Nun also doch: Ab sofort darf beim SV Werder Bremen wieder draußen und in kleinen Gruppen trainiert werden.
+
Nun also doch: Ab sofort darf beim SV Werder Bremen wieder draußen und in kleinen Gruppen trainiert werden.

Bundesliga-Club darf in Vierer-Gruppen üben

SV Werder Bremen darf wieder draußen trainieren - aber der Senat formuliert 15 strenge Auflagen

Bremen – Jetzt also doch: Der Bremer Senat hat eingewilligt, dass sich Werder Bremen ab sofort auf den Trainingsplätzen am Weserstadion auf eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Fußball-Bundesliga vorbereiten darf. Allerdings hat der Senat diese Erlaubnis an die Einhaltung eines 15 Punkte umfassenden Auflagenkatalogs geknüpft.

Darunter auch ein Eingangsscreening, dem sich jeder Profi vor jedem Training des SV Werder Bremen durch einen Mannschaftsarzt unterziehen muss. Dabei werden die Spieler auf Covid19-Symptome untersucht. Außerdem sind beim Training Zuschauer nicht zugelassen, Kabinentrakt und Duschen dürfen nicht wie gewöhnlich genutzt werden.

„Das ist aus sportlicher Sicht für uns eine positive Entscheidung durch den Innensenator und ein wichtiger Schritt, nachdem die Spieler in den letzten drei Wochen nahezu ausschließlich zu Hause trainiert haben. So können wir das Training für unsere Mannschaft wieder fußballspezifischer auf das Spiel ausrichten. Wir werden aber weiterhinohne Körperkontakt trainieren und die Abstandsregelungen bei den Übungen einhalten“, erklärte Sportchef Frank Baumann in einer Mitteilung des SV Werder.

Noch am Freitag hatte die Bremer Regierung einen Antrag des SV Werder auf Gruppentraining mit bis zu zehn gleichzeitig auf dem Platz befindlichen Personen nicht zugestimmt. Nachdem mit anderen Bundesländern Rücksprache gehalten wurde, gibt es jetzt aber das Okay. Allerdings darf eine Trainingsgruppe nur aus vier Spielern bestehen – plus einem Trainer. Mit der verspäteten Erlaubnis hat der Senat auch auf die Vorwürfe des SV Werder Bremen reagiert, einen Wettbewerbsnachteil hinnehmen zu müssen. 

Werder Bremen: Innensenator Ulrich Mäurer gibt grünes Licht - unter strengen Auflagen

Innensenator Ulrich Mäurer erklärt nun: „Wir versuchen mit der heutigen Entscheidung dem Recht auf Berufsausübung und der größtmöglichen Reduzierung von Risiken gleichermaßen gerecht zu werden. Wir haben uns zuvor bundesweit erkundigt, wie andere Länder bzw. Kommunen mit ähnlich lautenden Anträgen ihrer Profivereine umgehen und was wir zudem für zwingend notwendig erachten, um die Risiken für Spieler und Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten.“

Die teils weitreichenden Einschränkungen nimmt Werder Bremen nun offenbar klaglos hin. Die Eingangsscreenings werden die Teamärzte Dr. Daniel Hellermann und Dr. Christoph Engelke durchführen und protokollieren. Geduscht wird laut Mitteilung zu Hause, die geforderten Abstände werden eingehalten.

Als Werder am Montag ins Training startete, war der Bundesliga-Vorletzte der einzige Club, der nicht raus durfte auf den Platz. Allen anderen Teams war es schon zuvor erlaubt gewesen. Anders als beantragt dürfen in Bremen die U23 und die U19 nicht am Training der Profis teilnehmen und selbst auch nicht raus auf den Platz. Das ist eine der Einschränkungen, die Werder hinnehmen muss. Bei den Auflagen, die konkret für die Durchführung einer Trainingseinheit gelten, hat sich der Senat nach eigener Aussage an den Vorschriften orientiert, nach denen sich auch der FC Bayern München richten muss.

Die Auflagen für Werder Bremen im Einzelnen:

1. Der SV Werder Bremen hat alle am Trainingsbetrieb beteiligte Personen (u.a. Spieler, Trainer und Betreuer) proaktiv und wiederholt über die allgemeinen Maßnahmen des Infektionsschutzes wie Händehygiene, Abstandhalten sowie Husten-und Schnupfenhygiene aufzuklären.

2. Der SV Werder Bremen hat alle am Trainingsbetrieb beteiligte Personen vor jeder Trainingseinheit einem präventiven Eingangsscreening durch einen (Mannschafts-) Arzt zu unterziehen und die Symptomlosigkeit der einzelnen Personen schriftlich zu dokumentieren. Bei dem Screening sind mögliche Symptome der Infizierung mit dem SARS-CoV-2-Virus (insbesondere Fieber, (trockener) Husten sowie Kurzatmigkeit) abzuklären und ein möglicher Aufenthalt in vom Robert Koch-Institut identifizierten Risikogebieten abzufragen.

3. Die Trainingseinheiten dürfen nur in möglichst kleinen Trainingsgruppen mit maximal vier beteiligten Personen durchgeführt werden.

4. Die Gruppentrainings dürfen nur unter freiem Himmel durchgeführt werden.

5. Die Nutzung des Kabinentrakts ist auf das Herbeischaffen von Trainingsmaterial zu beschränken.

6. Der Mindestabstand von 1,5 m ist dabei einzuhalten.

7. Allen am Trainingsbetrieb beteiligten Personen ist die Nutzung der Nassräume untersagt.

8. Die Trainingseinheiten dürfen nur unter größtmöglichen Verzicht auf unnötigen Körperkontakt durchgeführt werden.

9. Bei Zusammenkünften mehrerer Trainingsteilnehmer (etwa bei der Mannschaftsansprache) muss ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den einzelnen Personen eingehalten werden.

10. Der SV Werder Bremen hat sicherzustellen, dass sich während der Trainingseinheit nur die unmittelbar benötigten Verantwortlichen des Staffs auf dem Trainingsgelände befinden.

11. Der SV Werder Bremen hat sicherzustellen, dass für den Trainingsbetrieb nicht erforderliche Zusammenkünfte (bspw. sozialer Austausch vor und nach dem Training) unterbleiben.

12. Allen am Trainingsbetrieb beteiligten Personen ist zwei Stunden vor und nach den Trainingseinheiten sowie in einem Umkreis von 500 Metern rund um die Sportanlage der Kontakt mit Dritten (insbesondere Autogramme oder Fotos mit Fans) untersagt.

13. Die konkreten Trainingseinheiten dürfen in keiner Form vom SV Werder Bremen oder den an den Trainingseinheiten beteiligten Personen oder anderen der Antragstellerin zurechenbaren Personen öffentlich bekanntgemacht werden.

14. Menschenansammlungen vor der Sportanlage sind umgehend dem Ordnungsamt Bremen und der Polizei Bremen zu melden.

15. Es ist Sicherheitspersonal einzusetzen. Eine zentrale Ansprechperson für die Sicherheits- und Ordnungsbehörden ist zu benennen.

16. Dieser Auflagenkatalog kann aufgrund der weiterhin dynamischen Situation rund um die SARS-CoV-2/Coronavirus-Epidemie fortlaufend angepasst und/oder erweitert werden. Aus dem gleichen Grund kann die Genehmigung jederzeit widerrufen werden. Die Regelung gilt ab sofort und wird zunächst auf den 19. April 2020 befristet. (csa)

Beim SV Werder Bremen wird seit Montag trainiert, allerdings nicht gemeinsam auf den Trainingsplätzen am Weserstadion, sondern individuell.

Zur letzten Meldung vom 6. April, 13 Uhr:

Werder wieder im Training: Es geht zu wie im Bienenstock

Die Torhüter des SV Werder Bremen machten den Anfang. Schon um 8.00 Uhr am Montagmorgen trafen Jiri Pavlenka, Stefanos Kapino und Luca Plogmann am Weserstadion ein. Und dann war es ein bisschen so wie im Bienenstock – die einen schwirrten rein, die anderen schwirrten raus.

Und es wurde klar: Was immer Werder Bremen hinter verschlossenen Türen im Bauch des Weserstadions veranstaltete, ein Teamtraining oder etwas, was auch nur in diese Richtung ging, konnte es nicht gewesen sein. Anders als viele andere Bundesligisten dürfen die Bremer noch nicht in Kleingruppen auf den Trainingsplätzen üben, der Senat hat es nicht zugelassen. 

Das sorgt nicht nur für Verdruss bei Trainer Florian Kohfeldt, sondern könnte die Mannschaft sogar aus der Stadt hinaustreiben – für den Trainings-, aber möglicherweise auch für den Spielbetrieb, sollte der tatsächlich im Mai oder später wieder anlaufen.

Werder Bremen fürchtet Wettbewerbsnachteil ohne Gruppentraining

Dass Werder vergrätzt ist über die Haltung des Senats, ist hinlänglich bekannt. Trainer Florian Kohfeldt verlieh seinem Ärger am Montag in einer Mitteilung des Vereins Ausdruck. „Wir befinden uns weiterhin in dem Spannungsfeld, dass Mitkonkurrenten an anderen Standorten bereits seit längerem im Gruppentraining arbeiten. Wir hoffen hierbei, keinen Wettbewerbsnachteil zu erleiden, sondern würden eine bundesweit einheitliche Lösung begrüßen“, wird der 37-Jährige zitiert. 

Laut einer Auflistung des Sport-Informationsdienstes trainieren seit Montag 14 von 18 Erstligisten wieder auf den Plätzen – in Gruppen von zwei bis sogar sieben Spielern. Werder Bremen dagegen muss am individuellen Training festhalten, bis eine bundeseinheitliche Regelung getroffen ist. Das könnte noch am Montag geschehen, vielleicht auch erst am Dienstag. Vielleicht auch gar nicht.

Bislang hatten die Werder-Profis daheim und jeder für sich ihr Programm abgespult. Nun sind sie zurück in Bremen und müssen sich an ein streng durchgetaktetes Programm halten. Denn in dem Bienenstock steckt System. Als beispielsweise Yuya Osako am Montag um halb zehn zu seiner Trainingseinheit eintraf, schwang wenig später die Tür zum Kabinentrakt wieder auf und Pavlenka kam heraus. Und als Osako um 11.30 Uhr wieder ging, traf Nuri Sahin ein. So ging es bis weit in den Nachmittag weiter. 

Werder Bremen lässt Spieler einzelne Trainingseinheiten im Stadion absolvieren

„Die Spieler haben einzelne Trainingstermine, an denen sie mit einem Trainer entweder auf dem Platz oder im Kraftraum individuell arbeiten“, erklärte Kohfeldt. Die meisten Profis erschienen bereits in Trainingskleidung am Stadion, mussten sich also nicht umziehen. Im Stadioninneren werden laut Werder alle infrage kommenden räumlichen Möglichkeiten genutzt, damit möglichst wenige Spieler aufeinandertreffen. Man will eben – na klar – „die Vorgaben der Behörden vollumfänglich umsetzen“, so Florian Kohfeldt.

Aber was, wenn es die erwartete bundeseinheitliche Lösung zum Gruppen- und Teamtraining bei den Profi-Clubs nicht geben wird? Was, wenn Werder auch künftig auf Bremer Boden nicht in Gruppen trainieren darf, während es der Konkurrenz längst erlaubt ist? Dann ist nicht auszuschließen, dass der Club die Trainingsaktivitäten ins niedersächsische Umland verlegt. Verden? Rotenburg? Oldenburg? Rehden? Oder weiter weg? Wieso nicht?

Geht Werder Bremen zum Trainieren ins niedersächsische Umland?

Auch bei einer möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs könnte ein Umzug zum Thema werden. Schließlich hatte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer schon erkennen lassen, dass er der Lösung mit Spielen ohne Zuschauer weiter skeptisch gegenübersteht. „Ich habe große Zweifel darran, dass es jemals zur Durchführung von Geisterspielen kommt“, sagte der SPD-Politiker. Es war allgemein gemeint, wird aber ganz speziell für Bremen gelten. 

Umzugspläne zu schmieden, könnte für Werder Bremen also ratsam sein. Doch noch setzt SportchefFrank Baumann darauf, dass sich durch möglicherweise bevorstehende Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen sowie einer Einsicht bei allen Parteien, dass Geisterspiele im Sinne des Fußballs nicht gefährdet werden dürfen, die Durchführung auch in Bremen sicherstellen lässt. (csa)

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare