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Die Ex-Stars von Werder Bremen Tim Wiese, Peter Niemeyer, Torsten Frings, Ivan Klasnic und Christian Schulz sprechen über den geplanten Neustart der Bundesliga.

Tim Wiese, Ivan Klasnic, Torsten Frings und Co.

„Am Ende geht es ums Geld“ - wie Ex-Werder-Stars über den Bundesliga-Neustart denken

Bremen – Nun ist er da, der Fall, der nochmal alles verändern könnte. Die drei Coronavirus-Infektionen beim 1. FC Köln nähren die fast schon ausgeräumt geglaubten Zweifel, dass der Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga von Werder Bremen und Co. in Kürze wieder aufgenommen werden kann, darf oder sollte.

Werder-Boss Klaus Filbry betonte am Sonntag im Sport1-Doppelpass, dass die Entscheidung darüber bei der Politik und nicht beim Fußball liege. Die DeichStube hat sich aber auch bei ehemaligen Stars des SV Werder Bremen umgehört, wie sie zu einem Bundesliga-Neustart in zwei oder drei Wochen stehen. Vom grenzenlosen Genervtsein bei Tim Wiese über ein mulmiges Gefühl bei Torsten Frings bis zur großen Vorfreude bei Ivan Klasnic reicht die Palette der Emotionen und Meinungen.

Torsten Frings - spielte elf Jahre für Werder Bremen

„Ich hoffe, dass bald wieder gespielt wird – auch aus Gründen der sportlichen Fairness. Am Ende wollen doch alle ein sportliches Ergebnis und keine Wertung nach einem Saisonabbruch. Ich denke, es tut auch der Bevölkerung gut, wenn der Ball wieder rollt, weil der Fußball Ablenkung vom leidigen Corona-Thema bietet. Aber es ist schon ein bisschen komisch, dass die Spieler in ihrem Trainingsalltag alle möglichen Einschränkungen beachten und befolgen müssen, aber auf dem Platz ist dann alles vergessen. Andererseits ist das ausgearbeitete Hygienekonzept der Liga der einzige Weg, damit überhaupt wieder gespielt werden kann. Anders geht es leider nicht.

Ich finde zudem, dass das Beispiel 1. FC Köln mit den drei identifizierten Corona-Fällen ein gutes Zeichen ist. Jetzt sieht man ja, dass das Konzept der DFL funktioniert und infizierte Spieler erkannt und aus dem Spielbetrieb genommen werden können. Es ist gut für die Clubs, nach den Tests zu wissen, woran sie sind.“

Christian Schulz - spielte von 1995 bis 2007 für Werder Bremen

„Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, im Mai wieder zu starten, und bin froh, dass ich diese schwierige Entscheidung nicht treffen muss. Ich kann die kritischen Stimmen sehr gut nachvollziehen, und der Fußball muss tatsächlich aufpassen, dass er sich nicht überhöht. Auch deswegen hätte mir einen einheitlichen Weg für die europäischen Ligen gewünscht – der ist bekanntlich ausgeblieben, Frankreich und die Niederlande haben den Spielbetrieb endgültig abgebrochen. Ich glaube dennoch, dass es in der Bundesliga auf einen Versuch ankommt.

Bei der DFL sind viele kluge Leute am Werk, die sich intensiv Gedanken gemacht und Konzepte für einen Neustart entwickelt haben. Ich würde dem Ganzen eine Chance geben, zumal der Fußball in der Gesellschaft einen großen Stellenwert hat und vielen Menschen in unsicheren Zeiten Halt geben kann. Wenn sich nach einem Neustart herausstellen sollte, dass unlösbare Probleme auftreten, muss man die Situation eben neu bewerten, die Saison womöglich doch abbrechen und Lösungen finden, damit die kleineren Clubs nicht finanziell über Bord gehen.“

Ivan Klasnic - war sieben Jahr lang bei Werder Bremen unter Vertrag

„Ich kann es kaum erwarten, dass der Ball in der Bundesliga wieder rollt. Es sind im Moment fraglos schwere Zeiten, und der Fußball ist dabei eine willkommene Ablenkung: Endlich hätte das Wochenende wieder Spannung, Tore und Spaß – es wird den Menschen guttun, Sport im TV sehen zu können. Das Gesundheitskonzept liegt vor, die Spieler werden getestet und ich sehe keine zusätzliche Gefährdung für Risikogruppen, zu der ich mit meiner Nierenerkrankung ja auch gehöre. Das normale Leben muss weitergehen. Die Kinder müssen in die Schule, die Erwachsenen müssen zur Arbeit, und für die Profis ist Fußball ein Beruf, nicht nur ein Hobby. Wir müssen zwar alle weiter aufpassen, sorgsam sein und dürfen nicht vergessen, in welcher Situation wir uns befinden – der Bundesliga-Restart spricht aus meiner Sicht aber nicht dagegen.“

Peter Niemeyer - spielte drei Jahre lang für Werder Bremen

„Ich würde mich über einen Restart im Mai freuen! Das Thema ist aber heikel und hat durch die infizierten Profis des 1. FC Köln an Brisanz dazugewonnen. Dennoch bleibt eine Fortsetzung des Spielbetriebes aus finanzieller Sicht alternativlos. Wenn der Restart von den Verantwortlichen mit der notwendigen Weitsicht angegangen wird – und den Eindruck habe ich nach wie vor – und die gesundheitlich-relevanten Voraussetzungen geschaffen sind, kann es wieder losgehen. Für Werder Bremen ist der Restart eine große Chance, den Klassenerhalt noch zu schaffen. Die leeren Stadien, die besondere Vorbereitung – das sind Ausnahmesituationen. Die Mannschaften, die diese Herausforderungen am besten annehmen, werden am Ende erfolgreich sein. Die Karten werden auf jeden Fall neu gemischt.“

Tim Wiese - stand bei Werder Bremen zwischen 2005 und 2012 zwischen den Pfosten

„Mich nervt das Coronavirus-Thema nur noch, und es wird für meinen Geschmack zu viel Panik verbreitet. Wenn die Mannschaften spielen wollen, sollen sie spielen. Wer nicht spielen will, soll es sein lassen! Am Ende geht es aber ums Geld, und deswegen werden die Bundesliga-Clubs weiterspielen müssen, damit der Ofen nicht ausgeht! Ob das richtig oder falsch ist, sollen andere beurteilen. Ich schalte jedenfalls ein, wenn der Ball wieder rollt.“ (tst/csa)

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