Niclas Füllkrug, Stürmer-Star des SV Werder Bremen, im Interview mit den DeichStube-Reportern Malte Bürger (l.) und Daniel Cottäus.
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Niclas Füllkrug, Stürmer-Star des SV Werder Bremen, im Interview mit den DeichStube-Reportern Malte Bürger (l.) und Daniel Cottäus.

Großes DeichStube-Interview

„Ich bin total glücklich bei Werder“: Niclas Füllkrug über seine Zukunft, einen erfüllten Wunsch - und Pokémon-Karten

Murcia – In der Regel zwei Einheiten am Tag, dazu taktische Besprechungen und Einzelgespräche – Trainingslager sind für Fußballprofis stets eine intensive Zeit, was für Niclas Füllkrug von Werder Bremen aktuell in ganz besonderem Maße gilt. Stolze fünf Medientermine zählen für den 29-Jährigen WM-Torschützen während der Tage im spanischen Murcia zum Programm. Im ausführlichen Gespräch mit der DeichStube hat er das Turnier in Katar Revue passieren lassen, hat einen Einblick in seine Zukunftsplanungen gegeben – und verraten, dass er einst verrückt nach Pokémon-Karten war.

Niclas Füllkrug, sind Sie ein Mensch, der gerne sammelt, der Dinge aufbewahrt?

Ach, es geht eigentlich, wobei, doch, da fällt mir ein Thema ein. Als Kind war ich verrückt nach Pokémon-Karten. Ich habe auch heute noch welche. Vor zwei, drei Jahren gab es darum ja mal einen richtigen Hype. Ich habe meine Sammlung damals wieder rausgesucht. Ein extremer Sammler bin ich aber nicht. Worauf bezieht sich die Frage denn?

Darauf, dass es im Jahr 2022 für Sie durchaus einige Momente gab, von denen es sich lohnt, Erinnerungsstücke aufzuheben…

Ja, das stimmt. Um mit Werder anzufangen: Mein Trikot aus dem Regensburg-Spiel, nach dem wir im Mai aufgestiegen sind, habe ich natürlich behalten. Also das aus der ersten Halbzeit. Das aus der zweiten war nach dem Spiel ja plötzlich weg (lacht). Auch das Aufstiegs-Shirt hat einen Ehrenplatz bei mir. Und von der WM aus Katar habe ich mir natürlich auch einige Trikots mitgebracht.

Ihre eigenen oder haben Sie nach den Spielen getauscht?

Nein, getauscht habe ich nicht. Meine Trikots sind mir sehr viel wert. Einige ausgewählte sind an die Familie gegangen. Zudem habe ich von jedem der drei Spiele eines selbst behalten. Die werde ich in Ehren halten. Selbst wenn weitere Länderspiele dazukommen sollten, was ich natürlich hoffe, sind diese Trikots mit dem WM-Aufdruck etwas ganz Besonderes.

Haben Sie nach dem ganzen Rummel um Ihre Person in den vergangenen Wochen etwas zur Ruhe finden können?

Das schon, und ich muss sagen, dass mir die ganze Aufmerksamkeit, gerade vor der WM-Nominierung, fast schon unangenehm war. Es ging mir da einfach zu viel um mich. Deswegen habe ich auch immer wieder verlauten lassen, dass ich extrem von der Mannschaft und der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, profitiert habe. Wenn wir die erste Saisonhälfte auf Tabellenplatz 15 beendet hätten, hätte ich die Möglichkeit, zur WM zu fahren, sehr wahrscheinlich nicht bekommen.

Aber schmeichelt das Rampenlicht nicht auch ein bisschen?

Ein wenig schon. Was mich auf jeden Fall gefreut hat, war, dass ich deutschlandweit gut angekommen bin und sich die Fans mit mir identifizieren konnten. Das ist mir wichtig.

Verfolgt das Testspiel des SV Werder Bremen gegen den FC St. Gallen im Live-Ticker der DeichStube!

Werder Bremens Niclas Füllkrug spricht über Transfer-Spekulationen und seine Zukunft in der Nationalmannschaft

Ist es Ihnen schwergefallen, nach der WM auf den Boden der Tatsachen, sprich zu Werder zurückzukommen?

Nein, gar nicht. Ich habe mein Hauptaugenmerk darauf gelegt, dass die Mannschaft nicht im Geringsten das Gefühl hat, dass ich in irgendeiner Weise verändert bin. Ich bin genau Derselbe geblieben wie vor der WM. Wir waren vorher gemeinsam erfolgreich, und so soll es weitergehen. Ich möchte mit Werder da weitermachen, wo ich im November aufgehört habe.

Nun steht seit der WM aber im Raum, dass Sie Werder in diesem Winter womöglich noch verlassen und zu einem anderen Verein wechseln. Können Sie die Bremer Fans da beruhigen?

Das sind Entscheidungen, an denen mehrere Parteien beteiligt sind. Deswegen ist es schwierig für mich, mich dazu zu äußern. Falls es zu der Konstellation kommt, dass ein Angebot da ist, muss man es bewerten. Ich bin mit Clemens Fritz und Frank Baumann (Werders Leiter Profifußball und Werders Sportchef, Anm. d. Red.) in sehr engem Austausch. Wir müssen einfach schauen, in welche Richtung es sich entwickelt. Ich bin total glücklich bei Werder und weiß, was ich an Werder habe und dass ich auch hier noch die Möglichkeit habe, mich weiterzuentwickeln. Es macht mir total Spaß, meine Rolle in dieser Mannschaft auszufüllen.

Könnte es passieren, dass ein Angebot reinkommt, und Werder Ihnen einen Wechsel nahelegt, weil dem Verein eine hohe Ablösesumme winkt?

Das weiß ich nicht. Wenn ein Angebot vorliegt, werden wir darüber sprechen und schauen, für welche der Seiten es interessant ist. Für beide? Dann kann man darüber reden. Für eine Seite oder gar beide Seiten nicht? Dann wird nicht darüber geredet. Was am Ende passiert, kann ich noch nicht sagen, aber ich bin jetzt seit dreieinhalb Jahren bei Werder, und wer mich kennt, weiß, was es mir bedeutet, für diesen Verein zu spielen.

Wie groß ist Ihre Sehnsucht, einen Titel zu gewinnen?

Da bin ich ganz entspannt. Ich kann nur sagen, dass die Erfahrungen mit der Nationalmannschaft für mich ganz besondere waren. Dort jetzt einen Fuß reinbekommen und auch Leistungen gezeigt zu haben, war für mich etwas Gutes. Es ging mir darum, mir selbst zu beweisen, dass ich auch auf dem Niveau nicht nur mithalten, sondern auch entscheidende Akzente setzen kann.

Wie ist die Absprache mit Bundestrainer Hansi Flick? Sind Sie weiter fest eingeplant?

Der Bundestrainer kommuniziert sehr klar und offen. Wir haben vor, während und auch nach dem Turnier viele gute Gespräche geführt, auch wenn ich jetzt nicht sagen möchte, worum es dabei im Detail ging. Klar ist, dass ich Gas gebe, um weiterhin dabei zu sein.

Das heißt, die Länderspielpause im März halten Sie sich frei?

(lacht) Also Urlaub buche ich da zumindest nicht.

Werder Bremen: Niclas Füllkrug hat die WM in Katar genossen - und verrät, wie ihm die muskulären Oberarme helfen

Es gibt Profis, auch bei Werder, die in der Vergangenheit offen angesprochen haben, dass sie eines Tages gerne im Ausland spielen würden. Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie eine Sehnsuchts-Liga?

Nein. Mein großer Wunsch, den ich viele Jahre vielleicht auch vor mir selber versteckt habe, war, eines Tages in der Nationalmannschaft zu spielen. Ich würde nichts komplett ausschließen, aber es gibt keine Liga, in der ich unbedingt spielen möchte.

Rund um die WM in Katar gab es bekanntermaßen viele Misstöne. Spätestens nach dem Thema mit der „One-Love-Binde“ hatte man den Eindruck, die Nationalelf kann in der deutschen Öffentlichkeit nicht mehr punkten. Wie haben Sie das wahrgenommen?

In meinen Augen wurde in den Medien ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr berücksichtigt, dass die Binde von der Fifa verboten wurde. Manuel Neuer wäre damit gar nicht erst auf den Platz gekommen. Ich darf bei einem Bundesligaspiel unter schwarzen Stutzen auch keine weißen Socken tragen. Das ist mir in der Diskussion viel zu kurz gekommen. Ein Zeichen haben wir mit der Mund-zu-Geste vor dem Japan-Spiel trotzdem gesetzt. In Deutschland wurde das leider eher belächelt.

Es gibt Stimmen, die das Binden-Thema als einen der Gründe für das Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft anführen.

Ich kann da nur für mich sprechen. Mich hat es nicht beeinträchtigt. Bei der WM dabei zu sein, war für mich etwas so Großes und Besonderes, dass ich das Sportliche komplett in den Mittelpunkt stellen konnte. Ich habe es sehr genossen, dabei zu sein.

Kommen wir nochmal zu Werder. Während der bisherigen Spielzeit hat Ihre Mannschaft viele Gegner mit mutigem Fußball überrascht. Glauben Sie, dass die zweite Saisonhälfte schwieriger wird, weil jetzt alle Gegner wissen, dass mit Werder zu rechnen ist?

Wir haben schon in der ersten Saisonhälfte gemerkt, dass einige Mannschaften sehr gut auf uns eingestellt waren. Wir werden auf jeden Fall weiter versuchen, unser Spiel durchzubringen. Wichtig wird sein, dass einige Spieler den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen.

Sie haben sich in Ihrer Karriere schon vier schwere Knieverletzungen zugezogen, die letzte 2019. Denken Sie manchmal: Was wäre ohne diese Verletzungen schon alles möglich gewesen?

Nein. Ich sehe vielmehr, dass trotzdem alles möglich ist. Viele waren sich nach den Verletzungen nicht sicher, ob das mit mir nochmal etwas wird, und jetzt habe ich meine bis dato persönlich größten Erfolge erlebt. Das macht mich noch gieriger, weiterzumachen.

Zuletzt haben Ihre muskulösen Oberarme öffentlich Beachtung gefunden, weil Thomas Müller sie lobend erwähnt hat. Was hat ein Stürmer von starken Armen?

(lacht) Mir geben sie ein gutes Gefühl. Ich fühle mich stark und merke, dass ich in den Zweikämpfen mehr Vorteile habe als in den Jahren davor. Das hat insgesamt etwas mit dem Gewicht zu tun. Ich wiege sehr viel mehr als früher, konnte den Körperfettanteil aber trotzdem unten halten. In dieser Form fühle ich mich sehr wohl und gesund.

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Werder Bremen-Stürmer Niclas Füllkrug schafft 1000-Liegestütze-Challenge in 49 Minuten

Werders ehemaliger Profi und Co-Trainer Tim Borowski hat kürzlich verraten, dass Sie mit einer speziellen Liegestütz-Challenge arbeiten…

Das ist aber schon länger her. Während meiner letzten Knieverletzung 2019 hat es mich nicht zufriedengestellt, einfach nur rumzuliegen. Ich wollte irgendetwas machen. Da habe ich bei YouTube die Challenge „1000 Liegestütz in unter einer Stunde“ gefunden. Das war gutes Training.

Haben Sie’s geschafft?

Ich habe 49 Minuten gebraucht.

Herr Füllkrug, zum Abschluss haben wir noch vier offene Sätze, die Sie bitte beenden. Der erste lautet: Das Sportjahr 2023 war ein gutes für mich, wenn…

Puh, schwierig. Ich sage: Wenn wir die bisherigen Leistungen in der Bundesliga bestätigen können.

Meinen laufenden Vertrag bei Werder…

(lacht) Bewahre ich zu Hause in meinem Büro auf.

In meiner Karriere möchte ich noch erleben, dass…

Christian Groß ein weiteres Tor schießt.

Okay, letzter Satz: Während der EM 2024 bin ich…

(überlegt lange) Bis dahin kann noch viel passieren, und große Ankündigungen mag ich nicht. Deshalb sage ich: Deutschland-Fan. (dco/mbü)

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