Tim Borowski (Mitte) bejubelt einen Treffer für Werder Bremen gemeinsam mit seinem früheren Mitspieler und Vorbild Johan Micoud (re.).
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Tim Borowski (Mitte) bejubelt einen Treffer für Werder Bremen gemeinsam mit seinem früheren Mitspieler und Vorbild Johan Micoud (re.).

Ex-Werder-Profi bei „Kicker meets DAZN“

„Johan Micoud war mein Mentor“: Tim Borowski schwärmt von Werder-Legende und dessen Vorbildfunktion

Bremen – Wir schreiben das Jahr 2002, ein gewisser Johan Micoud war gerade zum SV Werder Bremen gewechselt. Und schon während dessen allererster Trainingseinheit am Osterdeich gab es ein sportliches Opfer: Tim Borowski. „Ich werde das nie vergessen. Wir haben Vier gegen Vier gespielt – und er hat mich in unserem Eins-gegen-Eins-Duell sowohl offensiv als auch defensiv dominiert“, erinnert sich der frühere Profi als Gast des Podcasts „Kicker meets DAZN“. „Da war ich so schwer beeindruckt, dass ich mir gesagt habe, dass der Typ irgendetwas können muss. Er wurde ja auch nicht umsonst ,Der kleine Zidane‘ genannt.“

Und von jenem Moment an wurde Johan Micoud zu Tim Borowskis Vorbild. Der damals 22-Jährige schaute sich von seinem Mittelfeld-Kollegen des SV Werder Bremen ab, was er nur abschauen konnte. Versuchte, jede noch so kleine Erkenntnis in das eigene Spiel einfließen zu lassen. „Ich habe da ganz, ganz viel mitgenommen, was das Thema Menschenführung angeht. Aber auch was das Spielerische angeht und worauf man den Blick auf und auch neben dem Platz richten sollte“, betont Borowski. „Eigentlich war er mein sportlicher Mentor.“ Und deshalb adelt der einstige Co-Trainer von Florian Kohfeldt den Franzosen: „Er hatte alles, was einen Leader ausmacht: dieses Empathische, dieses Zuhören. Aber am Beispiel meiner Person gab es auch dieses Fördern und Fordern“, meint Borowski. „Und er hatte diesen Siegeswillen und konnte alles dem unterordnen, was wichtig war, um das Spiel zu gewinnen. Das hat er par excellence ausgelebt.“

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Werder Bremens Ex-Profi Tim Borowski schwärmt von Johan Micoud: „Er war mein sportlicher Mentor“

Im Schatten des Ausnahmekönners, der in Bremen nur „Le Chef“ genannt wird und bis heute die Fans des SV Werder Bremen elektrisiert, reifte auch Tim Borowski zum Stammspieler. Und nicht nur das. Er war ein wichtiger Teil des Double-Gewinns 2004, gehörte später zum Kader der deutschen Nationalmannschaft bei der Heim-WM 2006 – samt wichtiger Impulse im Viertelfinale gegen Argentinien. 2008 klopfte schließlich der FC Bayern München an, beim Rekordmeister blieb „Boro“ aber lediglich eine Saison. Trotzdem sagt er heute: „Ich bin absolut nicht gescheitert. Klar, ich habe andere Vorstellungen gehabt und bin mit dem Selbstbewusstsein gewechselt, dass ich dort Stammspieler bin. Aber es war kein verlorenes Jahr.“ Das macht der Ex-Profi auch an dem fest, was abseits des Rasens passierte. „Was ich dort erlebt habe und welche Gespräche ich führen konnte – mit einem Uli Hoeneß zum Beispiel -, das sucht seinesgleichen.“

Werder Bremens Tim Borowski im Gespräch mit FC Bayern-Legende Uli Hoeneß: Darum platzte ein Wechsel zu Tottenham

Besonders an einen Austausch mit dem damaligen Bayern-Manager denkt Tim Borowski noch jetzt beeindruckt zurück – jener, der schließlich seine Rückkehr zu Werder Bremen einleitete. „Ich habe ihn abends um halb 10 angerufen. Da hat er gesagt: ‚Mensch Tim, alles kein Problem. Du weißt, wo ich wohne. Dann komm vorbei.‘“ Eine rund 45-minütige Autofahrt später saß der Mittelfeldakteur schließlich bei seinem Vorgesetzten im Haus. „Wir haben uns bis 1 oder 2 Uhr nachts unterhalten.“

Laut Borowski habe Hoeneß schließlich einen Wechsel in die Premier League zu Tottenham Hotspur vorgeschlagen, 15 Millionen Euro Ablöse hätte der Deal wohl bringen können. „Ich habe ihm aber ganz klar vermittelt, dass ich nur zu Werder Bremen zurück möchte, weil es eine sportliche, aber vielmehr eine familiäre Entscheidung war. Und das hat er mir ermöglicht.“ So folgten noch 41 weitere Partien für Grün-Weiß, ehe Borowskis Karriere schließlich 2012 nach insgesamt 294 Pflichtspielen für Werder endete. Auch weil Johan Micoud ihn einst so sehr beeindruckt hat. (mbü)

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