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Augen zu und durch: Werder-Profi Theodor Gebre Selassie.

Verteidiger nur Reservist

Gebre Selassie: „Es ist nicht meine schönste Zeit hier“

Bremen - Es ist keine leichte Situation: In seiner fünften Saison bei Werder ist Theodor Gebre Selassie nur noch Reservist. Das Gespräch mit dem Trainer will er trotzdem nicht suchen.

Von den ersten elf Saisonspielen in der Bundesliga hat Theodor Gebre Selassie keine einzige Minute verpasst. Aber dann: Der Tscheche durfte nur noch 14 Minuten ran – verteilt auf drei Spiele. In den vergangenen drei Partien wurde der 30-Jährige nicht mal mehr eingewechselt. „Es ist nicht meine schönste Zeit hier“, gesteht Theodor Gebre Selassie. Die Enttäuschung darüber ist ihm nach viereinhalb Jahren in Bremen deutlich anzusehen. Doch der Werder-Profi will kein Mitleid: „So ist das im Fußball. Ich bin Profi, ich muss weiterarbeiten.“

Dazu gehört für ihn auch die Medienarbeit. Gebre Selassie könnte sich verkriechen – wie viele andere. Doch das macht der Nationalspieler nicht. Genauso wenig nutzt er die Öffentlichkeit dazu, sich zu beklagen oder andere für seine Situation in die Verantwortung zu ziehen. Zum Beispiel den Trainer. Er hat Alexander Nouri nicht einmal auf das Thema angesprochen: „Ich fände es komisch, jetzt zum Trainer zu gehen, weil ich nicht spiele. Wir punkten doch. Da kann man das doch nicht machen.“

Nach vier Pleiten in Folge hatte Nouri auf der rechten Abwehrseite getauscht: Robert Bauer für Gebre Selassie. Es folgten fünf Spiele ohne Niederlage. Doch diese Serie ist schon wieder Vergangenheit. Außerdem hat sich Außenverteidiger Santiago Garcia eine Sperre eingehandelt. Okay, der Argentinier ist eher linksorientiert, aber dort hat Bauer auch schon mal überzeugt und könnte am Sonntag in Augsburg Platz für Gebre Selassie schaffen. „Das könnte ich mir gut vorstellen“, sagt der Tscheche und grinst zufrieden: „Dann wäre ich glücklich. Aber ich weiß nicht, was der Trainer vorhat.“ Er spricht ihn ja nicht an. Also übernehmen das die Medien.

„Theo ist in einer zweifelsohne schwierigen Situation“, bestätigt Nouri: „Aber er verhält sich sehr professionell. Er ist ein super Teamplayer mit einem super Charakter. Er wird sich für diese Haltung definitiv belohnen.“ Ob der Trainer auch den Spieler belohnen wird – und zwar mit einem Platz in der Startelf, das sagt Nouri nicht. Nur so viel: Gebre Selassie sei eine Option, aber auch nicht die einzige.

Es könnte also ein weiterer harter Spieltag – oder besser gesagt Nicht-Spieltag – für Gebre Selassie werden. Und dann? „Nix“, antwortet der 30-Jährige sofort: „Das wäre kein schönes Gefühl, aber es würde weitergehen.“ Erstmal bei Werder. Denn das Transferfenster ist geschlossen. In dieser Wechselperiode habe er ohnehin nicht über einen Abschied nachgedacht. Sein Vertrag läuft noch bis 2018. „Mal schauen, was im Sommer kommt“, sagt Gebre Selassie. Im ersten Moment klingt es wie eine Drohung. Doch der Tscheche ist einfach nur ehrlich – wie immer. Mit einem Schulterzucken fügt er noch an: „So ist doch das Fußballerleben.“
kni

Quelle: kreiszeitung.de

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