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Wegen der Coronavirus-Pandemie hat Clemens Fritz, Scouting-Chef beim SV Werder Bremen, aktuell alle Hände voll zu tun.

Werder-Kaderplaner schließt frühen Sommer-Transfer aus

Werder-Scouting-Chef Clemens Fritz und die vielen Fragezeichen bei Transfers

Bremen – Clemens Fritz hat als Chef der Scoutingabteilung des SV Werder Bremen in Zeiten der Coronavirus-Krise keinen beneidenswerten Job. Ihm obliegt die undankbare Aufgabe in dieser schwierigen Zeit, in der der Weltfußball quasi brachliegt, Neuverpflichtungen an Land zu ziehen. 

Wenn man so möchte, ist es der tägliche Blick in die Glaskugel, das Planen einer Zukunft, von der momentan niemand auch nur ansatzweise sagen kann, wann und in welcher Form sie eintreten wird. Oder aber, wie Clemens Fritz es selbst beschreibt: „Die große Herausforderung ist gerade die Ungewissheit, dass keiner weiß, was kommt.“ Als Leiter der Scouting-Abteilung ist der Ex-Profi bei Werder Bremen damit betraut, den Kader von Morgen zu entwerfen, verheißungsvolle Talente möglichst früh zu entdecken und potenzielle Transfers auf den Weg zu bringen. Was in Zeiten der Coronavirus-Pandemie allerdings ein ziemliches Fischen im Trüben ist.

Wird die Bundesliga-Saison überhaupt zu Ende gespielt? Gehört Werder Bremen demnächst noch der ersten oder doch der zweiten Liga an? Und wie viel Geld steht im Sommer für Transfers zur Verfügung? Vorausgesetzt den klassischen Transfermarkt gibt es dann überhaupt noch. Es sind Fragen, auf die auch Clemens Fritz keine Antworten hat. Und dennoch (oder gerade deshalb) arbeiten er und sein Team bestehend aus zwölf hauptamtlichen Mitarbeitern „mit Hochdruck“ weiter. Wie das funktioniert, hat der 39-Jährige am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Medienvertretern erklärt.

Werder Bremen-Transfers: Clemens Fritz und das Scouten aus dem Home-Office

„Es ist natürlich ein anderes Scouten, weil wir momentan nicht raus können, um Spiele zu schauen“, sagt Fritz, der sich mit seiner Abteilung – wie so viele andere Arbeitnehmer auch – bis auf Weiteres ins Home-Office zurückgezogen hat. Hauptaufgabe dort: telefonieren, klar und, noch viel wichtiger: Videos schauen. „Wir haben über unsere Plattform Zugriff auf Videomaterial. Natürlich ist das seit vier Wochen kein aktuelles Material mehr, aber wir haben ja Spieler, die wir schon länger verfolgen und können ihnen so weiter nachgehen“, berichtet Clemens Fritz – und hält fest: „Es gibt eine Menge zu tun für uns.“ 

Wegen des Coronavirus gestaltet sich die Kaderplanung für Clemens Fritz, Florian Kohfeldt und den SV Werder Bremen aktuell besonders schwierig.

Eben weil die Lage so unklar ist, weil der Scouting-Chef für alle Szenarien Pläne entwerfen muss. Was ist, wenn im Sommer gar kein Geld für Transfers da ist? Wie ist man schneller als die Konkurrenz, wenn doch etwas geht? „Wir müssen das Scouting so vorbereiten, dass wir für alle Eventualitäten gewappnet sind. Den Anspruch haben wir als Abteilung an uns selbst“, betont Fritz, der seinen Posten erst im November übernommen hat.

Einmal in der Woche telefoniert sich die Abteilung in einer Konferenz zusammen, „in der wir uns abstimmen, Themen besprechen und Arbeitsaufträge festlegen“, erklärt Clemens Fritz. Die Zeit, die durch fehlende Reisen eingespart wird, gelte es sinnvoll zu nutzen. „Wir können zum Beispiel tiefer in eine Liga eintauchen, die wir ansonsten nicht so intensiv verfolgen“, sagt Fritz. Mit schnellen Ergebnissen, aus denen dann wiederum schnelle Transfers werden könnten, ist aber definitiv nicht zu rechnen.

Werder Bremen hatte 2019 bereits im April den Transfer von Niclas Füllkrug bekanntgegeben

Nur zur Erinnerung: Im Vorjahr hatte Werder Bremen bereits im April die Verpflichtung von Niclas Füllkrug für die neue Saison bekanntgegeben. In Zeiten des Coronavirus ist so ein früher Coup ein ausgeschlossenes Szenario. „Wir haben mit Felix Agu ja bereits einen Transfer abgeschlossen. Aber mehr wird aktuell erst einmal nicht passieren“, sagt Fritz, dessen Planungen eher in Richtung Sommer zielen. Dass Felix Agu vom VfL Osnabrück nach Bremen wechselt, steht schon seit dem Jahresende 2019 fest.

Clemens Fritz glaubt generell nicht daran, dass in der aktuellen Lage viel Bewegung in den Markt kommt. Einerseits würden sich gerade auch die Spielerberater spürbar zurückhalten, andererseits sei es eben auch für die anderen Clubs sinnvoll, erstmal abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt. „Dass der Transfermarkt leiden wird“, sagt Fritz, „davon ist auszugehen.“ Für die Zukunft könnte das unter gewissen Umständen sogar von Vorteil sein: „Es ist ja kein Geheimnis, dass der Markt ziemlich aufgebläht ist. Man muss ja nur mal schauen, was für Ablösesummen gezahlt wurden und wo sich der Gehaltsmarkt hinentwickelt hat. Es könnte dem Markt guttun, wenn ein bisschen die Luft rausgelassen wird.“

Werder Bremen: Kaderplaner Clemens Fritz ist weiter erster Ansprechpartner für die Leihspieler

Ob das tatsächlich so kommt, steht aktuell wie so vieles andere in den Sternen. Clemens Fritz und sein Team können es eigentlich nicht – und müssen es doch irgendwie in ihren Planungen berücksichtigen. Videos schauen, sich vorbereiten. Viel mehr geht gerade an konkreter Arbeit nicht. Die Scouts, die sich um das Bremer Bundesliga-Team kümmern, seien damit gut ausgelastet. Die anderen vier, fünf Kollegen, die nach Verstärkungen für das Leistungszentrum Ausschau halten, hätten es da schwerer, „weil einfach das Bildmaterial fehlt“, erklärt Fritz, der übrigens bei Werder Bremen nach wie vor erster Ansprechpartner für die zwölf verliehenen Spieler des Vereins ist.

„Klar spielt der eine oder andere eine Rolle in unseren Planungen für die neue Saison“, sagt der Werder-Ehrenspielführer, um dann, zum Abschluss, noch einmal die Überschrift für alle derzeitigen Scouting- und Kaderthemen zu liefern: „Es ist gerade schwierig, denn wir wissen einfach nicht, wie es weitergeht.“ (dco)

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