Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen, Andreas Herzog und Rolf Fuhrmann.

Kolumne: Thomas Schaaf schreibt für die DeichStube

„Florian Kohfeldt macht das gut“

Von Thomas Schaaf. Es wird ja gerne gesagt, dass wir Max Kruse 2009 nicht in Bremen behalten wollten. Das ist absoluter Quatsch. Wir wollten mit Max den Weg weitergehen.

Aber er hat sich damals anders entschieden, weil er sich vielleicht woanders mehr Einsatzzeiten versprochen hat. Das war absolut legitim. Wir konnten ihm als jungen Spieler nicht unbedingt garantieren, dass er viel spielt, weil die Qualität des Kaders sehr hoch war. Mal ist es der Weg der Geduld, mal ist ein Umweg besser. Max ist zum FC St. Pauli und hat von dort aus eine tolle Entwicklung genommen. Das freut mich. Für Werder ist er jetzt extrem wichtig. Ich hoffe, er bleibt gesund. Und wenn er eine hervorragende Rückrunde spielt, dann wird er zwangsläufig ein Kandidat für die WM.

Für Werder ist die Aktualität aber wichtiger. Durch den Sieg gegen Stuttgart hat man den Anschluss nicht verloren. Vielleicht war es kein hochklassiges Spiel, aber jetzt zählen vor allem Punkte. Für Florian Kohfeldt ist das nicht einfach. Er muss sofort liefern, will aber auch seine Vorstellungen vom Fußball einbringen. Mein erster Eindruck: Er macht das gut, Leistungen und Ergebnisse passen. Florian hat mehr Bewegung ins Spiel gebracht, es wird mehr nach vorne gespielt, um mehr Chancen zu bekommen. Und es wird mehr riskiert. Das sollte sich auszahlen. Aber es geht – glaube ich – Florian nicht nur darum, sein Spiel durchzubringen, sondern am Ende auch zu punkten – wie gegen Stuttgart.

Es zählt nur noch die Aktualität

Für ein echtes Urteil über ihn braucht es aber noch Zeit. Die benötigt Florian selbst auch. Und die wird er sicherlich bekommen. Ich denke, dass Frank Baumann mit ihm alles vertrauensvoll besprochen hat. Die Vertragslaufzeit ist dabei völlig egal. Was nützt dir denn – abgesehen von der finanziellen Seite – ein Vertrag über zwei Jahre?

Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, geht es heutzutage doch ganz schnell. Das ist leider so. Nicht nur bei Trainern. Mich ärgert, dass auch Spielern kaum noch Zeit gegeben wird. Zugänge sind nach drei Spielen entweder der neue Star oder eine Pfeife. Dabei ist doch jedem bekannt, dass so ein Wechsel des Jobs und des Wohnortes, vielleicht sogar des Landes gar nicht so einfach ist.

Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern

Thomas Schaaf
Schon mit elf Jahren spielt Thomas Schaaf in der Jugend des SV Werder Bremen, sein Bundesliga-Debüt gibt er in der Saison 1978/79 kurz vor seinem 18. Geburtstag. In der Saison 79/80 steigt er mit Werder ab. © imago
Thomas Schaaf
In der Zweiten Liga wird Schaaf zum Stammspieler, steigt nach nur einer Saison wieder auf und wird zur festen Größe in der Bundesliga. 1988 feiert er erstmals die Deutsche Meisterschaft. © imago
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Drei Jahre später folgt mit dem DFB-Pokal der nächste Titel. Schaaf hat in der Saison nur wenige Einsätze, fiebert im Elfermeterschießen von der Bank aus mit. © imago
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Der Pokalsieg läutet die goldene Ära ein, die mit dem Europapokal 1992 ihren Höhepunkt findet. Schaaf kommt im Finale für den verletzten Thomas Wolter ins Spiel. © imago
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In den folgenden Jahren geht es wieder auf den Rathausbalkon: Werder holt 1993 die Schale erneut an die Weser... © imago
Thomas Schaaf
...und im Jahr darauf gibt es eine weitere Gravur auf dem DFB-Pokal. Thomas Schaaf (ganz rechts) ist da schon seltener auf dem Platz zu finden. 1995 beendet er seine Karriere nach 262 Bundesligaspielen. © imago
Thomas Schaaf
Auch nach dem Karriereende bleibt er dem Verein treu, wird erst Jugendtrainer und übernimmt 1999 kurz vor Saisonende die Profis. Er rettet die Mannschaft vor dem Abstieg und gewinnt einen Monat später seinen dritten Pokal – sein erster Titel als Trainer. © imago
Thomas Schaaf
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft... © nordphoto
Thomas Schaaf
...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende. © nordphoto
Thomas Schaaf
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen. © nordphoto
Thomas Schaaf
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend. © nordphoto
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Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz. © nordphoto
Thomas Schaaf
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt. © nordphoto
Thomas Schaaf
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15)... © nordphoto
Thomas Schaaf
...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation. © nordphoto
Thomas Schaaf
Bei der EM 2016 ist er dann als Beobachter für die UEFA tätig. Im Oktober 2017 ist Thomas Schaaf im Gespräch als Kandidat für den geplanten Posten des Technischen Direktors bei seinem Heimatklub Werder Bremen. © Gumz

Aber wir wissen eben auch: Es zählt nur noch die Aktualität. Der muss man sich stellen. Für Werder heißt das als nächstes: Auswärtsspiel in Dortmund. Dort herrscht eine gewisse Unzufriedenheit. Das erhöht vielleicht die Chance für Werder. Aber der BVB hat trotzdem immer noch eine enorm hohe Qualität. Das wird schwer. Andererseits muss Werder es irgendwie schaffen, in Dortmund und in Leverkusen den einen oder anderen Punkt zu klauen. Wenn dann noch ein Heimsieg gegen Mainz und ein Weiterkommen im Pokal gegen Freiburg gelingt, wäre es doch noch ein guter Jahresabschluss.

Durch weitere Pokal-Einnahmen wäre vielleicht auch mehr Spielraum für Veränderungen im Winter vorhanden. Abschließend möchte ich noch festhalten: Natürlich habe ich gelesen, dass ich ein Kandidat für den Posten eines Technischen Direktors bei Werder sein soll. Aber da gibt es keinen neuen Stand. Da müssen sich alle ein bisschen gedulden, so schwer es dem einen oder anderen auch fällt. Im Moment ist ohnehin wichtiger, dass Werder da unten rauskommt.

Thomas Schaaf

Zur Person: Erst Spieler, dann Trainer – mehr Werder geht eigentlich nicht. Und dabei war Thomas Schaaf extrem erfolgreich. Als Spieler (1978 bis 1995) holte er zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger, als Trainer (1999 bis 2013) das Double und dreimal den Pokal. Aktuell arbeitet der 56-Jährige als technischer Beobachter für die Uefa.

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