Eren Dinkci brachte Werder Bremen gegen Zenit St. Petersburg in der 21. Minute in Führung.
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Eren Dinkci brachte Werder Bremen gegen Zenit St. Petersburg in der 21. Minute in Führung.

Werder-Testspiel im Zillertal

Nach Balltausch lässt Werder Bremen gegen Zenit den Sieg liegen - Coach Anfang dennoch zufrieden

Zell am Ziller – Ob Tom Cichon zur Halbzeit an seinem eigenen Urteil gezweifelt hat? 2:0 führte Werder Bremen zu diesem Zeitpunkt im Testspiel gegen Zenit St. Petersburg geführt.

Und nur wenig war bis dahin von der Qualität zu sehen, die Werder-Co-Trainer Cichon dem russischen Meister ehrfurchtsvoll attestiert hatte. „Das ist eine absolute Top-Mannschaft“, hatte der Assistent von Werder-Chefcoach Markus Anfang gesagt. Doch auf dem Platz blieb der Gegner den anschaulichen Beweis dafür lange schuldig. Eren Dinkci (21.) und Niclas Füllkrug per Foulelfmeter (45.+1) schossen sogar eine 2:0-Halbzeitführung für den SV Werder Bremen heraus. Doch nach dem Seitenwechsel und einem kuriosen Balltausch drehte Zenit St. Petersburg auf, kam durch den Argentinier Sebastian Driussi (58.) sowie EM-Teilnehmer Andrey Mostovoy (67.) zum Ausgleich.

Für Markus Anfang war der verpasste Sieg jedoch kein Ärgernis. Sein Fazit nach der wechselvollen Partie: „Wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, damit können wir zufrieden sein. Auch in der zweiten Halbzeit haben wir uns gut präsentiert sind unter dem Druck nicht eingebrochen, sondern haben dagegengehalten. Dass wir mit einem 2:2 rausgegangen sind, können wir positiv mitnehmen.“

Das Remis war der Schlusspunkt des Trainingslagers in Zell am Ziller, am Donnerstag reist Werder Bremen zurück in die Heimat. Und nimmt man allein die Ergebnisse und Leistungen in den Testspielen gegen ZSKA Sofia (1:0) und nun Zenit St. Petersburg als Bewertungsgrundlage, so war es eine ordentliche bis gute Arbeitswoche in Österreich. Die Bremer Testspielbilanz in der bisherigen Saisonvorbereitung sieht zudem positiv aus: Vier Spiele, drei Siege, ein Remis und 14:2 Tore gegen zwei unterklassige und zwei höherklassige Gegner.

Eren Dinkci bringt Werder Bremen gegen Zenit St. Petersburg in Führung

Von Zenit St. Petersburg, immerhin Champions-League-Teilnehmer und somit der europäischen Elite zuzuordnen, war freilich erwartet worden, dass das Team den Bremern einige erste Beulen verpassen würde. Doch die Russen wirkten in der ersten Halbzeit seltsam müde, bisweilen lustlos. Und Werder Bremen wusste das für sich zu nutzen. Nach schönem Pass von Yuya Osako ließ Eren Dinkci Bewacher Danil Krugovoj stehen und traf mit einem wirklich sehenswerten Schuss ins lange Eck. Eine tolle Aktion des 19-Jährigen, der in Anfangs System den Rechtsaußen gibt.

Dinkci war Teil einer Aufstellung, die durchaus als mutig, weil ziemlich offensiv ausgerichtet, bezeichnet werden durfte. Füllkrug in der Spitze, Dinkci und Bittencourt auf den Außen, dahinter Osako und Niklas Schmidt – mit dieser Personalauswahl für das 4-3-3 waren die Bremer Absichten schon dokumentiert. Anfang: „Wir wollten nach vorne spielen, wir wollten Chancen kreieren, wir wollten mutig sein.“ Zwar hatte der Bundesliga-Absteiger Werder Bremen bisweilen Mühe, die erste Pressinglinie des Gegners zu überspielen, aber wenn es gelang, ging es schnell und gefährlich nach vorne. Natürlich oft über die Außen, so wie Anfang es sehen will. Das führte zum 1:0 durch Dinkci, der sich sehr über seinen Trainingslager-Treffer freute: „Es ist schön, dass ich dabei sein und mich mit einem Tor belohnen durfte. Besser geht es nicht.“ Beim 2:0 ging es weder über Dinkci noch über Außen, sondern ab durch die Mitte. Schmidt schickte Bittencourt in den Strafraum, Foul, Elfmeter. Niclas Füllkrug trat an und verwandelte sicher (45.+1).

Werder Bremen gerät gegen Zenit St. Petersburg nach der Pause unter Druck

Und dann? Bruch im Spiel. Was an Personalwechseln auf beiden Seiten, an einer Standpauke für die Russen und vielleicht auch an einem Balltausch gelegen haben mag. Nachdem in der ersten Halbzeit mit dem offiziellen Ball für Bundesliga und 2. Liga gespielt worden war, kam nach der Pause das Spielgerät der russischen Premier Liga zum Einsatz. Gleiches Recht für alle gewissermaßen. Mit dem gewohnten Ball spielte Zenit gleich eine Klasse besser. Werder Bremen geriet nun so unter Druck, wie es von Beginn an erwartet worden war. „Wir haben viele kleine Fehler gemacht. Dann ist es schwer, das Spiel im Griff zu behalten. Aber niemand ist weggebrochen“, meinte Anfang. Der Anschlusstreffer fiel, weil Milos Veljkovic in der Innenverteidigung nicht orientiert war, beim Ausgleich wurde der SV Werder hingegen klassisch ausgespielt.

Dennoch wären die Bremer beinahe noch als Sieger vom Platz gegangen. Josh Sargent kam zu einem guten Abschluss, und vier Minuten vor Schluss jagte Kevin Möhwald einen Freistoß nur knapp über das Tor. Hätte er getroffen, hätte er den singenden Fans des SV Werder Bremen unter den 500 Besuchern im Parkstadion vielleicht noch mal einen ausgegeben. Vor dem Spiel hatte Möhwald anlässlich seines vier Tage zurückliegenden 28. Geburtstages großzügig eine Rutsche Bier springen lassen für den Fan-Chor unter dem Dach der Tribüne. Weshalb er bei seiner Einwechslung als „Bier-Kapitän“ gefeiert wurde. Na dann, Prost! (csa)

Werder Bremen: Zetterer (46. Kapino) – Mbom (46. Straudi), Toprak (46. Veljkovic), Mai (60. Gruev), Agu (60.) – M.Eggestein (60. Groß) – Dinkci (46. Nankishi), Schmidt (60. Möhwald), Osako (46. Schmid), Bittencourt (46. Woltemade) – Füllkrug (46. Sargent)

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