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Thomas Delaney, inzwischen bei Borussia Dortmund, hält seinen damaligen Wechsel zu Werder Bremen rückblickend für „zu 100 Prozent richtig“.

Klemm-Brett vor Werder-Spiel gegen BVB

Delaney im Interview: „In Bremen passiert immer etwas Spezielles“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Expertise rund um Werder Bremen, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 6. Spieltag geht es um Borussia Dortmund.

Vom ersten Tag an Leistungsträger, insgesamt 49 Pflichtspiele für Werder Bremen – und nach nur eineinhalb Jahren der Abschied in Richtung Dortmund: Thomas Delaney (28) hat Bremen äußerst erfolgreich als Sprungbrett genutzt, um den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. Vor dem Duell gegen seinen Ex-Club hat sich der Däne mit der DeichStube über Florian Kohfeldt, die Bremer Verletztenmisere und seinen großen Traum von der Meisterschaft unterhalten.

Herr Delaney, welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Bremer Zeit?

Vor allem erinnere ich mich an einen brutal schwierigen Start mit Partien gegen Bayern und Dortmund. Und natürlich an eine sportlich und menschlich gute Zeit. Die Entscheidung für Werder war rückwirkend betrachtet zu 100 Prozent richtig für mein Leben und meine Karriere. Ich habe mich in Bremen sehr wohl gefühlt.

Verfolgt das Spiel von Werder Bremen bei Borussia Dortmund im Live-Ticker

Empfinden Sie Mitleid bei der unglaublichen Verletzungsmisere, die Ihren Ex-Club ereilt hat?

Die Situation tut mir leid, klar! Ich habe ja noch viele Freunde dort. Irgendwie hat man den Eindruck, in Bremen passiert immer irgendetwas Spezielles. In diesem Jahr ist es die Verletzungsmisere. Ich wünsche Werder, dass alle Spieler schnell wieder gesund werden.

Hatten Sie denn den allgemeinen sportlichen Aufschwung bei Werder erwartet?

Sagen wir es mal so: Als ich kam, hatte ich keine Erwartungshaltung in diese Richtung. Aber ich habe geahnt und gehofft, dass mit diesem Verein, seiner Geschichte und seinem Umfeld mehr drin ist. Sonst wäre ich auch nicht gekommen.

Was zeichnet Florian Kohfeldt aus?

Visionen, Intensität, eine hohe Erwartungshaltung an die Spieler – und zwar in allen Bereichen.

Worauf wird es beim Spiel gegen Werder für Ihre Mannschaft ankommen?

Wir müssen Dominanz ausstrahlen und ähnlich effektiv sein wie zu Hause beim 4:0-Sieg gegen Leverkusen.

Kann Dortmund Meister werden?

Wir haben in der vergangenen Saison mehr als 20 Spieltage lang an der Spitze gestanden. Natürlich erwächst daraus teamintern eine Erwartungshaltung. Wir wollen es versuchen, das haben wir vor der Saison ja alle betont. Aber jetzt konzentrieren wir uns immer nur auf das nächste Spiel. Ständig über das zu sprechen, was im Mai sein könnte, bringt nichts. Wir müssen unsere Spiele gewinnen. Und das nächste steigt gegen Werder!

Wissenswertes vor dem Spiel von Werder Bremen gegen Borussia Dortmund: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Spruch von Hans-Joachim Watzke

„Vor zehn Jahren hatte mir aber noch die Phantasie gefehlt vorauszusehen, dass Schalke gegen den Abstieg spielt und Hamburg und Stuttgart Zweitligisten sind.“

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke über die gewandelten Kräfteverhältnisse im deutschen Vereinsfußball

Form von Borussia Dortmund

Ein hartes Urteil, das Manager Zorc fällt: „So spielt keine Spitzenmannschaft.“ Der Trainer bemängelte fehlende Ballsicherheit und vermisste das fehlenden Tempo. Für Lucien Favre die Gründe, warum die Borussia auswärts Punkte liegen gelassen hat. Erst 1:3 bei Union Berlin, dann 2:2 in Frankfurt nach zweimaliger Führung.

Vergessen war da der überzeugende Auftritt in der Champions League beim torlosen Remis gegen den großen FC Barcelona. Kritik wurde laut in Westfalen, Kritik an der mangelhaften Mentalität der Elf, die mit ähnlichen Symptomen schon in der letzten Serie den Titel verspielt hat.

Gegen diese Bestandsaufnahme wehrte sich der Kapitän. Dies gehe ihm „so auf die Eier“, flippte Marco Reus in einem TV-Interview aus. „Jede Woche dieselbe Kacke.“ Der Nationalspieler thematisierte indes die Schwächen in der Defensive und macht die unnötigen Gegentore für die Punktverluste verantwortlich.

Rekord von Borussia Dortmund

Dortmund durfte die meisten Zuschauer begrüßen. In der Saison 2015/16 kamen 80.761 Zuschauer im Schnitt. Das Fassungsvermögen des Signa-Iduna-Parks, der fast immer ausverkauft ist, beträgt 81.365 Plätze bei Ligaspielen. Zuletzt war dies bei 29 Spielen der Fall. Vor sechs Jahren sogar bei 32 Partien, absoluter Liga-Rekord.

Dauerbrenner Borussia Dortmund

Der BVB gehört der höchsten deutschen Spielklasse im 53. Jahr an. 1972 belegte der Verein mit 20:48 Punkten den 17. Rang und stieg in die Zweitklassigkeit ab, 1976 glückte der Wiederaufstieg. Seitdem belegten die Westfalen durchweg vordere Plätze: 36 Mal mindestens Platz sieben.

Steckbrief Borussia Dortmund

Mit über 155.000 Mitgliedern ist Borussia Dortmund der drittgrößte deutsche Sportverein, der fünftgrößte weltweit. 1966 gewann der BVB als erster deutscher Verein den Europapokal der Pokalsieger, 1997 die Champions League und den Weltpokal. Seit 1999 sind die Lizenzspielerabteilung, Reserve und A-Jugend ausgegliedert in einer börsennotierten Aktiengesellschaft, die seit 2014 im SDAX gelistet ist.

Rekordspieler: Manfred Burgsmüller und Michael Zorc

Bester Torschütze in der Bundesliga ist ein Spieler, der auch für Werder Bremen aktiv gewesen ist: der unlängst verstorbene Manfred Burgsmüller mit 135 Treffern. Von den aktuellen Profis weist Marco Reus (83 Tore) den Bestwert auf. Der Fußballer mit den meisten Einsätzen arbeitet nun in der sportlichen Leitung: Michael Zorc, der Sportdirektor, kam in 463 Bundesliga-Spielen zum Einsatz.

Axel Witsel (r.) und Jadon Sancho sind zwei Schlüsselfiguren und Pass-Spezialisten im Spiel von Borussia Dortmund.

Passgeber Axel Witsel und Jadon Sancho

Der Belgier Axel Witsel ist für seine Ruhe am Ball, sein gutes Auge und seine Passsicherheit bekannt. Die Zahlen aus der letzten Saison bestätigen das: Witsel brachte 93,1 Prozent der Pässe zum Mitspieler, Bestwert in der Bundesliga. Ein anderer Dortmunder ist Spezialist für den vorletzten Pass: Jadon Sancho veredelte so gleich 13 Mal einen am Ende erfolgreichen Angriff.

Jokertore: Paco Alcacer vs. Claudio Pizarro

So viele Jokertore erzielte kein Team: 17 an der Zahl gelangen den Dortmundern, die mit Paco Alcacer auch den Jokerkönig stellten. Der Spanier traf gleich zwölfmal und verwies die Werder-Legende Claudio Pizarro (5 Tore) auf den zweiten Rang. Nicht nur, aber auch dank der Treffer des eingewechselten „Piza“ kam Werder auch auf 14 Jokertore, zweiter Platz hinter dem BVB.

Bilanz zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund

Positive Heimbilanz, negative Auswärtsbilanz: 32 Siege bei zwölf Niederlagen und neun Remis gelangen Werder Bremen im Weserstadion. In Dortmund konnten die Bremer zwölfmal gewinnen, sie verloren 35 Mal und spielten neunmal unentschieden. Insgesamt also aus Werder-Sicht: 44 Erfolge, 18 Remis, 47 Niederlagen. Der letzte Auftritt im Februar ist noch in bester Erinnerung: 4:2 siegte Werder im DFB-Pokal nach Elfmeterschießen.

Historie: Claudio Pizarro und Marco Reus treffsicher

Treffsicher gegen Dortmund zeigte sich stets Claudio Pizarro. Er markierte sieben Tore, wie einst auch Rudi Völler. Auf der Gegenseite traf einer in den Duellen BVB-Werder noch häufiger: Marco Reus erzielte in zwölf Partien neun Tore.

Titelambitionen von Borussia Dortmund

Lange Zeit stand das M-Wort auf dem Index. Noch im letzten Spieljahr, das trotz eines zwischenzeitlichen Vorsprungs von neun Punkten am Ende mit dem Platz endete, der dem ersten Verlierer zukommt. Nein, in Dortmund blieben sie defensiv, zumindest in der Wortwahl, mehr als auf dem Rasen. Das Wort Meisterschaft nahmen sie nicht in den Mund. Vergangen und vergessen, nun gehen sie in die Offensive.

Ein Leader wie Marco Reus formuliert die Ansprüche: „Ganz oben stehen.“ Heimkehrer Mats Hummels, die Zurückhaltung aus früheren Zeiten gewohnt, hat diese Zeitenwende erkannt. Der erneute Angriff auf die Bayern ist gestartet. Und so äußert sich auch Axel Witsel, einer der Führungsspieler, ohne Umschweife, indem er an Oliver Kahns legendären Eier-Spruch anknüpft: „Sorry, you need balls – du brauchst Mut. Sonst musst Du es gar nicht erst versuchen.“

Da lässt sich selbst der stets zurückhaltende und bescheidende, meist Allgemeinplätze formulierende Trainer aus der Reserve locken. Lucien Favre, dessen Vertrag bis 2021 unlängst verlängert worden war, zeigte für seine Begriffe mit diesem Satz eine noch nie dagewesene Courage: „Wir wollen um den Meistertitel mitspielen.“

Transfer-Großoffensive des BVB im Sommer

So hat kein Erstligist in diesem Sommer investiert. Rechtzeitig, im Gegensatz zu dem Rivalen aus München, haben die Dortmunder eine Transferoffensive gestartet. Im Handumdrehen haben die betuchten Westfalen die Grenze von 100 Millionen für Investitionen geknackt.

Die einzelnen Posten: 31 Millionen Sockelbetrag für die Rückholaktion von Mats Hummels plus bis zu 7 Millionen erfolgsabhängige Sonderzahlungen, 25 Millionen für Julian Brandt, die bei Bayer Leverkusen festgeschriebene Ausstiegsklausel, 25,5 Millionen für den Gladbacher Thorgan Hazard sowie für den Hoffenheimer Nico Schulz. Zudem wurde der bisher ausgeliehene Paco Alcacer für 21 Millionen aus Barcelona fest verpflichtet. Als Zugabe darf der ablösefrei gekommene Mateo Morey, ein Defensivtalent aus dem Nachwuchsstall des FC Barcelona, betrachtet werden.

Unter vielen teuren Neuverpflichtungen ist Mats Hummels ist der Königstransfer des Sommers bei Borussia Dortmund.

Königstransfer Mats Hummels

„Der beste Innenverteidiger der Liga“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. „Der beste Abwehrspieler der Welt“, legt Vorstandschef Hans-Joachim Watzke noch einen drauf. So rechtfertigen die Bosse den Königstransfer Mats Hummels. Wenn alle Boni greifen, wird die Rückholaktion des früheren Nationalspielers nach drei Jahren in München mit 38 Millionen Euro sogar drei Millionen mehr gekostet haben als die 2016 verbuchte Einnahme vom Bayern-Konto. Qualität kostet halt.

Und mit Hummels, fraglos eine anerkannte Leitfigur, haben die Dortmunder Klasse für die Hintermannschaft eingekauft, die ein Defizit an Erfahrung und oft auch an Konstanz zu beklagen hatte. Hummels soll diese Schwachpunkte tilgen.

Der „Klassensprecher“, wie er auch wegen seiner selbstsicheren Art genannt wird, gilt insofern als der wichtigste Einkauf. Und der zuletzt an Rückenproblemen laborierende Abwehrchef rechtfertigte bisher das Vertrauen. Sogar in dem Maße, dass die Club-Oberen Watzke und Zorc nun in die Offensive gingen und sein Comeback in der Nationalelf proklamierten.

Abgänge von Borussia Dortmund

Umbruch bei der Borussia: Bereits seit Winter steht der Transfer von Christian Pulisic zu Chelsea fest, der satte 64 Millionen Euro einbrachte. Diese Summe und die 32 Millionen Euro für den zu Paris St. Germain abgewanderten Abdou Diallo erhöhten den finanziellen Spielraum auf dem Transfermarkt.

Von einigen Spielern haben sich die Westdeutschen zudem getrennt, um den Kader zu verringern. Shinji Kagawa zählt zu dieser Gruppe. Nach sechseinhalb Jahren verlässt der Japaner die Dortmunder und wechselt zu Real Saragossa. Auch ein Weltmeister ging: Andre Schürrle, bisher an den FC Fulham verliehen, wechselt auf gleicher Basis zu Spartak Moskau. Für den Lokalrivalen Dynamo spielt ab sofort Maximilian Philipp, die Borussen kassieren 20 Millionen Euro für den Ex-Freiburger.

Weg sind auch Jeremy Toljan (Sassuolo, 2,5 Millionen) und Alexander Isak (San Sebastian, 8 Millionen). Am Ende der Vorbereitung profitierte auch Werder Bremen von den BVB-Plänen: Ömer Toprak, in der zweiten Reihe der zentralen Abwehrspieler, durfte gehen: erst Leihe, später Kaufverpflichtung bei bestimmten Bedingungen, auf sechs Millionen Euro beläuft sich das Gesamtpaket.

Anekdote zu Michael Zorc

Kennen Sie noch Martin Trieb oder Michael Nushöhr, Holger Anthes und Thomas Herbst? Nein, dabei schrieben diese Fußballer wahrlich Geschichte vor fast 40 Jahren. Allesamt Spieler der erfolgreichen Junioren-Nationalelf, die am 18. Oktober 1981 in Australien Weltmeister geworden ist. 4:0 gegen Katar im Finale von Sydney.

Leistungsträger in dieser Elf war einer, der im Gegensatz zu seinen in der Versenkung verschwundenen Mitstreitern noch immer präsent ist im Business. Sein Name: Michael Zorc. Ein Name, heute in ganz Deutschland populär, im Ruhrgebiet damals schon mit einem guten Klang. Als gebürtiger Bochumer und in jenen Zeiten junger Sportjournalist wusste ich mit dem Namen Zorc etwas anzufangen.

Ich kannte Dieter Zorc, den Vater des heutigen BVB-Managers, hatte Spiele des Lizenzspielers, wie es damals hieß, im Trikot des VfL Bochum, meines Heimatklubs, anfangs der 70er-Jahre verfolgt. Der Sohnemann trat in die Fußstapfen. Und wie: Michael zählte zu der vom legendären Dietrich Weise betreuten Mannschaft, die beim Turnier in Westdeutschland zunächst Junioren-Europameister, später in „Down Under“ Weltmeister geworden ist.

Ich habe einige EM-Partien erlebt, habe das Talent des Michael Zorc bestaunen dürfen. Jahre später, als Berichterstatter des kicker über Borussia Dortmund, habe ich den „Susi“ gerufenen Jungprofi begleitet, seine eindrucksvolle Karriere verfolgt. Ebenso die Fortsetzung auf dem Sessel des Managers.

1998 stieg Zorc ins Management des Traditionsklubs ein, 2005 wurde er Manager, anfangs kritisch gesehen, inzwischen anerkannt und gerühmt. Seine Titelsammlung als sportlich Verantwortlicher der Schwarz-Gelben: drei Meistertitel, zwei Pokalsiege, Finale der Champions League 2013, Endspiel im UEFA-Pokal 2002. Der Name ist zu einem Markenzeichen geworden: Michael Zorc beim BVB, vier Jahrzehnte Erfolg, made by Zorc!

Mehr News zu Werder Bremen

Rashica, Bittencourt – und wer stürmt noch in Dortmund? So sieht die voraussichtliche Aufstellung von Werder Bremen gegen den BVB aus. Schwere Aufgabe für die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt am Samstagabend im Signal-Iduna-Park – so seht Ihr Werder Bremen gegen Borussia Dortmund live im TV. Derweil hat Coach Florian Kohfeldt über die Top-Talente von Werder Bremen gesprochen: Fünf Versprechen für die Zukunft.

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