Theodor Gebre Selassie verlässt Werder Bremen aller Voraussicht nach im Sommer, will mit der Bekanntgabe seines Abschieds aber noch warten.
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Theodor Gebre Selassie verlässt Werder Bremen aller Voraussicht nach im Sommer, will mit der Bekanntgabe seines Abschieds aber noch warten.

Tscheche verlässt wohl im Sommer Verein

Vereinstreuer geht kaum: Theodor Gebre Selassie denkt auch beim Abschied erst an den SV Werder Bremen, dann an sich

Bremen – Eigentlich ist seine eiserne Verschwiegenheit beim Thema Abschied nur konsequent – steht sie doch sinnbildlich für das, was Theodor Gebre Selassie seit knapp neun Jahren beim SV Werder Bremen verkörpert: Zurückhaltung und Vereinstreue. Über sich selbst sprechen, das mochte der Tscheche noch nie, und er mag es auch heute nicht – erst Recht nicht, wenn es um die immer noch nicht endgültig beantwortete Frage geht, was denn nun im Sommer aus ihm wird.

Gebre Selassies Vertrag bei Werder Bremen läuft aus, seine Idee, eines Tages mit der Familie in die Heimat zurückzukehren, ist längst verbrieft – nur offiziell auf Abschiedstournee ist „Theo“ noch nicht. „Ich habe meine Entscheidung inzwischen getroffen“, sagt er am Freitag, bittet dann aber um Verständnis, „dass ich sie gerne noch für mich behalten würde“. Schließlich stünden noch viele wichtige Spiele an, darauf solle der Fokus liegen – „und nicht darauf, was mit mir passiert“. Zurückhaltender und vereinstreuer geht es kaum.

In Bremen gilt es längst als offenes Geheimnis, dass Gebre Selassie, inzwischen 34 Jahre alt, nach der Saison Tschüss sagt. „Wir gehen davon aus, dass Theo uns im Sommer verlässt“, hatte Sportchef Frank Baumann erst kürzlich gegenüber der DeichStube erklärt. Zu groß ist der Respekt des Vereins vor der Leistung des Sportlers, aber auch vor der Person Theodor Gebre Selassie, als dass er mit allerletztem Nachdruck versuchen würde, seinen Verteidiger doch noch von einer weiteren Saison in Grün und Weiß zu überzeugen. „Der Club weiß, dass es bei mir eine klare Tendenz gibt“, sagt Gebre Selassie. Das finale Gespräch in dieser Sache habe aber noch nicht stattgefunden. Es dürfte den erwartbaren Ausgang nehmen, womöglich einem letzten formalen Akt gleichkommen: „Theo“ teilt seinen Abschied mit.

Werder Bremen: Theodor Gebre Selassie überholt Thomas Schaaf - und ist Ex-Trainer dankbar

Jetzt sei aber noch nicht der Zeitpunkt gekommen, darüber zu reden, sagt er, schon gar nicht öffentlich. Einen „Jetzt-sind-es-nur-noch-soundsoviele-Spiele-für-Werder-Countdown“ will Gebre Selassie nicht, denn der würde ihn unvermeidlich Woche für Woche dorthin rücken, wo er am liebsten andere sieht: in den Mittelpunkt. Den Status, dass jedes weitere Werder-Spiel, und sei es noch so alltagsgrau, einen neuen Bestwert bedeuten kann, hat er aber auch so längst erreicht – ein Privileg, das in der Regel Spielern vorbehalten ist, die, nun ja: zur Vereinslegende geworden sind.

Mit seinem 263. Bundesliga-Einsatz hat Theodor Gebre Selassie gerade erst seinen Ex-Trainer und Förderer Thomas Schaaf in der ewigen Liste der meisten Werder-Spiele überholt. „Die Zahl bedeutet mir sehr viel“, sagt er, hält kurz inne, schüttelt ansatzweise den Kopf – und fährt fort: „Dass ich jetzt ein Spiel mehr gemacht habe als Thomas Schaaf, ist einfach kurios. Ich bin ihm sehr denkbar dafür, dass er mir damals die Chance gegeben hat. Ohne ihn wäre ich nicht nach Bremen gekommen.“

Werder Bremen: Theodor Gebre Selassie lobt vor Abschied seinen Nachfolger Felix Agu

Wenn er die Stadt sehr wahrscheinlich bald wieder verlässt, sieht Gebre Selassie „sein“ Werder Bremen aber bestens aufgestellt. In Felix Agu sei doch ein potenzieller Nachfolger schon da. „Er ist schon jetzt auf einem sehr guten Weg und hat alles, was man braucht, um die Position des Rechtsverteidigers zu spielen“, moderiert Gebre Selassie seine eigene Wachablösung an.

Noch sind es acht Spiele in der Liga und bestenfalls drei im DFB-Pokal, die „Theos“ inoffizielle Abschiedstournee bilden – ähnlich den Tourstopps einer großen Band, deren Fans bis zum letzten Gig vage darauf hoffen, dass die alten Säcke vielleicht doch noch Lust haben und weitermachen. Bei Theodor Gebre Selassie spricht fast nichts mehr dafür, er wird seine Familie in den Vordergrund stellen – was nur konsequent ist und damit unter keinen Umständen falsch sein kann. (kni)

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