Theodor Gebre Selassie gibt Anweisungen.
+
Theodor Gebre Selassie, dienstältester Profi des SV Werder Bremen, hat in einem Interview erzählt, dass er in seinem ganzen Leben immer wieder auf Rassismus gestoßen ist.

Dienstältester Werder-Spieler spricht offen

Werder-Verteidiger Theodor Gebre Selassie: „Rassismus zieht sich durch mein ganzes Leben“

Bremen – Warum sich Theodor Gebre Selassie seit schon mehr als acht Jahren so gut aufgehoben fühlt bei Werder Bremen? Vielleicht auch deshalb: Der Verein positioniert sich immer wieder deutlich gegen Rassismus sowie Diskriminierung, und Gebre Selassie sagt: „Mich macht es wirklich stolz, in einem Verein zu spielen, der öffentlich klipp und klar Haltung zeigt.“

Dass er in seiner Karriere wegen seiner Hautfarbe – Theodor Gebre Selassies Vater stammt aus Äthiopien, seine Mutter aus Tschechien – auch schon in unschöne Situationen geraten ist, erzählt der Rechtsverteidiger des SV Werder Bremen in einem Interview mit „spox“ und „goal“.

Rassismus ziehe sich „durch mein ganzes Leben“, sagt der 33-Jährige: „Ich war schon als kleines Kind in der Schule oder bei meinen Vereinen der einzige Dunkelhäutige. Man gewöhnt sich daran und merkt es fast nicht mehr. Ich hatte auch das Glück, dass ich von Anfang an viele Freunde hatte und das Thema nie zu einem großen Problem für mich wurde. Ich musste mir aber über die Jahre einige schlimme Sachen anhören. Man lernt jedoch, dass man nicht so empfindlich sein darf – leider.“

Werder Bremen: In Tschechien hat Theodor Gebre Selassie schlechte Erfahrungen mit Rassismus erleben müssen

Besonders auf dem Fußballplatz habe er in seiner tschechischen Heimat schlechte Erfahrungen machen müssen. „Schon in der Jugend haben sich manche Gegenspieler oder Eltern in dieser Hinsicht nicht vorbildlich verhalten. Später in den unterklassigen Ligen, wo die Zuschauer nah am Spielfeld standen, ging es so weiter. Es ist leider, wie es ist, solche Menschen wird es bedauerlicherweise immer geben“, erklärt Gebre Selassie, dessen Hautfarbe auch bei den Berufungen ins U21- und später ins A-Nationalteam „ein Thema“ wurde: „Es gab unterschiedliche Meinungen, und nicht alle waren damit zufrieden, dass ich in der Mannschaft war. Das war leider zu erwarten, auch wenn es nicht extrem negativ war.“

Bei den Werder-Fans gehört Theodor Gebre Selassie nicht zuletzt wegen seiner Vereinstreue zu den beliebtesten Profis – für ihn sind diese Wertschätzung und der eigene Wohlfühlfaktor eine „Wechselwirkung. Die Fans sind stolz auf einen, und ich selbst bin stolz, so lange bei einem tollen und traditionsreichen Verein mit fantastischen Fans in einem tollen Land zu spielen. So empfinde ich es jedenfalls“, sagt der aktuell dienstälteste Werder-Profi, der aktuell seine vermutlich letzte Saison in Bremen spielt.

Werder Bremen-Profi Theo Gebre Selassie prangert politische Zustände in den USA an

Sein Plan sieht vor, vielleicht noch mal in Tschechien einen Vertrag zu unterschreiben, dort nach Möglichkeit noch mal einen Titel zu gewinnen. So wie 2012 mit Slovan Liberec die nationale Meisterschaft. Mit Werder Bremen hat es nie geklappt – auch nicht im Pokal. „Ich habe in den vergangenen Jahren gemerkt, wie sehr es mir fehlt, mal wieder etwas zu gewinnen“, sagt Theodor Gebre Selassie, „das war damals so wunderbar und ist wohl für jeden Profisportler der Antrieb Nummer eins.“

Ziemlich klar ist aber, dass ein Gedanke aus der Vergangenheit nach der Zeit bei Werder von ihm nicht mehr reaktiviert wird. „Früher hat mich das Leben in den USA sehr interessiert“, verrät er: „Wenn man allerdings sieht, was dort seit ein paar Jahren politisch abgeht, ist das längst hinfällig.“ (csa)

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare