Von „Pico“ Schütz bis Florian Kainz: In 108 Bundesliga-Duellen und geschichtsträchtigen Duellen im DFB-Pokal und Uefa-Cup hat das Nordderby große Bremer Gewinner produziert.
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Von „Pico“ Schütz bis Florian Kainz: In 108 Bundesliga-Duellen und geschichtsträchtigen Duellen im DFB-Pokal und Uefa-Cup hat das Nordderby große Bremer Gewinner produziert.

Vor dem Nordderby Werder gegen HSV

Marco Bode, Frank Baumann und Co.: Die Top-Elf des SV Werder der Nordderby-Helden

Bremen - Das Nordderby hat in seiner Historie schon viele Helden geboren – bei Werder Bremen ist es gleich eine ganze Elf.

Die Geschichte der großen Emotionen beginnt am 12. Oktober 1963 – also vor beinahe 58 Jahren. Erstmals stehen sich an diesem Tag die Nordrivalen Werder Bremen und Hamburger SV in der neu gegründeten Bundesliga gegenüber, und Arnold „Pico“ Schütz wird beim Bremer 4:2-Sieg mit drei Toren zum ersten Bremer Derby-Helden.

Wenn sich der Hamburger SV und Werder Bremen am Samstag (20.30 Uhr) zum ersten Nordderby in der 2. Liga (108 in der Bundesliga, sieben im DFB-Pokal und zwei im Uefa-Pokal) treffen, wird möglicherweise wieder ein Held geboren – im HSV- oder im Werder-Trikot. Die Redaktion der DeichStube hat in der Vergangenheit gewühlt und aus den bisherigen Duellen die Elf der glorreichen grün-weißen Derby-Heroen herausgefiltert.

Tim Wiese

Sagen wir es so: Obwohl Tim Wiese schon längst vom Fußballer mit Werder-Herz zur Ich-AG mit Muskeln und Tattoos mutiert ist, lässt sich nicht ausschließen, dass die pure Erwähnung seines Namens unter HSV-Fans immer noch heftige Reaktionen auslöst. Denn Wiese hat den Hamburgern wirklich übel mitgespielt. Der Kung-Fu-Tritt gegen Ivica Olic 2008 gehörte dabei nicht zu den Ruhmestaten, sondern laut Franz Beckenbauer eher in die Kategorie „Mordversuch“.

Doch ein Jahr später wird Wiese zur größten Derby-Figur aller Zeiten. Er hält im Halbfinale des DFB-Pokals drei Elfmeter gegen den HSV, er gewinnt auch das Halbfinale im Uefa-Cup und in der Bundesliga. Der Derby-Wahnsinn mit vier Duellen in 19 Tagen trägt auch und vor allem Wieses Namen. Dass er sich nach einem dieser Spiele zu den Fans des SV Werder Bremen auf den Zaun stellt und „Scheiß HSV“ in ein Megaphon brüllt, macht ihn bei den Bremer Anhängern nicht unbeliebter.

Horst-Dieter Höttges

420 Mal lief er zwischen 1964 und 1978 für Werder Bremen auf – dabei hieß der Gegner 28 Mal Hamburger SV. Kein anderer Bremer bestritt mehr Nordderbys als „Eisenfuß“ Höttges. „Er ging keinem Zweikampf aus dem Weg, kämpfte aber immer mit offenem Visier“, sagte HSV-Ehrenspielführer Uwe Seeler einst über den mittlerweile 78-Jährigen.

Arnold „Pico“ Schütz (†)

Wie Höttges ein Mann der ersten Stunde, was die Nordderbys betrifft – und der Erste, der in der Bundesliga Derby-Geschichte schreibt. Bei der Premiere des Nordduells in der neuen Liga 1963 trifft Werder-Kapitän Schütz zunächst per abgefälschtem Freistoß, dann mit einem Sonntagsschuss aus der Distanz. „Den habe ich erst gesehen, als er schon im Tor war“, sagt HSV-Keeper Horst Schnoor. Bei Tor Nummer drei muss „Pico“ Schütz nur noch den Fuß hinhalten. Der Dreierpack vor 39 000 Zuschauern im Weserstadion ist perfekt und Schütz noch mehr Bremer Liebling als zuvor schon.

Clemens Fritz

Der Bremer „Gelbkönig“ in der Derby-Statistik. Sechsmal wird Clemens Fritz in Duellen mit dem HSV verwarnt – kein Bremer liegt so oft im Clinch mit Hamburgern und dem Schiedsrichter wie er. Zweimal fliegt Fritz sogar mit Gelb-Rot vom Platz – es lässt sich folglich sagen, dass der langjährige Werder-Kapitän in den Derbys immer mit vollem Einsatz zu Werke gegangen ist.

Christian Schulz

Nicht, dass er sich in einer Partie gegen den HSV besonders hervorgetan hätte, aber wenn Schulz gegen den großen Rivalen auf dem Platz stand, ging es fast immer gut aus für Werder Bremen. Nur eine Niederlage kassierte er im Werder-Trikot gegen die Hamburger – bei vier Siegen (einen im Ligapokal) und zwei Unentschieden.

Frank Baumann

Schon komisch: Da spielt einer 20 Mal gegen den HSV, und schließlich ist es eine Papierkugel, die ihm auf ewig einen Platz in den Geschichtsbüchern beschert. Denn Frank Baumann ist es, der 2009 im Rückspiel des Uefa-Pokal-Halbfinales nach dem von einer Papierkugel verursachten Eckball zum 3:1 für Werder Bremen trifft. Am Ende gewinnen die Bremer 3:2 und ziehen trotz der 0:1-Niederlage im Heimspiel ins Finale ein. Dass das Papierknäuel ihm und seinem Team dabei maßgeblich geholfen hat, erfährt Baumann erst aus dem Fernsehen: „Ich dachte im ersten Moment, dass es eine Unebenheit im Rasen war.“

Florian Kainz

Der Frischling im Team der Helden! Als Joker kommt Kainz im Nordderby am 16. April 2017 auf den Platz, erzielt zwölf Minuten später das Tor zum Bremer 2:1-Sieg und ist anschließend völlig beeindruckt: „Ich habe noch nie vor so vielen Leuten ein Derby gespielt. Und ein Tor ist mir in einem Derby auch noch nicht gelungen.“

Andreas Herzog

5:0 gewinnt Werder Bremen am 29. Mai 1993 im Weserstadion gegen den HSV – höher haben die Bremer bis dahin noch nie in der Bundesliga gegen den Nachbarn gewonnen. Bemerkenswert an der Partie ist aber auch, dass die Bremer durch den Sieg am vorletzten Spieltag die Tabellenspitze übernehmen – weil sie um ein Tor an den punktgleichen Bayern vorbeiziehen. Und den Sturm auf Platz eins hat Werder zu großen Teilen Andreas Herzog zu verdanken. Er bereitet ein Tor vor, erzielt zwei selbst – auch das 5:0, das Platz eins bringt. Eine Woche später holen die Bremer dann den Titel.

Marco Bode

Mit 27 Derby-Einsätzen verpasst er den Höttges-Rekord nun knapp. Das Spiel, das am meisten in Erinnerung bleibt, ist das 4:0 am siebten Spieltag der Saison 01/02. Es ist bis heute der höchste Auswärtssieg der Bremer in Hamburg, und Marco Bode ist mit einem Treffer und zwei Vorlagen der Hauptdarsteller. Was da noch niemand weiß: Es ist Bodes Abschiedsvorstellung in Hamburg. Nach der WM 2002 beendet er seine Karriere.

Frank Neubarth

„Mister Europacup“ wird er genannt. „Mister Nordderby“ wäre aber ebenso passend. Denn so oft wie Neubarth hat kein anderer Werder-Profi gegen den HSV gewonnen, wie die Kollegen von Fussballdaten.de für uns aus ihrer Datenbank ausgelesen haben. Zwölf Siege hat der Torjäger in Nordderbys eingefahren – und das als gebürtiger Hamburger gegen die Hamburger. Aus diesem Stoff sind Derby-Märchen gemacht!

Claudio Pizarro

34 Spiele gegen den HSV, 19 Siege, 21 Tore – was für eine Bilanz! Allerdings vollbrachte er nur einen Teil dieser Großtaten im Werder-Dress. Da sind es „nur“ sechs Tore plus ein verwandelter Versuch im Elfmeterschießen des DFB-Pokal-Halbfinales 2009. Doch es gilt: Nur „Pico“ Schütz (sieben Tore) war als Bremer gegen den HSV noch erfolgreicher als Claudio Pizarro. Einmal erledigte der Peruaner den HSV im Alleingang, als er beim 2:0 im September 2011 beide Tore erzielte.

Werder Bremen gegen den HSV: Die Werder-Top-Elf der bisherigen Nordderbys.

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