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Emotionen gehören für Florian Kohfeldt, Trainer des SV Werder Bremen, an der Seitenlinie einfach dazu. Das wird sich auch bei Geisterspielen nicht ändern.

Werder-Trainer über Körperkontakt und Lautstärke

Coaching in Corona-Zeiten: Wie Werder-Trainer Kohfeldt sich ändern muss

Während des Spiels meckern und brüllen, danach die Spieler aber auch mal in den Arm nehmen: So tritt Florian Kohfeldt als Trainer des SV Werder Bremen auf. Emotional, manchmal brachial, aber menschlich und nahbar. In der Coronavirus-Krise ist nicht mehr alles ohne Weiteres möglich.

„Körperliche Nähe ist schon Teil des Coachings bei mir“, sagt Florian Kohfeldt und steht damit vor einem kleinen Problem. „Wir sind klar dazu angehalten, allen unnötigen Körperkontakt zu vermeiden. Deswegen denke ich schon deutlich mehr darüber nach, ob ich auf dem Platz mal zu einem Spieler hingehe und ihm die Hand auf die Schulter lege oder nicht.“

Werder Bremen: Weniger Körperkontakt von Trainer Florian Kohfeldt

Der Trainer des SV Werder Bremen betont, er nehme das Coronavirus ernst, achte die Entscheidungen der Politik. Der 37-Jährige wird sich also umstellen müssen. Körperkontakt könne und wolle er aber „nicht komplett ausschließen“.

Kohfeldt gehört zu den emotionalsten und lautesten Trainern der Bundesliga, und sein Coaching an der Seitenlinie will er nicht großartig verändern. „Natürlich werden wir auf den Trainerbänken Abstandsregeln einhalten, aber ich werde genauso engagiert coachen, wie ich es sonst tue. Immer unter dem Aspekt: Was hilft der Mannschaft?“ Normalerweise müssen alle Personen auf der Ersatzbank Masken tragen, Trainer dürfen sie zum Rufen von Anweisungen immerhin abnehmen, heißt es im „Organisationsrundschreiben Sonderspielbetrieb“.

Werder Bremen: Zuschauer werden Florian Kohfeldt besser hören können

Gut für Kohfeldt. Er wird also weiter toben und taktieren, maulen und motzen – wenn es nötig ist. Trotz Geisterkulisse würden die Spieler die Anweisungen allerdings vermutlich nicht besser verstehen können als bisher. „Es ist eine Illusion, dass ich alle Spieler im leeren Stadion akustisch erreiche“, erklärt Kohfeldt. „Da es im Stadion schallt, hört man auf der anderen Seite zwar, dass ich rufe, aber nicht was ich rufe. Keine Chance.“

Umso klarer werden dafür die Mikrofone ihn, seine Kollegen und die Spieler auf dem Rasen einfangen, die Zuschauer am Fernseher werden bedeutend mehr verstehen als sonst. Sorgen macht sich Kohfeldt deswegen zwar nur am Rande, er bittet aber schon vorsorglich um Verständnis. „Der eine oder andere Kollege wird demnächst vermutlich häufiger mit Aussagen vom Spielfeldrand in der Zeitung stehen. Da appelliere ich an die Fairness aller Beteiligten.“

Werder Bremen - Florian Kohfeldts Bitte: „Nicht alles auf die Goldwaage legen“

Kohfeldts Plädoyer: „Bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Ich erwarte, dass alles im Rahmen der Fairness bleibt und eine erhöhte Disziplin da ist, aber es muss auch erlaubt sein, dass man mal einen Satz sagt, der ansonsten nicht druckreif in der Zeitung steht.“

Ehrliche Emotionen gehören für Florian Kohfeldt zum Spiel dazu, und nach den Fans dürfe man die dem Fußball nicht auch noch nehmen: „Bei allen Vorkehrungen, die wir haben, wäre es der größte Fehler, den wir machen könnten“, sagt der Trainer von Werder Bremen, der sich grundsätzlich auf den Bundesliga-Restart freut. „Wenn wir spielen, haben wir alle Vorgaben eingehalten. Aber in dem Moment, wenn wir spielen, müssen wir es auch dürfen. Sonst macht es wenig Sinn.“ (han)

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