Mitchell Weiser lachte viel bei seiner offiziellen Vorstellung im Wohninvest Weserstadion - und will bei Werder Bremen den Spaß am Fußball wiederfinden.
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Mitchell Weiser lachte viel bei seiner offiziellen Vorstellung im Wohninvest Weserstadion - und will bei Werder Bremen den Spaß am Fußball wiederfinden.

Offizielle Weiser-Vorstellung

Werder-Neuzugang Mitchell Weiser: „Es wollte mich keiner“ – und er will einfach nur spielen

Bremen - Mitchell Weiser verschluckt sein letztes Wort fast mit einem Lachen. Weil er ein kleines Geständnis ablegen muss. Eines, das für einen Spieler seines Formats fast unglaublich klingt, das aber beschreibt, wie er als gestandener Bundesliga-Spieler von Europacup-Teilnehmer Bayer Leverkusen zum Zweitligisten Werder Bremen gewechselt ist. „Es wollte mich kein anderer“, sagt Weiser bei seiner Vorstellung im Wohninvest Weserstadion. Er lacht dabei für einen Moment und wird dann ernst, damit seine erfrischende Ehrlichkeit nicht für einen bloßen Scherz gehalten wird. „Also wirklich jetzt. Es gab keine anderen Angebote.“

Eigentlich hatte der 27-Jährige, der beim Werksclub nicht mehr zum Zug gekommen war, schon mit einem Wechsel abgeschlossen. Am Tag vor dem Deadline Day seien noch einige letzte Absagen ins Haus geflattert, das schien es gewesen zu sein. Doch dann meldete sich am Dienstagmittag plötzlich Weisers Berater mit einem Angebot des SV Werder. „Das mit Bremen kam aus dem Nichts“, berichtet Weiser. „Es hat sich in einer halben Stunde entschieden, weil ich keine anderen Optionen hatte.“

Also wurde es an diesem letzten Tag der Transferphase für Mitchell Weiser ziemlich hektisch. Um 12.45 Uhr, so schildert es der Rechtsverteidiger, kam der Anruf vom Berater, um 13 Uhr folgte ein Trainer-Gespräch, um 13.15 Uhr musste er sich entscheiden. „Und dann hat zwischendurch Leo Bittencourt angerufen und gesagt: Komm zu uns, Bruder.“ Innerhalb kürzester Zeit war dann der Leihvertrag über ein Jahr unterzeichnet, und Werder Bremen hat nun einen neuen Mann im Kader, in dessen Vita bereits 140 Bundesliga-Spiele (neun Tore) sowie drei Deutsche Meisterschaften und zwei DFB-Pokal-Triumphe mit dem FC Bayern stehen.

Werder Bremen: MItchell Weiser flüchtet von Bayer Leverkusen und will einfach spielen

Mitchell Weiser gibt zu, er hatte ein paar Zweifel. „Natürlich war die 2. Liga nicht mein Ziel“, sagt er und erklärt, dass er auch nicht zu jedem Club im Unterhaus gewechselt wäre, „aber Bremen ist für mich kein Zweitligist. Deswegen habe ich mich entschieden, das zu machen.“ Klar ist aber auch: Es ist eine Flucht in die 2. Liga, Weiser wollte Leverkusen unbedingt verlassen. Schon lange setzte Bayer 04 nicht mehr auf den U21-Europameister von 2017, der 2018 für zwölf Millionen Euro von Hertha BSC zum Werksclub gewechselt war. In der vergangenen Saison kam Weiser nur auf fünf Bundesliga-Einsätze, in der laufenden auf noch keinen einzigen.

„Ich habe jetzt anderthalb Jahre verloren, das tut natürlich weh“, sagt Weiser, der am liebsten gar nicht zurückschauen will. „Die Vergangenheit zählt nicht mehr.“ Jetzt will er nur noch eins: endlich wieder spielen. Dass Werder-Trainer Markus Anfang auf einen aktiven Fußball setzt, kommt dem Neuzugang entgegen. „Ich habe schon gemerkt, es ist ein spezielles System, aber es macht sehr viel Spaß“, meint Weiser, der direkt am Mittwoch beim Testspiel des SV Werder Bremen gegen Heracles Almelo (2:0) für 68 Minuten auf seiner Stammposition als Rechtsverteidiger ran durfte.

Neuzugang Mitchell Weiser trifft bei Werder Bremen gute Freunde wieder

Noch gibt es für den 27-Jährigen einiges aufzuholen: System und Mitspieler besser kennenlernen, sich wieder eine gewisse Spielfitness draufschaffen – „und dann“, sagt der Mich-wollte-keiner-Mann, „bin ich auch von mir überzeugt, dass ich Stammspieler auf egal welcher Position bin“. Für Werder Bremen könnte der Ex-Kölner, Ex-Münchner und Ex-Berliner zu einer absoluten Verstärkung werden. Beim Thema Aufstieg bleibt Mitchell Weiser aber zurückhaltend. „Dafür braucht man eine Super-Saison. Wenn wir es schnell schaffen, eine Mannschaft zu werden und unsere besten Leistungen zu liefern, wird man sehen.“ Für ihn gehe es immer um den maximalen Erfolg.

Und natürlich auch um die Freude am Fußball, die er bei Werder Bremen auch durch alte Freunde wiederfinden will. Leonardo Bittencourt kennt er aus Zeiten beim 1. FC Köln, beide treffen sich noch heute regelmäßig: „Ich habe eine sehr gute Beziehung zu ihm, auch weil wir beide ungefähr zeitgleich Väter geworden sind.“ Auch Marco Friedl und der in Bremen ebenfalls neue Marvin Ducksch sind mehr als nur alte Bekannte. Der vier Jahre jüngere Friedl war beim FC Bayern einige Jahrgänge unter Weiser aktiv, mit Ducksch wurde er einst bei der U17-WM 2011 in Mexiko Dritter: „So ein Turnier verbindet einen für das ganze Leben“, sagt Weiser über Ducksch. „Ich habe mich sehr gefreut, ihn hier wiederzusehen.“ Der Kumpel habe sich kaum verändert, nur ein bisschen: „Marvin war früher sehr frech“, sagt Weiser und lacht mit seinem ehrlichen Lachen übers ganze Gesicht. „Ich glaube, jetzt ist er nicht mehr so frech.“ Es scheint, Mitchell Weiser wird sich bei Werder Bremen wohl ziemlich schnell eingewöhnen. (han) Auch interessant: Sechs Ex-Werder-Bremen-Profis unter den 15 wertvollsten deutschen vereinslosen Spielern!

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