In der vergangenen Saison verletzte sich Christian Groß im Training schwer am Knie und fiel wochenlang aus - der Profi des SV Werder Bremen dachte auch über ein Karriere-Ende nach.
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In der vergangenen Saison verletzte sich Christian Groß im Training schwer am Knie und fiel wochenlang aus - der Profi des SV Werder Bremen dachte auch über ein Karriere-Ende nach.

Werder-Sechser über schwere Verletzung

Wenn die Zeit knapp wird: Werder-Profi Christian Groß dachte kurz ans Karriereende, ist aber froh, dass es anders kam

Bremen – Es wirkte so, als hätte Christian Groß genau auf diese Frage nur gewartet. Und ganz am Ende bekam der Profi des SV Werder Bremen sie dann tatsächlich auch noch gestellt, als er am Mittwoch im Wohninvest Weserstadion zu einer Medienrunde erschienen war.

„Ich muss ein bisschen schmunzeln“, setzte der 33-Jährige an. Denn natürlich ging es wieder einmal um die Sechserposition, seine Position, auf der Werder Bremen in den Augen vieler Fans und Kritiker nicht gut genug besetzt sei. „Ich bin jetzt auch schon ein bisschen länger dabei und die Frage habe ich jetzt schon sieben oder acht Mal gehört. Das ist auch legitim und soll auch so sein, aber mittlerweile habe ich über 70 Pflichtspiele für diesen Verein gemacht, gerade im letzten Jahr, so glaube ich, ordentliche Leistungen gebracht“, erklärte Christian Groß. „Ich habe immer gesagt: Wo Bedarf ist, das müssen andere Leute entscheiden und nicht ich. Ilia Gruev und ich haben es in der Vergangenheit gut gemacht, waren Teil des Aufstiegs und haben unseren Beitrag dazu geleistet.“

Werder-Bremen-Profi Christian Groß über Sechser-Diskussion: „Wo Bedarf ist, müssen andere Leute entscheiden“

Viel fehlte allerdings nicht und Christian Groß würde heute eventuell ganz anders sprechen. Und das hat mit einem Ereignis von vor knapp elf Monaten zu tun. Damals, im September 2021, spielte Werder Bremen das Nordderby gegen den Hamburger SV. Schon nach 31 Minuten holte sich Groß eine völlig unnötige Gelb-Rote Karte ab, sein Team verlor letztlich mit 0:2. Über diesen Platzverweis ist in der Vergangenheit häufig gesprochen worden. Und auch über die Knieverletzung, die sich Groß obendrein zuzog.

Doch welche Auswirkung die Blessur beinahe gehabt hätte, das deckte jetzt erst Ömer Toprak in der Werder-Doku „Ein Jahr Zweite Liga“ auf. „Er meinte immer: Wenn ich operiert werden muss, dann höre ich auf“, verrät der Ex-Kapitän von Werder Bremen dort. Wer die Bilder des vergangenen Herbstes sieht, erkennt sofort, dass lange ungewiss war, wie schwer der medizinische Eingriff sein würde. Und ob es den Profifußballer Christian Groß in seiner bisherigen Form somit noch geben würde.

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Ex-Werder-Bremen-Kapitän Ömer Toprak über Christian Groß: „Er meinte immer: Wenn ich operiert werde, dann höre ich auf“

„Ich habe schon zwei Knie-Geschichten vorher gehabt, die äußerst undankbar waren. Und ich weiß einfach, was es bedeutet, wenn man operiert wird“, erinnert sich der defensive Mittelfeldspieler. In der Saison 2011/2012, damals noch in Diensten des SV Babelsberg 03, riss sich Christian Groß das Kreuzband und verpasste satte 29 Spiele. Später, als er 2016/2017 beim VfL Osnabrück unter Vertrag stand, gab es eine erneute Knieblessur, die nun eine knapp zwölfwöchige Auszeit hervorrief. Eine OP gab es für Groß zwar auch dieses Mal, doch die Behandlung nahm letztlich ein gutes Ende. „Jeder, der lange Leidenszeiten kennt, weiß, was es bedeutet, monatelang in der Reha zu sein. Unter dem Strich war ich froh, dass es nur der Meniskus war und ich relativ schnell wieder fit gewesen bin“, betonte das Mitglied des Mannschaftsrates. „Gerade in meinem Alter weiß man nie, wie man zurückkommt.“ Damals ging es sogar unglaublich schnell. Schon sechs Wochen nach dem Nordderby lief Groß wieder für Werder Bremen auf. Die Karriere konnte weitergehen.

Werder Bremen: Christian Groß auch unter Neu-Trainer Ole Werner Stammspieler

In der Folgezeit war Christian Groß auch unter Ole Werner wieder Stammspieler. Der Cheftrainer des Bundesliga-Aufsteigers hat den 33-Jährigen auch jetzt zum Auftakt gegen Wolfsburg in die Startelf beordert – und nicht etwa den wesentlich jüngeren Ilia Gruev, der vor allem in der vergangenen Rückrunde mehrere auffällige Partien im Trikot des SV Werder Bremen gezeigt hatte. „Ilia hat das gut gemacht. Es ist wichtig, dass wir diesen Konkurrenzkampf in der Mannschaft haben. Das gilt nicht nur für die Sechser-, sondern auch für die Achterposition oder hinten in der Abwehrkette mit den Neuzugängen“, zählt Groß auf. „Das ist ein Grund, warum wir in der vergangenen Saison erfolgreich waren. Wenn wichtige Spieler ausgefallen sind – etwa gegen Darmstadt oder Schalke –, dann haben die Jungs, die hintendran waren und reingekommen sind, es dann überragend gemacht.“

Werder-Bremen-Profi Christian Groß: „Es ist wichtig, dass wir diesen Konkurrenzkampf haben“

Womöglich auch deshalb, weil einer wie Groß ein paar brauchbare Ratschläge mit an die Hand gegeben hat. „Ich glaube schon, dass ich ein wichtiger Ansprechpartner für die jungen Spieler in der Kabine bin. Gerade auch durch meinen Erfahrungsschatz, der nicht nur aus der 1. und 2. Liga stammt – ich habe schließlich auch schon ein paar andere Sachen darunter gesehen“, schildert der Routinier von Werder Bremen. „Da kommt es schon vor, dass ich den Finger mal in die Wunde lege und den Jungs sage, dass es an einer bestimmten Stelle vielleicht zu wenig ist.“ Eine Erfahrung, die auch wieder mit Groß‘ Alter zu tun hat. „Wir müssen die Zeit, die wir hier sind, einfach besser nutzen, denn diese Zeit geht schnell rum“, hob er hervor. „Ich bin jetzt 33. Mir haben die alten Spieler früher immer gesagt, dass die Zeit schnell rumgeht – jetzt weiß ich, wovon sie gesprochen haben.“ Und na klar, auch dieses Mal musste Christian Groß schmunzeln. (mbü) Schon gelesen? Ist das die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart?

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