriffsspiel werden.

Werder Bremen erwischt im Testspiel gegen Besiktas Istanbul den besseren Start, erzielt den Führungstreffer aber nicht

Hinten standen die Bremer zu Beginn sehr sicher. Nur einmal konnte sich Cenk Tosun im Strafraum durchsetzen und verpasste das 1:0 ganz knapp (13.). Dann ging plötzlich Anthony Jung in den Sitzstreik und signalisierte: Es geht nicht weiter. Der Linksverteidiger von Werder Bremen hatte sich am rechten Oberschenkel verletzt, gab aber nach dem Spiel Entwarnung: „Der Muskel war nur ein bisschen fest, nichts Schlimmes.“ Für ihn kam Lee Buchanan, der sich in der Hektik vor der Ersatzbank das falsche Trikot gegriffen hatte und beinahe mit der 24 von Benjamin Goller aufgelaufen wäre. Doch gerade noch rechtzeitig wurde das Missgeschick entdeckt. Buchanan bekam seine 26 – und die Werder-Premiere des Engländers konnte beginnen. Der 21-Jährige hinterließ dabei einen ordentlichen Eindruck, wenngleich er sich offensiv noch etwas zurückhielt. Das galt allerdings auch für seine Kollegen. Besiktas Istanbul übernahm das Kommando und wäre beinahe durch Tosun in Führung gegangen, doch Keeper Jiri Pavlenka reagierte stark (38.).

Zur Pause gab es wie schon beim 2:1-Testspielsieg vor knapp einer Woche gegen den Karlsruher SC den Komplettwechsel, nur Buchanan machte weiter. Nun feierte auch Jens Stage seine Werder-Premiere und überzeugte gleich mit guten Ballgewinnen im Mittelfeld. Der Däne fiel aber auch mit einem harten Foul nach einem Ballverlust auf, dafür gab es Gelb. „Da war ich vielleicht etwas zu aggressiv“, grinste der 25-Jährige, der nach einer halben Stunde schon wieder den Platz verließ. Wegen einer Wadenverletzung aus der Vorsaison wird er behutsam aufgebaut.

Werder Bremen: Lee Buchanan und Jens Stage geben gegen Besiktas Istanbul ihre Premiere im Trikot der Grün-Weißen

Auch nach dem Wiederanpfiff attackierte Werder Bremen sofort den Gegner. Und nach einem Traumpass von Marco Friedl zog der wieder sehr auffällige Benjamin Goller auf und davon. Dass er nur den Innenpfosten traf, war schnell zu verschmerzen, weil der klug mitgelaufene Eren Dinkci locker zum 1:0 abstaubte (48.). Anschließend verpasste der wieder einsatzfreudige Niclas Füllkrug gleich zwei Mal nur knapp das 2:0.

Ärgerlich, denn wenig später wurde auf der anderen Seite gejubelt. Erst, als Schiedsrichter Werner Altmann nach einer Mini-Berührung von Nicolai Rapp am Fuß von Emirhan Delibas auf den Punkt zeigte, und dann, als Salih Ucan den Strafstoß sicher verwandelte (67.). Die 4.000 Besiktas-Fans unter den 6.000 Zuschauern waren aus dem Häuschen. Sie hatten schon vor der Partie mit Bengalos gefeiert und danach fast in Dauerschleife gesungen. „Es war schon eine außergewöhnliche Atmosphäre. Meiner Meinung nach hat sich der Schiedsrichter davon auch etwas anstecken lassen, aber das ist ja auch menschlich“, merkte Ole Werner ein wenig süffisant an. Aber die vielen Entscheidungen gegen Werder Bremen nervten ihn dann doch etwas.

Werder Bremen: Eren Dinkci trifft zur Führung, doch Besiktas Istanbul dreht das Spiel

Genauso wie das zweite Gegentor. Da hatte sich Niklas Stark an der Außenlinie überrumpeln lassen und in der Mitte Buchanan etwas den Überblick verloren. Das nutzte Oguzhan Akgün zum 2:1 – und zum Torjubel stürmte sogar der Keeper bis zur Mittellinie. Werder Bremen probierte angefeuert von den eigenen auch nicht so leisen Fans noch einmal alles, erarbeitete sich gute Chancen durch Füllkrug, doch der Ball wollte nicht mehr rein. „Es ist halt jetzt auch gerade diese Phase der Vorbereitung, wo dann vielleicht nicht immer alles gelingt“, meinte Niklas Füllkrug, nachdem er dem Platzsturm der Fans von Besiktas Istanbul entkommen war. (kni)

Werder Bremen (1. Halbzeit): Pavlenka - Pieper, Veljkovic, Chiarodia - Agu , Gruev, Jung (17. Buchanan) - Bittencourt, Schmid - Burke, Ducksch

Werder Bremen (2. Halbzeit) Pavlenka - Rapp, Stark, Friedl – Goller, Groß, Buchannan – Stage (76. Woltemade), Schmidt - Dinkci, Füllkrug

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