Die Szene in der 40. Minute zeigte: Werder war da, war bissig, aggressiv.
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Die Szene in der 40. Minute zeigte: Werder war da, war bissig, aggressiv.

Däne setzt auf Kopenhagener Stimmungsmache

Delaney verkündet das Ende der netten Jungs

Bremen. Es gab da diese Szene in der ersten Halbzeit, als es im Mittelkreis zur Rudelbildung kam. Von weitem raste Thomas Delaney herbei, mischte sich nicht nur wortreich ein, sondern benutzte auch seine Hände.

Keine Tätlichkeit, nein, nein – der Werder-Profi weiß, wo die Grenze ist. Aber mit seiner Aktion wollte der Däne im Pokalspiel gegen 1899 Hoffenheim ein klares Signal setzen: „In Kopenhagen war das eine Taktik von uns, so Stimmung zu machen. Wir dürfen nicht diese netten Jungs sein. Wir müssen uns wehren.“

Schluss mit lustig auf dem Platz, Werder wählt nun die harte Tour, um aus dem Tabellenkeller der Bundesliga zu kommen. „Wir wollen aber kein fieses Team sein“, betont Delaney. Doch solche Aktionen, dieses typische Imponiergehabe im Fußball, seien nun mal extrem wichtig und durchaus auch spielentscheidend. „Ich habe sofort danach zu Robert Bauer gesagt: Das ist es, was wir brauchen. Ich liebe das!“ Bei Bauer war er damit natürlich genau an der richtigen Adresse, der Außenverteidiger mag ebenfalls den Kampf. „Das ist mein Junge“, schwärmt Delaney.

Sonntag offensiver

Allein mit mehr Emotionen wird Werder allerdings nicht wieder nach oben kommen – und auch nicht mit der so defensiven Einstellung wie gegen Hoffenheim. Doch Delaney verteidigte die Taktik mit zwei Viererketten und nur einem echten Offensivspieler (Belfodil): „Hoffenheim ist eine der spielstärksten Mannschaften der Liga, sie haben sehr viel Ballbesitz. Gegen die Topteams kann man das so machen.“ Und der Erfolg sei schließlich eine Bestätigung für den Weg gewesen.

Aber darf Werder so auch am Sonntag im Bundesliga-Heimspiel gegen Augsburg antreten? „Ich bin mir sicher, dass wir am Sonntag offensiver spielen werden. Es würde mich wundern, wenn dieselben elf Spieler auf dem Platz stehen würden.“ Denn der Nationalspieler sehnt sich nach dem Fußball aus der Rückrunde mit vielen Toren. Aber die Taktik müsse nun mal der Situation angepasst werden: „Die ist schwierig.“

Zwölf Liga-Spiele ohne Sieg

Aber seit Mittwochabend nicht mehr ganz so schwierig. „Die mentale Komponente spielt eine große Rolle“, sagt Delaney: „Ich wusste fast schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, zu gewinnen. Es ist ein schönes Gefühl.“ Saisonübergreifend hat Werder zwölf Bundesligaspiele nicht mehr gewonnen. Es gab da nur diesen einen Sieg im Pokal in der ersten Runde, doch Gegner Würzburger Kickers spielt nur in der Dritten Liga. 

Hoffenheim ist da ein ganz anderes Kaliber. Deshalb könne sich das positive Gefühl nun durchaus auf die Bundesliga übertragen lassen. „Wir waren in einer Spirale“, sagt Delaney: „Das haben wir gestoppt. Beim Abpfiff saß ich auf der Bank und habe gemerkt, wie groß die Erleichterung ist.“ Gemeint war damit auch der in die Kritik geratene Trainer Alexander Nouri. „Der Sieg war auch wichtig für ihn. Das wird ihm guttun.“ Der Mannschaft natürlich auch. Dabei sei es völlig unerheblich, ob es ein glückliches 1:0 gewesen sei, wie der Gegner anmahnte. „Wir stehen in der nächsten Runde, nur das zählt“, findet Delaney – und er weiß natürlich auch, was am Sonntag zählt: „Da müssen wir unseren ersten Sieg in der Liga holen. Einfach wird das nicht. Aber unser Gefühl ist jetzt besser. Es könnte der Start für etwas Gutes gewesen sein.“

Einzelkritik: Pavlenkas Parade bringt Werder ins Ziel

Jiri Pavlenka: Vor der Pause fast beschäftigungslos, Beim Kramaric-Freistoß half ihm dann die Latte (52.). Ganz stark, wie er artistisch vor Uth rettete (77.). Und noch besser, wie er in der Nachspielzeit den Kopfball von Benjamin Hübner ans Aluminium lenkte. Note 1,5
Jiri Pavlenka: Vor der Pause fast beschäftigungslos, Beim Kramaric-Freistoß half ihm dann die Latte (52.). Ganz stark, wie er artistisch vor Uth rettete (77.). Und noch besser, wie er in der Nachspielzeit den Kopfball von Benjamin Hübner ans Aluminium lenkte. Note 1,5 © nordphoto
Robert Bauer: Hatte zunächst Probleme mit Zuber und dem schnellen Hack. Doch der rechte Verteidiger biss sich in die Partie und agierte danach solide. Note 3
Robert Bauer: Hatte zunächst Probleme mit Zuber und dem schnellen Hack. Doch der rechte Verteidiger biss sich in die Partie und agierte danach solide. Note 3 © imago
Niklas Moisander: Selbst unter größtem Druck oder bei einer Rudelbildung blieb der Finne ganz cool. Dirigierte geschickt die Viererkette – ein zuverlässiger Abwehrchef. Aber auch ein Glückspilz, denn seine Aktion gegen Uth hätte Elfmeter geben können (74.). Note 2,5
Niklas Moisander: Selbst unter größtem Druck oder bei einer Rudelbildung blieb der Finne ganz cool. Dirigierte geschickt die Viererkette – ein zuverlässiger Abwehrchef. Aber auch ein Glückspilz, denn seine Aktion gegen Uth hätte Elfmeter geben können (74.). Note 2,5 © nordphoto
Milos Veljkovic (r.): Durfte in der Innenverteidigung für Lamine Sane ran, der geschont wurde. Fand nicht immer den optimalen Zugriff und hatte Schwächen in der Spieleröffnung. Das wurde nach der Pause etwas besser, wenngleich er unglücklich den Latten-Freistoß von Kramaric verursachte. Note 3,5
Milos Veljkovic (r.): Durfte in der Innenverteidigung für Lamine Sane ran, der geschont wurde. Fand nicht immer den optimalen Zugriff und hatte Schwächen in der Spieleröffnung. Das wurde nach der Pause etwas besser, wenngleich er unglücklich den Latten-Freistoß von Kramaric verursachte. Note 3,5 © imago
Ulisses Garcia: Die große Überraschung in der Startelf. Als linker Verteidiger zunächst mit großen Problemen im Stellungsspiel. Im Glück, dass seine Attacke gegen Demirbay nicht mit Strafstoß geahndet wurde (15.). Im Spiel nach vorne durchaus mit überraschenden Momenten, aber auch mit einem sehr schlechten Abschluss (68.). Note 4
Ulisses Garcia: Die große Überraschung in der Startelf. Als linker Verteidiger zunächst mit großen Problemen im Stellungsspiel. Im Glück, dass seine Attacke gegen Demirbay nicht mit Strafstoß geahndet wurde (15.). Im Spiel nach vorne durchaus mit überraschenden Momenten, aber auch mit einem sehr schlechten Abschluss (68.). Note 4 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Mal wieder eine neue Rolle für den Tschechen – und die füllte er im rechten Mittelfeld ganz ordentlich aus. Mit einigen netten Tricksereien und viel Kampf. Aber auch mit einem schlimmen Abspielfehler, der fast das 1:1 gebracht hätte (72.). Note 3
Theodor Gebre Selassie: Mal wieder eine neue Rolle für den Tschechen – und die füllte er im rechten Mittelfeld ganz ordentlich aus. Mit einigen netten Tricksereien und viel Kampf. Aber auch mit einem schlimmen Abspielfehler, der fast das 1:1 gebracht hätte (72.). Note 3 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 63.): Der Abräumer! Machte die Mitte dicht, was gegen die schnellen Hoffenheimer und deren starke Pässe in die Tiefe nicht einfach war. Wie ein Bulle versuchte er, das Bremer Spiel nach vorne zu bringen. Dabei manchmal ein echter Dribbelkünstler. Seine frühe Auswechslung überraschte und kann eigentlich nur körperliche Gründe gehabt haben. Note 2,5
Philipp Bargfrede (bis 63.): Der Abräumer! Machte die Mitte dicht, was gegen die schnellen Hoffenheimer und deren starke Pässe in die Tiefe nicht einfach war. Wie ein Bulle versuchte er, das Bremer Spiel nach vorne zu bringen. Dabei manchmal ein echter Dribbelkünstler. Seine frühe Auswechslung überraschte und kann eigentlich nur körperliche Gründe gehabt haben. Note 2,5 © nordphoto
Thomas Delaney (bis 82.): Sein Köpfchen wird immer wichtiger für Werder. Erst verpasste er selbst das 1:0 (15.), dann bereitete er es mit seinem Schädel immerhin noch vor (31.). Neben Bargfrede ein zuverlässiger Arbeiter vor der Abwehr und ein echter Stimmungsmacher, legte sich gerne auch verbal mit dem Gegner an. Note 2,5
Thomas Delaney (bis 82.): Sein Köpfchen wird immer wichtiger für Werder. Erst verpasste er selbst das 1:0 (15.), dann bereitete er es mit seinem Schädel immerhin noch vor (31.). Neben Bargfrede ein zuverlässiger Arbeiter vor der Abwehr und ein echter Stimmungsmacher, legte sich gerne auch verbal mit dem Gegner an. Note 2,5 © nordphoto
Ludwig Augustinsson: Der linke Verteidiger im linken Mittelfeld. Musste Garcia hinten viel helfen. Nach vorne sehr bemüht, aber blieb mit seinen Flanken oft hängen. Note 3
Ludwig Augustinsson: Der linke Verteidiger im linken Mittelfeld. Musste Garcia hinten viel helfen. Nach vorne sehr bemüht, aber blieb mit seinen Flanken oft hängen. Note 3 © nordphoto
Zlatko Junuzovic: Ecke, Tor – 1:0 (31.). Er ist eben Werders Top-Vorbereiter, auch wenn es diesmal wegen Delaneys Kopf keinen Scorerpunkt gibt. Bewegte sich geschickt als hängende Spitze und harmonierte gut mit Belfodil. Note 3
Zlatko Junuzovic: Ecke, Tor – 1:0 (31.). Er ist eben Werders Top-Vorbereiter, auch wenn es diesmal wegen Delaneys Kopf keinen Scorerpunkt gibt. Bewegte sich geschickt als hängende Spitze und harmonierte gut mit Belfodil. Note 3 © nordphoto
Ishak Belfodil (60.): Der Stürmer wirkte wie ausgewechselt im Vergleich zum Köln-Spiel. Ab der ersten Minute total engagiert, setzte Junuzovic sofort stark in Szene (6.). Ließ so manchen Hoffenheimer mit seinen Tricks ziemlich alt aussehen, hielt damit als einzige Spitze auch sehr gut die Bälle. Als Belohnung gab es das 1:0, sein erstes Pflichtspieltor im Werder-Trikot (31.). Nouri nahm ihn wohl mit Blick auf Sonntag runter. Note 2
Ishak Belfodil (60.): Der Stürmer wirkte wie ausgewechselt im Vergleich zum Köln-Spiel. Ab der ersten Minute total engagiert, setzte Junuzovic sofort stark in Szene (6.). Ließ so manchen Hoffenheimer mit seinen Tricks ziemlich alt aussehen, hielt damit als einzige Spitze auch sehr gut die Bälle. Als Belohnung gab es das 1:0, sein erstes Pflichtspieltor im Werder-Trikot (31.). Nouri nahm ihn wohl mit Blick auf Sonntag runter. Note 2 © Gumz
Max Kruse (ab 60.): Konnte den starken Belfodil nicht wirklich ersetzen. Die lange Verletzungspause war ihm deutlich anzumerken. Litt auch darunter, dass seine Kollegen müde wurden. Note 4
Max Kruse (ab 60.): Konnte den starken Belfodil nicht wirklich ersetzen. Die lange Verletzungspause war ihm deutlich anzumerken. Litt auch darunter, dass seine Kollegen müde wurden. Note 4 © nordphoto
Maximilian Eggestein (ab 63.): Längst nicht so präsent wie Bargfrede. Note -
Maximilian Eggestein (ab 63.): Längst nicht so präsent wie Bargfrede. Note - © imago
Florian Kainz (ab 82.): Brachte den knappen Vorsprung mit über die Zeit. Note -
Florian Kainz (ab 82.): Brachte den knappen Vorsprung mit über die Zeit. Note - © Gumz (Archivbild)

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