Werder Bremen um Trainer Ole Werner hat zuletzt einige Punkte liegengelassen, den Aufstieg haben die Grün-Weißen aber weiter in der eigenen Hand.
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Werder Bremen um Trainer Ole Werner hat zuletzt einige Punkte liegengelassen, den Aufstieg haben die Grün-Weißen aber weiter in der eigenen Hand.

Nach Werders 1:1 auf St. Pauli

Gerechnet wird später: Werder Bremen auf Tor- und Punkte-Diät, im Aufstiegsrennen aber immer noch voll dabei

Hamburg – Da waren es nur noch fünf. Eine Handvoll Partien, die über das sportliche Schicksal des SV Werder Bremen in diesem Jahr entscheiden. Wer als Zuschauer bereits während der jüngsten Prüfung beim FC St. Pauli (1:1) an der Grenze der eigenen Leidensfähigkeit gewesen ist, dürfte mit Grauen auf die kommenden Wochen blicken.

Oder mit purer Lust, denn dieser Nervenkitzel, dieser wöchentliche Sprung ins Ungewisse ist es doch, der den Reiz ausmacht. Da darf der Puls dann ruhig auch mal in gesundheitsgefährdende Höhen schnellen. So sehr die mitreißende Spannung der 1. Bundesliga abhandengekommen sein mag, eine Etage tiefer treibt sie es auf die Spitze. Und Werder Bremen ist mittendrin im Geschehen, in einer sehr guten Ausgangsposition für den Aufstieg sogar. Selbst wenn die Zähler nicht mehr so üppig aufs Konto wandern wie noch vor einiger Zeit.

Werder Bremen könnte in der Tabelle schon besser dastehen, aber Wehklagen verbietet sich

„Klar hätten wir mehr Punkte holen können“, weiß auch Trainer Ole Werner, „aber man muss auch mal den ganzen Kontext sehen: Wenn man die letzten drei Spiele nimmt, wo uns mehr oder weniger vier bis fünf Spieler aus der vermeintlichen Startelf gefehlt haben, dann sind fünf Punkte nicht optimal, aber auch keine Katastrophe.“ Zumal sich die Ausbeute nur bedingt gerächt hat. Ja, Werder Bremen hätte längst komfortabler in der Tabelle dastehen können – aber als Tabellenzweiter hinter dem punktgleichen FC Schalke 04 verbietet sich im Grunde jegliches Wehklagen. „Wir haben weiterhin alles selbst in der Hand und müssen nicht darauf schauen, wie der eine oder andere spielt“, sagte etwa Leonardo Bittencourt. Und Werders Chefcoach betonte: „Ich glaube, dass uns dieser Punkt hier mehr hilft als St. Pauli.“

Die Hamburger sind nämlich Dritter. Sie müssen erst einmal irgendwie an den beiden Führenden vorbei, bekommen aber selbst Druck vom SV Darmstadt 98, der als Vierter nach einer Niederlage gegen Nürnberg seinerseits vom „Club“ gejagt wird. Der Tabellenfünfte aus dem Frankenland ist nun der nächste Gegner des SV Werder Bremen am kommenden Sonntag (13.30 Uhr). Es dürften keine allzu großen prophetischen Kräfte vonnöten sein, um vorherzusagen, dass dem Weserstadion dann mal wieder eine ganz besonders berauschende Atmosphäre blüht. Auf dem Rasen und auf den Tribünen. Und eine Woche später auf Schalke erst, wenn die Bremer der nächste heiße Tanz erwartet. „Ich freue mich darauf. Das sind die Spiele, zu denen die Fans gerne ins Stadion kommen, die immer ausverkauft sein werden“, frohlockte Niclas Füllkrug.

Werder Bremen: Dauer-Stresstest bis Saisonende - Ole Werner: „Gucke nicht, rechne nicht, lese nichts“

Der Stürmer des SV Werder Bremen war es, der am Millerntor nach 58 Minuten den Führungstreffer der St. Paulianer von Daniel-Kofi Kyereh (43.) egalisiert hatte. Und der ebenso wie Marvin Ducksch oder Ilia Gruev für den Siegtreffer hätte sorgen können. Tat er aber nicht. Weil Werders Chancenverwertung zum wiederholten Male nicht optimal war und ein einziger Treffer nicht genügte, da die Bremer – ebenfalls zum wiederholten Male – erst einen Rückstand wettmachen mussten. Mit ein wenig mehr Konstanz in diesen beiden Disziplinen würden die Grün-Weißen und ihre Anhänger vermutlich entspannter dem Saisonende entgegenwandern. So aber bleibt es ein als Marathon verkleideter Dauer-Stresstest für alle Beteiligten.

Ole Werner versucht die Herzfrequenz weiterhin niedrig zu halten, indem er nach dem Schlusspfiff zwar kurz den aktuellen Ist-Zustand registriert, sich davon aber auch nicht länger als nötig beeindrucken lässt. Stattdessen geht es direkt wieder rein in den Tunnel. „Ich gucke nicht, ich rechne nicht, ich lese nichts“, machte der 33-Jährige deutlich. „Ich konzentriere mich auf meinen Job und die Dinge, die ich beeinflussen kann.“ Da können Tabelle und Spielplan noch so sehr zum Schwadronieren und Orakeln einladen, die Scheuklappen werden frühestens in zwei Wochen für den Blick nach links und rechts abgenommen. „Nach dem Schalke-Spiel kommen Spieltage, wo sich Dinge entscheiden können, auch rechnerisch entscheiden können“, meinte Werner.

Werder Bremen will sich in den Topspiel-Wochen nicht auf Rechenspiele um den Aufstieg einlassen

So eng wie es derzeit in der Spitzengruppe zugeht, dürfte aber auch nach Werder Bremens Topspielen zwei und drei noch keine Zeit zum Durchatmen sein. In Holstein Kiel, Erzgebirge Aue und Jahn Regensberg kommen die drei letzten Gegner der Saison zwar alle aus anderen Regionen des Klassements, doch gerade „diese Spiele gegen Mannschaften, die in der Tabelle nicht oben dabei sind“, könnten entscheidend sein, mahnte der Bremer Trainer. „Wer da keine Federn lässt, kann sich vielleicht auch durchsetzen.“ Niclas Füllkrug will trotzdem lieber sofort in Vorleistung gehen: „Wir haben wieder nicht verloren. Jetzt müssen wir diese Spiele gewinnen, damit die Punkte, die wir in den letzten Wochen geholt haben, auch etwas wert sind“, erklärte er mit Blick auf die Topduelle gegen Nürnberg und Schalke.

Vielleicht hören die Rechenspiele dann ja doch etwas früher auf – wobei Ole Werner da schon aus einem anderen Grund nicht mitmacht: „Ich bin nicht gut in Mathe, ich hatte da nur einen Punkt“, gestand er lächelnd und schob hinterher: „Manchmal.“ In der Schule reicht das selten zur Versetzung. Doch jetzt will Werder Bremen nach oben. Unbedingt. Fünf Wochen hat Werner noch, um dafür zu sorgen, dass seine Mannschaft wieder ausgiebiger punktet als er selbst einst im Mathe-Unterricht. Wäre vielleicht auch ganz gut für die Gesundheit des einen oder anderen Fans. (mbü)

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