Die Sommer-Neuzugänge des SV Werder Bremen im Überblick (v.l.n.r.): Marvin Ducksch, Mitchell Weiser, Nicolai Rapp, Anthony Jung, Roger Assalé, Lars Lukas Mai und Niklas Schmidt.
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Die Sommer-Neuzugänge des SV Werder Bremen im Überblick (v.l.n.r.): Marvin Ducksch, Mitchell Weiser, Nicolai Rapp, Anthony Jung, Roger Assalé, Lars Lukas Mai und Niklas Schmidt.

Echte Bremer Hilfen und Enttäuschungen

Zwischenzeugnis: Wie sich die Neuzugänge von Werder Bremen bisher geschlagen haben

Bremen – Genau mitgezählt und Strichliste geführt hat natürlich niemand, trotzdem dürfte folgende These nicht übertrieben sein: Das Wort „Umbruch“ gehört zu denjenigen Begriffen, die Werder Bremens Verantwortliche seit dem Sommer besonders häufig bei öffentlichen Auftritten benutzen.

Sie setzen es dabei stets in Bezug auf die Mannschaft, um deren groß angelegte personelle Veränderung zwischen den Spielzeiten hervorzuheben – und um gleichzeitig für Geduld mit dem neuen Kader zu werben. Was angesichts von elf Abgängen und sieben Neuverpflichtungen natürlich nachvollziehbar ist, nach nunmehr 13 Spielen in der 2. Bundesliga aber trotzdem ein erstes Zwischenzeugnis erlaubt: Welcher Neuzugang des SV Werder Bremen schlug ein und hilft bei der Entwicklung der Mannschaft? Wer hat noch Luft nach oben und wer bis dato enttäuscht?

Marvin Ducksch (wechselte Ende August zu Werder Bremen)

Der 27-jährige Angreifer war der Bremer Königstransfer des Sommers. Als er Ende August (endlich) seinen Vertrag unterschrieb, beendete er damit ein wochenlanges Hin und Her zwischen Werder Bremen und Hannover 96, in dem sein Wechsel zwischenzeitlich schon als definitiv geplatzt gegolten hatte. Ducksch' Einstand in Bremen hätte dann nicht besser laufen können: Doppelpack beim 3:0-Heimsieg gegen Hansa Rostock! Seitdem hat der Stürmer noch drei weitere Male getroffen, zudem zwei Tore aufgelegt. Unter Trainer Markus Anfang, mit dem er bereits in Kiel zusammengearbeitet hatte, ist Marvin Ducksch absolut gesetzt. Zwar lässt er regelmäßig gute Chancen aus, ist aber trotzdem eine Bereicherung für die Bremer Offensive. Kein anderer Spieler in der Liga gab bisher mehr Torschüsse ab als er (59). DeichStuben-Note 2.

Nicolai Rapp (kam Anfang Juli von Union Berlin zu Werder Bremen)

Kein anderer Spieler aus dem aktuellen Kader des SV Werder Bremen hat mehr absolvierte Partien in der 2. Liga vorzuweisen. Insgesamt 116 Mal stand Nicolai Rapp im Unterhaus schon auf dem Platz. Diese Erfahrung dürfte einer der Gründe für seine Verpflichtung gewesen sein – ebenso wie die Tatsache, dass Anfang ihn unbedingt haben wollte. Bereits in Darmstadt hatte Rapp unter dem Trainer eine tragende Rolle gespielt, damals allerdings überwiegend als Sechser. Bei Werder ist der 24-Jährige nun eine Reihe weiter nach vorn gerückt – und liefert dort bisher eine Saison mit wechselhaften Leistungen ab. Positiv hervorzuheben ist Rapps Zug zum Tor, der ihm bereits zwei Treffer beschert hat, sowie seine Laufbereitschaft. Mit insgesamt 114,16 Kilometern hat er die längste Strecke alle Bremer Profis auf dem Platz zurückgelegt. Auf der anderen Seite präsentiert er sich aber bisweilen fehleranfällig und hat auch bei seiner Zweikampfquote (48,96 Prozent) noch reichlich Luft nach oben. Kein anderer Werder-Spieler foult häufiger als Rapp (21 Mal), der gegen Schalke 04 seine erste Gelbsperre der Saison absitzen muss. DeichStuben-Note 3,5.

Anthony Jung (wechselte vom dänischen Meister Bröndby IF zu Werder Bremen)

Er war Anfang Juni der erste Spieler, den Werder Bremen nach dem Abstieg aus der Bundesliga als Neuzugang vermeldete. Anthony Jung wechselte als frisch gebackener dänischer Meister von Bröndby Kopenhagen nach Bremen und sollte der Mannschaft mit seiner Erfahrung aus unter anderem 16 Bundesligaspielen (für Ingolstadt) sowie 64 Zweitligaspielen (für RB Leipzig und den FSV Frankfurt) helfen. Das ist ihm bisher durchaus gelungen. Sowohl als Linksverteidiger, als den ihn Coach Anfang bis Ende Oktober stets aufbot, als auch in der Innenverteidigung (Dreierkette), wo Jung zuletzt nach zwei Spielen Pause gegen St. Pauli und Nürnberg zum Einsatz kam, bot er (fast immer) solide bis gute Leistungen. Einzige Ausnahme: Beim 0:3 in Dresden ging er mit unter und leitete den ersten Gegentreffer ein. Zuletzt, während des 2:1-Erfolgs in Nürnberg, gefiel Jung mit großem Einsatz und mutigen Vorstößen. Ein weiteres Plus: Mit 89,73 Prozent weist er nach Christian Groß (90,29) die beste Passquote im Team auf. DeichStuben-Note 3.

Niklas Schmidt (kehrte aus Osnabrück zurück zum SV Werder Bremen)

Vom VfL Osnabrück zurückgekehrt, direkt aussortiert, um sich schließlich doch noch bei Werder Bremen durchzusetzen – keine Frage: Niklas Schmidt war der große Gewinner der Vorbereitung. Was er zunächst auch mit guten Auftritten während der Saison bestätigte. Mit zwei Vorlagen und einem Tor an den ersten drei Spieltagen legte der 23-Jährige einen wahren Traumstart hin. Es sollte danach bis zum neunten Spieltag dauern, ehe er erstmals nicht zur Bremer Startelf gehörte. Seinen Vertrag hatte Schmidt da bereits langfristig verlängert, weil Werder grundsätzlich für die Zukunft fest mit ihm plant. In der Gegenwart zuletzt allerdings nicht mehr so sehr. In den Spielen gegen St. Pauli und Nürnberg kam Schmidt nicht zum Einsatz und dürfte – weil die Ergebnisse stimmten – seinen Platz im Team vorerst verloren haben. Was nicht dramatisch sein muss. Schließlich weiß Schmidt nur allzu gut, wie man sich zurückkämpft. Auch seine starken Standards und bisher vier Torvorlagen (kein Bremer hat mehr) sprechen für ihn. DeichStuben-Note 3.

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Lars Lukas Mai (kam auf Leihbasis vom FC Bayern München zum SV Werder Bremen)

Ein amtierender U 21-Europameister aus den Reihen des Rekordmeisters FC Bayern München – beim Blick auf diese beiden Attribute erklärt es sich fast von selbst, dass die Verpflichtung von Lars Lukas Mai mit einer gewissen Erwartungshaltung verbunden war. Zumal der Verteidiger bereits in Darmstadt ein Jahr lang unter Markus Anfang trainiert hatte. Bei Werder Bremen verläuft die bisherige Saison des 21-Jährigen allerdings holprig. Zwar weist Mai mit 63,41 Prozent nach Abwehrchef Ömer Toprak (68,75) die beste Zweikampfquote im Team auf, allerdings leistet er sich während der Spiele auch regelmäßig Unaufmerksamkeiten, die seiner Mannschaft zum Verhängnis werden. Deshalb hat er seinen Platz in der Innenverteidigung zuletzt verloren. Gegen St. Pauli und Nürnberg blieb Mai auf der Bank. Dass Toprak nach längerer Verletzungspause nun wieder fit ist, dürfte seine Chancen auf Einsatzzeit nicht eben vergrößern. DeichStuben-Note 4,5.

Mitchell Weiser (kam Ende August auf Leihbasis von Bayer Leverkusen zu Werder Bremen)

Sein Einstand war nahezu perfekt: Gleich sein erstes Spiel im Werder-Trikot gewann die Mannschaft souverän mit 3:0 – und Mitchell Weiser befand sich in Ingolstadt sogar unter den Torschützen. Halten konnte die Leihgabe von Bayer 04 Leverkusen dieses Niveau jedoch nicht, im Gegenteil. Schon eine Woche später, im Nordderby gegen den Hamburger SV (0:2), avancierte er zum großen Unglücksraben, trug Anteil an beiden Gegentoren und verhinderte den Freistoßtreffer von Ducksch, weil er sich mit in die Mauer stellte. Seitdem sucht der 27-Jährige nach seiner Rolle im Bremer Team, gefunden hat er sie bisher weder als Rechtsverteidiger noch in offensiverer Rolle. Nach der Nicht-Berücksichtigung gegen Sandhausen sowie einem Kurzeinsatz gegen St. Pauli stand Weiser in Nürnberg erstmals wieder in Werders Startelf – und sah beim einzigen Bremer Gegentor abermals nicht gut aus. Dennoch: Weisers Name und Erfahrung, gesammelt unter anderem bei Bayern München, Hertha BSC und Bayer Leverkusen, lassen auf Besserung hoffen. Vielleicht benötigt der Leihspieler nach einem Jahr fast ohne Einsätze einfach nur etwas Zeit, um in die Spur zu finden. Bislang ist er für Werder Bremen keine Hilfe. DeichStuben-Note 4,5.

Roger Assalé (Dijon FCO verlieh den Stürmer im Juli an den SV Werder Bremen)

An den vergangenen fünf Spieltagen schmorte die Leihgabe des Dijon FCO nur auf der Bank, was im Grunde schon alles über seinen Start in Bremen aussagt: Er ist misslungen. Seit Assalés schwacher Leistung als Joker während des 0:3 in Dresden setzt Trainer Anfang gar nicht mehr auf den 27-Jährigen, was allmählich die Frage aufwirft, wie sinnvoll dieses Leihgeschäft für beide Seiten eigentlich noch ist? Werders Verantwortliche argumentieren stets, dass Roger Assalé noch Zeit benötige, um sich im neuen Umfeld zurechtzufinden. Da er zunächst jedoch nur für ein Jahr ausgeliehen ist, im Sommer also vermutlich nach Frankreich zurückkehrt, verrinnen die Wochen, in denen er Werder Bremen helfen kann, mehr und mehr. Immerhin: Der Angreifer nimmt seine schwierige Situation in Bremen vorbildlich an, lernt fleißig Deutsch und arbeitet geduldig. Das Problem: Verpflichtet worden war der Ivorer ausdrücklich als Flügelstürmer, also für eine Position, die es im Bremer System seit der Umstellung auf zwei Mittelstürmer gar nicht mehr gibt. DeichStuben-Note 5.

Die Transfers des SV Werder Bremen in Zahlen:

Marvin Ducksch (Hannover 96, Ablöse: 3,5 Millionen Euro)
9 Einsätze (797 Minuten), 5 Tore, 2 Vorlagen
 
Nicolai Rapp (Union Berlin, Ablöse: 200 000 Euro)
11 Einsätze (917 Minuten), 2 Tore, 1 Vorlage
 
Anthony Jung (Bröndby Kopenhagen, ablösefrei)
10 Einsätze (718 Minuten), 0 Tore, 0 Vorlagen)
 
Niklas Schmidt (VfL Osnabrück, Rückkehr nach Leihe)
11 Einsätze (766 Minuten), 1 Tor, 4 Vorlagen
 
Lars Lukas Mai (FC Bayern München, ausgeliehen)
10 Einsätze (676 Minuten), 0 Tore, 0 Vorlagen)
 
Mitchell Weiser (Bayer Leverkusen, ausgeliehen)
7 Einsätze (386 Minuten), 1 Tor, 0 Vorlagen
 
Roger Assalé (Dijon FCO, ausgeliehen)
4 Einsätze (95 Minuten), 0 Tore, 0 Vorlagen

Hier findet ihr alle Transfernews rund um den SV Werder Bremen!

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