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Thomas Delaney zählt beim SV Werder zu den Säulen im Mittelfeld.

Mittelfeld wird sich verändern

Die Zukunft des Werder-Zentrums

Bremen - Thomas Delaney hat nie ein großes Geheimnis daraus gemacht. Seit er im Winter 2017 aus Kopenhagen nach Bremen gewechselt ist, hat er auf Nachfrage stets erklärt, dass die englische Premier League für ihn besonders reizvoll ist.

Es überrascht also nicht, wenn Delaney – wie unlängst geschehen – betont, die WM in Russland als Bühne für sich nutzen zu wollen. „Wenn das Turnier mich zu einem besseren Spieler macht und das Interesse an mir steigen lässt, werde ich versuchen, diese Chance zu ergreifen“, hatte der dänische Nationalspieler gerade erst im Interview mit der DeichStube gesagt.

Das klingt stark nach Abschied im Sommer. Keine Frage: Werder würde einen Fixpunkt in seinem Spiel verlieren – ein Szenario, dass die Bremer Planungen für das Mittelfeld der kommenden Saison kompliziert macht – und auch die Zukunft von Kapitän Zlatko Junuzovic beeinflusst.

Werder ist sich mit Möhwald längst einig

Philipp Bargfrede als Sechser vor der Abwehr, Maximilian Eggestein und Delaney als Achter wiederum davor – mit diesem Trio besetzt Werders Trainer Florian Kohfeldt bevorzugt sein Mittelfeld. Die gute Nachricht: In Bargfrede (hat schon verlängert) und Eggestein („Ich weiß, was ich an Werder habe. Da muss sich keiner Sorgen machen“) werden zwei der drei Spieler ganz sicher, beziehungsweise ziemlich sicher auch in der neuen Saison noch für Werder auflaufen. Ein großer Umbruch sieht anders aus, und doch hängt sehr viel an der Personalie Delaney. Im Club gibt es längst Überlegungen, wie ein Abgang des Dänen kompensiert werden könnte.

Werder weiß natürlich um die Optionen Delaneys, der schon im Winter mit einem Angebot des Premier-League-Aufsteigers Brighton & Hove Albion geliebäugelt hatte. Die bevorstehende Verpflichtung von Kevin Möhwald vom Zweitligisten 1. FC Nürnberg darf als erste Vorsorgemaßnahme verstanden wissen, falls der Däne nach der WM wie zu befürchten seine Koffer packt. Werder hat den Deal mit Möhwald zwar noch nicht offiziell bestätigt, weil der Verein erst den Bundesliga-Klassenerhalt rechnerisch fix haben möchte.

Sechs Spieler für in der Regel drei Positionen (oben, von links): Philipp Bargfrede, Thomas Delaney, Maximilian Eggestein sowie (unten, von links) Jerome Gondorf, Zlatko Junuzovic und Nachwuchsprofi Ole Käuper.

Mit dem 24-jährigen Mittelfeldspieler, dessen Vertrag in Nürnberg im Sommer ausläuft, sind sich die Bremer aber längst einig. Von der Position her könnte Möhwald Delaneys Rolle auf dem Platz eins-zu-eins übernehmen. Allein auf diese Karte wird Werder aber nicht setzen, was Kapitän Zlatko Junuzovic in den Fokus rückt.

Unter Kohfeldt hat der 30-Jährige seinen Platz im Mittelfeld verloren und muss – wenn er denn spielt – meistens auf den Flügel ausweichen. Eine Option fürs Zentrum ist er aber allemal. Darüberhinaus verfügt Junuzovic über langjährige Erfahrung, wird in der Mannschaft gehört – kurz: Er ist immer noch ein Führungsspieler, selbst wenn sein sportlicher Wert inzwischen kleiner geworden ist. Der Vertrag des Österreichers läuft bekanntlich im Sommer aus, der Poker ist – zumindest offiziell – noch nicht richtig in Fahrt gekommen. „Es gibt noch nichts zu entscheiden, noch ist es ziemlich ruhig“, sagte Junuzovic jüngst nach dem Spiel in Hannover.

Klar ist: Werder will den Spieler tendenziell gerne halten, aber zu verringerten Bezügen. Auf der anderen Seite möchte Junuzovic als Kapitän und altgedienter Bremer Profi bei seinem vermeintlich letzten großen Vertrag der Karriere keine Abstriche in Kauf nehmen. Vieles spricht trotzdem dafür, dass Spieler und Club am Ende einen Weg finden – auch, weil es für Werder ziemlich gefährlich wäre, neben dem drohenden Verlust von Delaney einen weiteren gestandenen Mittelfeldspieler abzugeben.

Kohfeldt hat Alternativen im Kader

Als Alternativen für das Zentrum gibt der aktuelle Kader (nur) noch zwei weitere Namen her: Allrounder Jerome Gondorf und den derzeit verletzten Ole Käuper. Es war eine von Kohfeldts ersten Amtshandlungen, nachdem er Cheftrainer geworden war, den 21-jährigen gebürtigen Bremer fest aus der U23 zu den Profis zu holen. Einen 74-minütigen Einsatz im Auswärtsspiel bei Bayer 04 Leverkusen kann Käuper bisher vorweisen. Momentan erholt er sich von einem operativen Eingriff am Fußwurzelbereich. „Ich traue Ole die Bundesliga zu“, hatte Kohfeldt schon mehrfach betont. Klar ist aber ebenfalls, dass Käupers Platz auch bei einem Delaney-Abgang zunächst die zweite Reihe bleiben wird.

Bis die Entscheidung im Fall des Dänen gefallen ist, wird es übrigens noch dauern. „Abhängig vom Markt ist es sehr unrealistisch, dass es eine frühe Entscheidung gibt“, erklärt Delaney – und betont: „Ich werde den Gesetzen des Marktes folgen – mit allen verrückten Entscheidungen, die es dort gibt.“

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