Florian Kohfeldt, Trainer des SV Werder Bremen, macht eine Zeigebewegung mit dem rechten Arm und gibt Anweisungen im Spiel gegen Eintracht Frankfurt
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Florian Kohfeldt, Trainer des SV Werder Bremen, fordert nach drei Unentschieden in Serie jetzt mal wieder einen Sieg.

Nach Remis gegen Eintracht Frankfurt

1:1-Hattrick – aber jetzt fordert Coach Florian Kohfeldt wieder einen Werder-Sieg

Der SV Werder Bremen holt gegen Eintracht Frankfurt das dritte 1:1-Unentschieden in Folge. Jetzt fordert Coach Florian Kohfeldt mal wieder einen Sieg. Der Nachbericht der DeichStube*.

Frankfurt/Bremen – Es war nur ein Siegerfäustchen, das Florian Kohfeldt ballte. Und auch nur ein Jubelsprüngchen, das der Trainer des SV Werder Bremen nach dem 1:1 (0:0) bei Eintracht Frankfurt zeigte. Aber es waren durchaus angemessene Reaktionen nach einem Spiel, das zwar Zufriedenheit im Bremer Lager produziert hatte, aber eben nur in einer abgeschwächten Verniedlichungsform. „Ich bin mit einem Punkt auswärts und gegen diesen Gegner sehr einverstanden“, sagte Kohfeldt einerseits. Andererseits war es bereits das dritte 1:1 in Folge für Werder, also der dritte Teilerfolg. Um sich aber sicher von der unteren Tabellenregion fernzuhalten, braucht es auch mal wieder Siege. Einen solchen fordert Kohfeldt für Freitag, wenn der 1. FC Köln ins Bremer Weserstadion kommt.

Werder Bremen legte auch vergangene Saison eine Unentschieden-Serie hin

„Es wäre schon ganz gut, das Heimspiel zu gewinnen, damit wir danach beruhigt in die Länderspielpause gehen können“, sagt der Coach. Was er nicht sagte, war, dass er dabei möglicherweise an die vergangene Saison dachte. Werder Bremen legte auch damals nach Abschluss der Startphase eine Unentschieden-Serie hin – vom sechsten bis zum zehnten Spieltag waren es gar fünf Remis am Stück. Denen dummerweise dann aber unmittelbar kein Sieg folgte, sondern eine Phase mit sechs Pleiten in den sieben Partien bis zur Winterpause. Und zack: Werder steckte unten drin.

Die Erfahrung zeigt also, dass drei 1:1 in Folge (Freiburg, Hoffenheim, Frankfurt) nichts sind, wenn danach nichts folgt. Florian Kohfeldt sagt, „dass wir wachsam und scharf bleiben müssen. Es gibt bei mir aber keinen Anflug von Unzufriedenheit wegen der Unentschieden, weil das Gefühl auch ein ganz anderes ist als im letzten Jahr.“ Damals trainierte er eine Mannschaft, die wegen der Verletzungsseuche im Zerfall begriffen war, jetzt läuft der Neuaufbau eines jungen Teams. Bis hierhin verläuft er sogar vielversprechend. Wenn auch mit Mitteln, die so nicht unbedingt zu erwarten waren.

Werder Bremen ohne Ballbesitzfußball: Junge Mannschaft muss System lernen

„Safety first“ – diese Devise gilt bei Werder Bremen seit Saisonbeginn. Dass Kohfeldt dafür aber tiefe innere Überzeugungen opfert, wurde noch nie so deutlich wie gegen Eintracht Frankfurt. Vom obersten kohfeldtschen Gebot des Ballbesitzfußballs war nichts mehr zu sehen, am Ende hatte Frankfurt in diesem Bereich mit 72 Prozent ein klares Plus. Na und, entgegnet der Werder-Trainer: „Es war unser Plan, dem Gegner etwas mehr den Ball zu geben – auch wenn das vielleicht untypisch für uns ist. Aber es hat gut funktioniert.“

Werder war sogar dem Sieg nahe, als Tahith Chong nach Josh Sargents 1:0 (51.) das 2:0 auf dem Fuß hatte. Er vergab, und auf der anderen Seite ermöglichte ein Patzer von Jean-Manuel Mbom den Ausgleich durch Andre Silva (65.). Dass die drei Bremer Protagonisten der drei entscheidenden Szenen erst 20 Jahre alt sind, zeigt, woran Kohfeldt derzeit arbeitet: Er muss einem jungen Team das System an die Hand geben, mit dem es erfolgreich sein kann. Denn es gehöre „zu den Aufgaben eines Trainers, realistisch einzuschätzen, was eine Mannschaft in der Lage ist zu leisten“, erklärt der 38-Jährige.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt bleibt bei Fußballphilosophie - aber Mannschaft ist noch nicht soweit

In der vergangenen Saison war die gelebte Praxis noch lange eine andere gewesen und Florian Kohfeldt war mehr vom Idealismus als vom Pragmatismus geleitet gewesen. Sich jetzt an den Notwendigkeiten zu orientieren, „fällt mir nicht schwer“, behauptet der Coach. Zumal es für ihn nicht heiße, das persönliche fußballerische Glaubensbekenntnis neu schreiben zu müssen. „Niemand soll glauben, dass ich meine Spielphilosophie auch nur ein My geändert habe. Aber es wäre falsch von mir, der Mannschaft zu schnell etwas aufzuzwingen, wo sie noch nicht ist“, meint der Fußballlehrer: „Das Ziel bleibt aber das gleiche: Ich möchte auch mit dieser Mannschaft irgendwann in Frankfurt 70 Prozent Ballbesitz und Torchance um Torchance haben.“

Allerdings liegt das noch in ferner Zukunft, die Gegenwart verlangt ein anderes Vorgehen. Und Kohfeldt wird es durchziehen in Spielen, in denen er es für richtig hält: „Gegen Frankfurt, ein Team, das um die europäischen Plätze spielt, zu sagen, wir stellen uns tiefer auf, ist überhaupt nicht gegen meine Philosophie. Das ist einfach nur clever.“ Am Freitag gegen den noch sieglosen 1. FC Köln wird aber beim SV Werder Bremen wieder anderer Fußball gefragt sein, um zum geforderten ersten Sieg nach dem 1:1-Hattrick zu kommen. (csa)

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