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Sofa, Trainer, Weserstadion – Alexander Nouri hat der spezielle Rahmen des Interviews gefallen.

Coach auf der Couch – das Interview

Nouri: „Es fühlt sich auf jeden Fall gut an“

Bremen - Das Ambiente war – sagen wir es ruhig – einzigartig! Ein Sofa am Weserdeich, extra herangeschafft für Alexander Nouri.

Die DeichStube hat den Trainer des SV Werder Bremen am Ende der Saisonvorbereitung und wenige Tage vor dem DFB-Pokalspiel gegen die Würzburger Kickers zum Interview geladen. Oder anders: Coach trifft auf Couch. Das Gespräch drehte sich natürlich um Werder, um die Torwart-Thematik, um die Defensive, um Nouris Part bei schwierigen Entscheidungen und um nicht vorhandene Eitelkeiten. Aber auch um lädierte Sprunggelenke und einen Grill mit Selbstreinigungsfunktion.

Herr Nouri, wie gefällt es Ihnen auf dem Sofa der DeichStube hier am Fuße des Weserstadions?

Alexander Nouri: Sehr gut. Hier am Stadion fühle ich mich sehr heimisch. Ich habe als Jugendspieler in der Ostkurve gewohnt – und war auch mal abends hier draußen. Und natürlich bin ich hier oft gelaufen.

Machen Sie das immer noch?

Nouri: Ich versuche, zweimal in der Woche zu joggen. Ich nenne das Gesundheitssport (lacht).

Können Sie dann abschalten oder wird beim Laufen gegrübelt und getüftelt?

Nouri: Mir geht es darum, einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Das tut mir gut. Ich laufe gerne. Leider habe ich noch das eine oder andere Zipperlein aus meiner aktiven Zeit.

Was schmerzt noch von damals?

Nouri: Die Sprunggelenke sind schon sehr lädiert.

Sie haben früher auch in Traditionsmannschaften gespielt, geht das überhaupt noch?

Nouri: Das würde ich schon gerne mal wieder machen. Aber jetzt ist es zeitlich schwierig. Und wenn ich spielen würde, müsste ich danach erst mal ein paar Tage die Füße hochlegen, dann wäre der Knöchel wieder ziemlich dick.

Wenn Sie daheim auf dem Sofa sitzen, schlagen Sie dann den Laptop auf, um weiterzuarbeiten?

Nouri: Nein. Das versuche ich zu vermeiden. Ich arbeite die Dinge lieber im Stadion ab. Zu Hause wollen die Kinder zu ihrem Recht kommen, das ist auch vollkommen in Ordnung. Wir machen dann ganz normale Dinge – spielen, Gartenarbeit, grillen.

Sind Sie eher der extreme Weber-Grill-Typ oder noch der klassische Grillmeister?

Nouri: Ich habe tatsächlich auch schon so einen speziellen Gasgrill – mit selbstreinigender Funktion (lacht). Verrückte Sachen mache ich damit aber nicht. Ich habe da einen Bekannten, von dem weiß ich schon, was mit diesem Grill alles möglich wäre. Aber ich muss mich damit nicht stundenlang beschäftigen.

Sie zählen zur Generation Laptoptrainer – sind Sie wirklich einer?

Nouri: Keine Ahnung, ich glaube ohnehin, dass es jetzt schon Richtung Ipad-Trainer geht (lacht). Aber mal ernsthaft: Man muss da einfach auch die Balance finden. Es gibt so viele Informationen, die man den Spielern zukommen lassen könnte. Aber was stellt wirklich einen Mehrwert dar, was bleibt beim Spieler hängen? Da muss man sich herantasten. Viel ist nicht immer richtig.

Ein Deich-Gespräch mit Alexander Nouri

Sie verstehen sich gut mit Julian Nagelsmann. Der Hoffenheim-Coach hat für sich und sein Team 31 Regeln aufgestellt, von denen er nur wenige verraten hat. Haben Sie so etwas auch?

Nouri: Keine Regeln. Wir haben aber ganz klar unsere Prinzipien definiert.

Worum geht es dabei?

Nouri: Um unsere Verhaltensweisen auf dem Platz, mit und ohne Ball in der Defensive und in der Offensive. Jeder weiß, was er wann tun muss. Da hilft uns dieser Prinzipienkatalog. Nach dem gestalten wir auch unsere Trainingsarbeit. 

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Nouri: Nein, das möchte ich nicht. Aber das ist auch kein Hexenwerk.

Warum haben Sie in den Testspielen so sehr den Fokus auf die Dreierkette gelegt?

Nouri: Weil sich die Spieler in der Struktur und in der Grundordnung sehr gut zurechtfinden. Wir haben uns da eine gewisse Stabilität erarbeitet, mit der sich die Spieler wohlfühlen.

Nehmen Sie es da in Kauf, weniger flexibel zu sein?

Nouri: Wir haben auch sehr oft die Viererkette trainiert und genau darauf geachtet, dass wir in beiden Grundordnungen – also Dreierkette und Viererkette – die Abläufe genau definieren. In der vergangenen Saison haben wir häufiger im Spiel umgestellt.

Das hat gut funktioniert. Wir sind also variabel.

Ist die Mannschaft in der Defensive auch schon so stabil, wie Sie sich das wünschen?

Nouri: Gegen ein starkes Valencia haben wir aus dem Spiel heraus kaum etwas zugelassen. Das war schon richtig gut. Und wir hatten viele gute Situationen, um Tore erzielen zu können. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Zu einer stabilen Defensive gehört auch ein stabiler Torwart. Jiri Pavlenka sah gegen Valencia nicht so gut aus. Wie bewerten Sie die Lage im Werder-Tor?

Nouri: Es geht doch nur um eine Situation im Spiel – den Freistoß. Der war gut geschossen, aber an einem richtig guten Tag hält Jiri ihn vielleicht. Ansonsten hat Jiri einen stabilen Eindruck hinterlassen. Wir sind von ihm hundertprozentig überzeugt.

Alle fragen sich: Ist Pavlenka wirklich besser als Felix Wiedwald, der zu Leeds United gewechselt ist?

Nouri: Das wird die Saison zeigen. 

Müssten Sie nicht ganz klar mit Ja antworten, schließlich haben Sie Pavlenka geholt?

Nouri: Natürlich bin ich davon überzeugt, dass Jiri eine gute Saison für uns spielen wird. Was die Bundesliga betrifft, müssen wir natürlich etwas Geduld mit ihm haben. Aber Jiri macht im Spiel und Training einen sehr guten Eindruck, deswegen sind wir sehr optimistisch.

Neben Wiedwald ist auch Claudio Pizarro nicht mehr da. Wie schwierig war es, sich gegen ein weiteres Jahr mit der Stürmerlegende zu entscheiden?

Nouri: Claudio ist eine große Persönlichkeit, ein fantastischer Spieler. Wir haben alle mit offenen Karten gespielt. Am Ende war es eine gemeinsame Entscheidung, auch, wenn es gerne anders geschrieben und allein mir zugeordnet wird.

Es war in jedem Fall keine populäre Entscheidung, genauso wie im Fall Wiedwald und im Fall Ihres Co-Trainers Florian Bruns. Waren Sie überrascht, wie groß der öffentliche Wirbel danach war?

Nouri: Vielleicht waren es Entscheidungen, die nach außen hin nicht so verständlich waren. Aber für uns steht immer die Sache im Vordergrund, der Erfolg des Teams und des Vereins. Wir sind in der Diskussion gemeinsam zu diesen Ergebnissen gekommen. Ich stehe da nie und sage, ich will das so und so, ohne es zu begründen. Es gibt klare Argumente, die werden ausgetauscht, dann wird entschieden.

Ist die eigene Überzeugung wichtiger, als die heile Werder-Welt zu bewahren?

Nouri: Wenn alle dieser Überzeugung sind, dann ist es der richtige Weg. Es geht nicht um persönliche Eitelkeiten oder den eigenen Vorteil. Wir wollen die Sache voranbringen – und zwar für den Verein.

Bei der Trennung von Ihrem Co-Trainer Bruns war die Rede von persönlichen Eitelkeiten. Sie sollen neidisch darauf gewesen sein, dass er in der Mannschaft so beliebt war. Richtig oder falsch?

Nouri: Ich habe großen Respekt vor dem Weg, den wir gemeinsam gegangen sind. Für mich gibt es da keine persönlichen Eitelkeiten.

Müssen Sie mit einem Co-Trainer weniger nun mehr arbeiten?

Nouri: Ich arbeite sehr, sehr gerne. Mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen, macht mir am meisten Spaß. Ich sehe da keinen Mehraufwand.

Andere Trainer stocken Ihren Trainerstab im Gegensatz zu Ihnen auf.

Nouri: Markus Feldhoff arbeitet auch gerne so viel wie ich. Diese Konstellation passt einfach. Außerdem haben wir unseren Athletiktrainer Günther Stoxreiter und unseren Videoanalysten Mario Baric noch enger an das Trainerteam herangeholt.

Es war die erste Sommer-Vorbereitung, die Sie bei den Profis selbst gestalten konnten. Geht es jetzt richtig los mit dem Chefcoach Alexander Nouri?

Nouri: Das mit dem Gestalten stimmt. Ich habe jetzt auch ein bisschen mehr Routine. Es fühlt sich auf jeden Fall gut an.

Am Samstag geht es los: Ist die Mannschaft bereit für das Pokalspiel gegen Würzburg?

Nouri: Im Pokal ist es das klare Ziel, weiterzukommen. Dann kommt der Bundesligastart, den viele ja als besonders schwierig bezeichnen. Aber wir nehmen es, wie es kommt. Wir werden mutig, selbstbewusst und ambitioniert in die Saison starten.

Wie lautet das Saisonziel?

Nouri: Einen konkreten Platz zu nennen, halte ich für schwierig. Auch, wenn es viele nicht gerne hören: Aber wir sollten unseren Weg weitergehen. Die Basis mit vielen guten Dingen konnten wir aus der Rückrunde mit in die Vorbereitung nehmen. Und da konnten wir an vielen Details arbeiten. Das Ziel muss sein, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen. Man darf dabei nicht außer Acht lassen: Viele Mannschaften, die hinter uns standen (Schalke, Leverkusen, Wolfsburg, Gladbach), verfügen über ganz andere finanzielle Möglichkeiten als wir.

Wollen Sie damit die Euphorie in der Stadt bremsen?

Nouri: Nein, das ist nur ehrlich und realistisch.

Ist also nach Platz acht in der Vorsaison der erhoffte Schritt nach vorne gar nicht möglich?

Nouri: Doch, man muss einfach daran glauben. Man muss bereit sein, als Mannschaft noch mehr zu investieren. Wir müssen diesen Spirit der Rückrunde weiter leben – und diese Extra-Meter einfach machen.

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