Tim Steidten hat sein halbes Leben beim SV Werder Bremen verbracht, im Sommer 2019 heuerte er als Leiter der Scouting-Abteilung bei Bayer Leverkusen an.
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Tim Steidten hat sein halbes Leben beim SV Werder Bremen verbracht, im Sommer 2019 heuerte er als Leiter der Scouting-Abteilung bei Bayer Leverkusen an.

Vor Werder-Spiel gegen Bayer 04

Kaderplaner Tim Steidten: Transfers für Bayer Leverkusen, aber im Herzen bei Werder Bremen

Bremen – Ins Weserstadion ist Tim Steidten schon ziemlich oft gefahren. Schließlich hat der 42-Jährige sein halbes Leben beim SV Werder Bremen verbracht. Doch diese Anfahrt am Samstag zum Bundesliga-Spiel gegen Bayer Leverkusen wird eine ziemlich spezielle sein.

Denn der Kaderplaner kommt nach seinem Wechsel zum Werksclub nicht nur als Gast, sondern gemeinsam im Auto mit der Sicherheitsbeauftragten des SV Werder Bremen: Kirsten König ist Steidtens Lebensgefährtin, sie wohnen in Bremen-Borgfeld.

Die Verbindung zu den Grün-Weißen könnte also kaum enger sein – allerdings betrifft das nur die emotionale Ebene. Rational betrachtet ist das nicht mehr so. Die Wege von Tim Steidten und Werder Bremen trennten sich vor zwei Jahren. Und es stellt sich – gerade jetzt in der erneuten Bremer Krise – die Frage: Was wäre passiert, wenn es nicht so gekommen wäre? Würde die aktuelle Mannschaft durch andere, von Steidten eingefädelte Transfers wettbewerbsfähiger sein? Immerhin genoss Steidten als Kaderplaner einen sehr guten Ruf, weshalb ihn auch Topclub Bayer Leverkusen im Sommer 2019 abwarb – und Werder damit ganz schön überrumpelte. Erst nach einer Probezeit wurde Ex-Profi Clemens Fritz zum Nachfolger bestimmt.

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Kaderplanung und Transfers: Tim Steidten hat sich bei Werder Bremen hochgearbeitet

„Das Transferwesen ist ziemlich komplex, und es steht mir nicht zu, die Arbeit von anderen Clubs zu bewerten – schon gar nicht von Werder“, bittet Steidten im Gespräch mit der DeichStube um Verständnis, dass er die Frage nach dem Was-wäre-wenn nicht beantworten möchte. „Ich kann nur von mir sprechen“, fügt er aber sofort an und erklärt: „Die kreativen Transfers haben mir immer besonders viel Spaß gemacht. Innerhalb der jeweiligen Transferstrategie und des zur Verfügung stehenden Budgets Möglichkeiten zu entdecken, die vielleicht noch nicht jeder auf dem Zettel hat und deren Potenzial auch erst noch ausgeschöpft werden müssen, sind in den meisten Fällen die Verpflichtungen, die einen Mehrwert bringen und einen Verein zukunftsfähig machen.“ Natürlich liege man auch mal daneben, so Steidten: „Aber das ist die große Herausforderung, die man nie alleine angeht, sondern immer im Team. Das war damals bei Frank, Flo, Klaus und mir so und ist jetzt in ähnlicher Konstellation mit Simon, Rudi, Fernando und mir der Fall.“ Gemeint sind bei Leverkusen Boss Fernando Carro, Sport-Geschäftsführer Rudi Völler und Sportdirektor Simon Rolfes sowie bei Werder Sportchef Frank Baumann, Trainer Florian Kohfeldt und Boss Klaus Filbry.

Bei Werder Bremen lief diese Zusammenarbeit ziemlich lange sehr gut. Steidten hatte sich als ehemaliger Jugendspieler in Werders Scoutingbereich von ganz unten (U8) bis zu den Profis hochgearbeitet. Dort profitierte er als Kaderplaner dann von seiner langjährigen Erfahrung und seinem großen Netzwerk. Er war maßgeblich an so guten Transfers wie denen von Serge Gnabry, Thomas Delaney, Jiri Pavlenka, Ludwig Augustinsson oder Davy Klaassen beteiligt. Allerdings hat er auch einen Flop wie Felix Beijmo mitzuverantworten.

Bei Werder Bremen gab es beim Thema Transfers einen Strategiewechsel

2018 gab es dann einen Strategiewechsel bei Werder Bremen: Der Fokus wurde auf erfahrene Bundesliga-Profis gelegt. So kamen Martin Harnik, Yuya Osako und Nuri Sahin. Später folgten auch noch Niclas Füllkrug, Leonardo Bittencourt, Ömer Toprak, Michael Lang, Kevin Vogt und Davie Selke. Da war Tim Steidten dann schon weg. Losgeeist von Bayer Leverkusen. Es ist kein Geheimnis, dass das Verhältnis damals zwischen den Verantwortlichen und dem Kaderplaner längst nicht mehr so vertrauensvoll war. Es gab unterschiedliche Ansichten. Auch darauf mag Steidten nicht eingehen, er hebt lieber die große Chance Bayer Leverkusen hervor – ein Topclub mit einem finanzstarken Unternehmen im Rücken: „Der Wechsel war die absolut richtige Entscheidung für mich.“ Nun hofft er natürlich, dass sich seine Leverkusener erneut für das internationale Geschäft qualifizieren. Der Weg in die Champions League ist als Tabellensechster wohl zu weit, die Europa League aber absolut erreichbar.

Davon kann Werder nur träumen. In Bremen geht es wie im Vorjahr nur ums sportliche Überleben. „Ich war so lange bei Werder, da würde ich lügen, wenn ich dem Spiel am Samstag völlig emotionslos entgegentreten würde. Ich hoffe einfach, dass Werder nach unserem Spiel die nötigen Punkte einfährt und so beide Teams am Ende der Saison ihre jeweiligen Ziele erreichen“, gibt sich Tim Steidten diplomatisch, macht Werder Bremen aber noch Mut: „Ich bin überzeugt davon, dass Werder den Klassenerhalt schafft. Die Mannschaft hat viele stabile Charaktere, ich denke da vor allem an Niklas Moisander, Jiri Pavlenka, Theodor Gebre Selassie, Ludwig Augustinsson und Maximilian Eggestein, die ich noch gut kenne.“

Wechsel zurück? Kaderplaner Tim Steidten schließt Rückkehr zu Werder Bremen nicht aus

Auch zu vielen anderen Bremern hat der Kaderplaner noch Kontakt. Nur diese Woche sei es ganz still geworden – wie immer vor direkten Duellen. Wegen der Folgen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Quasi-Quarantäne der Profis kann es auch keine zufälligen Treffen in Bremen geben, wo Steidten immer noch an drei Tagen in der Woche lebt. Ansonsten ist er in seiner Wohnung in Leverkusen, analysiert dort die Partien, die er ohne Corona-Einschränkungen früher persönlich besucht hätte, um neue, interessante Spieler zu finden. Nur bei den Bayer-Spielen darf er mit ins Stadion – wie auch am Samstag.

Es ist eine Rückkehr auf Zeit ins Weserstadion, für ein Spiel. Aber was passiert, wenn es bei Werder Bremen im Sommer einen großen Umbruch gibt und Tim Steidten plötzlich ein Thema in Bremen werden sollte? „Im Fußball darf man nie etwas ausschließen. Werder ist mein Heimatverein mit unheimlich vielen, tollen Mitarbeitern, und Bremen ist meine Heimatstadt, insofern habe ich natürlich immer eine sehr besondere Beziehung zu diesem Verein“, gesteht der 42-Jährige, schränkt aber sogleich ein: „Ich fühle mich bei Bayer Leverkusen sehr wohl, und es gibt zur Zeit einfach keinen Anlass dafür, sich mit so etwas zu beschäftigen.“ (kni) Auch interessant: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen live im TV und im Live-Stream.

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