Markus Anfang, hier beim Jubel mit seinem Co-Trainer Florian Reis, steht für einen sehr offensiven Fußball. Das erhoffen sich auch die Verantwortlichen des SV Werder Bremen von ihm.
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Markus Anfang, hier beim Jubel mit seinem Co-Trainer Florian Reis, steht für einen sehr offensiven Fußball. Das erhoffen sich auch die Verantwortlichen des SV Werder Bremen von ihm.

Rückkehr des Bremer Offensivfußballs?

Der neue Werder-Trainer steht für Spektakel: So will Markus Anfang Fußball spielen

Bremen – Sein Ziel ist klar: Neu-Trainer Markus Anfang möchte Werder Bremen möglichst schnell in die Bundesliga zurückführen, um damit auch seinen persönlichen (und bisher unerfüllten) Traum vom Fußball-Oberhaus endlich Realität werden zu lassen. Wie genau der 46-Jährige das angehen wird, muss natürlich abgewartet werden – und doch gibt es bereits etliche Hinweise, die einen ersten Eindruck davon vermitteln, wie Werder unter Anfang Fußballspielen dürfte.

99, 210, 350 – das sind nicht etwa geheime Taktik-Codes, sondern Zahlen, die dokumentieren, wofür Markus Anfang in erster Linie steht: Tore und Spektakel. 99 Zweitliga-Spiele hat er als Trainer absolviert. 34 für Holstein Kiel, 31 für den 1. FC Köln und noch mal 34 für Darmstadt 98. In diesen Partien haben seine Teams insgesamt 210 Tore erzielt. Bedeutet: Anfangs Mannschaften trafen 2,1 Mal pro Spiel. Allerdings war auch auf der anderen Seite viel los, was 140 Gegentreffer belegen. Insgesamt fielen also 350 Tore in den 99 Spielen – im Schnitt klingelte es 3,5 Mal pro Partie, wenn der neue Trainer des SV Werder Bremen an der Seitenlinie stand.

Verfolgt die Vorstellung des neuen Werder-Trainers Markus Anfang im Live-Ticker der DeichStube!

Bei Werders Trainersuche war die offensive Grundidee Anfangs ein Argument für den Trainer gewesen. Sportchef Frank Baumann betonte aber: „Es geht nicht nur darum, das Spiel mit Ball zu vermitteln. Um offensiv spielen zu können, musst du auch den Ball gewinnen. Deswegen kann man Markus’ Arbeit nicht nur auf die Offensive begrenzen.“ Der neue Coach habe auch sehr klare Vorstellungen davon, „wie wir gegen den Ball arbeiten“.

Seine Trainerkarriere startete der gebürtige Kölner Anfang im Alter von 36 Jahren in der Oberliga beim SC Kapellen-Erft, den er prompt auf den zweiten Tabellenplatz führte. Von 2013 bis 2016 arbeitete er dann erfolgreich im Nachwuchsbereich von Bayer 04 Leverkusen. Höhepunkt dabei war der Gewinn der Deutschen U 17-Meisterschaft im Jahr 2015 – Markus Anfang formte damals hoffnungsvolle Talente wie den heutigen Nationalspieler Kai Havertz, der mit dem FC Chelsea gerade die Champions League gewonnen hat. 2016 dann der Sprung an die Kieler Förde zum Drittligisten Holstein Kiel, der sich für alle Beteiligten als goldrichtig erweisen sollte.

Werder Bremen: Markus Anfangs Mannschaften schossen in Liga zwei im Schnitt 70 Tore

Mit spektakulärem Offensivfußball stieg Kiel im ersten Jahr unter Markus Anfang sensationell in die 2. Liga auf und schaffte 2018 beinahe den direkten Durchmarsch in die Bundesliga. Der Aufsteiger schoss in Liga zwei bemerkenswerte 71 Tore. Kiels aufregender Fußball – Anfang favorisierte ein 4-1-4-1-System mit schnellen Außenspielern, spielstarken Innenverteidigern wie Rafael Czichos sowie kreativen Box-to-Box-Spielern im Mittelfeld – sorgte damals deutschlandweit für Aufsehen.

Beim 1. FC Köln trug Anfangs offensive Spielidee ebenfalls Früchte. Der Spielstil mit klaren Abläufen und einem flachen Aufbau durch die Mitte bescherte dem Effzeh schnell die Tabellenführung in Liga zwei. Trotz der Unruhe im und rund um den Verein gelang es Anfang, seine auf einem hohen Ballbesitzanteil basierende Spielphilosophie zu implementieren. Die Grundidee: Der neue Werder-Coach will mit vielen kurzen Pässen im Angriffsdrittel den Gegner aufmischen. Seine Spieler sollen dabei viel rochieren und variabel agieren. Im Fokus stehen eindeutig spielerische Lösungsansätze, auch beim Aufbau aus der Abwehr heraus.

Werder Bremen: Bringt Trainer Markus Anfang den mitreißenden Offensivfußball zurück?

Das sieht meist spektakulär aus, ist häufig aber auch riskant. In der Defensive ist das 4-1-4-1-System anfällig, weil in der Offensive ein hohes Risiko eingegangen wird. In Köln musste Markus Anfang nach einer Serie von vier sieglosen Spielen daher von seinem Lieblingssystem abweichen und auf eine stabilere 3-5-2-Formation umstellen. Das gelang. Trotz der erfolgreichen Veränderung war Anfangs Zeit in Köln nach nicht einmal einem Jahr im April 2019 trotz Tabellenführung schon wieder beendet. Angeblich hatte er es sich mit Teilen der Mannschaft verscherzt. Sportchef Armin Veh, zu dem das Verhältnis sehr angespannt gewesen sein soll, entließ den Trainer, obwohl die Kölner drei Spieltage vor Schluss mit sechs Punkten Vorsprung auf Rang vier voll auf Aufstiegskurs lagen.

Nach einjähriger Pause, die Anfang dazu nutzte, um sich fortzubilden und sich vor Ort die Arbeit bei anderen Vereinen anzusehen, legte ab dem vergangenen Jahr auch in Darmstadt mit deutlich weniger Möglichkeiten eine beachtliche Saison hin. Am Ende – dank eines starken Schlussspurts mit 26 Punkten aus den letzten elf Spielen – landeten die Hessen auf Rang sieben. Insgesamt wurde die Rückserie mit 33 Zählern zur besten der Vereinsgeschichte. Darmstadts 63 Treffer bedeuteten zudem Platz vier im Zweitliga-Vergleich. Die Fans des SV Werder Bremen dürfen mit Trainer Markus Anfang also vor allem auf eines hoffen: die Rückkehr des mitreißenden Bremer Offensivfußballs. „Wir müssen Lösungen mit Ball haben, es muss eine klare Handschrift zu erkennen sein, was das Offensivspiel betrifft“, hielt Baumann fest nachdem in Anfang den in seinen Augen besten Mann für diesen Job unter Vertrag genommen hatte. (mwi) Auch interessant: Trainer Markus Anfang bringt seinen Assistenten mit - leistet sich Werder Bremen jetzt drei Co-Trainer? Und: Werder Bremen verabschiedet sieben Nachwuchstalente - auch Julian Rieckmann muss gehen! Außerdem: Co-Trainer vor Abgang: Tim Borowski wird Werder Bremen wohl den Rücken kehren!

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