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Doppelte Krise beim SV Werder Bremen: Sportlich und bedingt durch das Coronavirus. Müssen Top-Verdiener wie Davy Klaassen verkauft werden?

SV Werder in finanzieller Schieflage

Top-Verdiener im Schaufenster: Droht SV Werder Bremen nach der Corona-Krise der große Ausverkauf?

Bremen – Natürlich ist es weit voraus gedacht. Natürlich muss Werder Bremen zunächst zwei Krisen überwinden – die sportliche, die sich der Tabellenvorletzte der Bundesliga mit den schlechten Ergebnissen selbst eingebrockt hat, und die finanzielle, die das Coronavirus ausgelöst hat.

Falls der SV Werder Bremen beides überstehen sollte und am Ende der Krisen weiter erstklassig sein sollte, wird nicht automatisch alles gut sein. Dann beginnt das große Sparen, das vor allem im Kader deutliche Spuren hinterlassen wird. Das Team wird ein anderes sein, weil es billiger werden muss – aber wie viel anders und wie viel billiger? Wen wird es treffen? Allein mit dem (fest eingeplanten) Verkauf von Milot Rashica wird es kaum getan sein. 

Werder Bremen braucht Geld: Ausverkauf von Davy Klaassen und Co.?

Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung, hat unlängst die Zahlen des Schreckens offengelegt. Verluste bis zu 40 Millionen Euro seien zu befürchten, sagte der Clubchef, erstmals seit der Ausgliederung der Profi-Abteilung hat die SV-Werder-Kapitalgesellschaft einen Kredit aufgenommen. In zweistelliger Millionenhöhe. Es ist eine Maßnahme, um kurzfristig das Überleben zu sichern. Langfristig geht es jedoch auch und vor allem darum, den Etat für den Bundesliga-Kader des SV Werder Bremen zu senken. Die Ausgaben müssten in diesem Bereich „deutlich reduziert“ werden, hatte Filbry angekündigt. 

Aktuell kostet der Kader in etwa 58 Millionen Euro pro Saison. Wie groß das Budget in der kommenden (Erstliga?)-Saison noch sein darf, sagte Filbry zwar nicht, doch es ist wohl keine Frage, dass zum einen kleine Namen verschwinden werden, um den derzeit stolze 32 Spieler umfassenden Profi-Kader zu verschlanken und kostengünstiger zu machen. Zum anderen muss es für die große Wirkung aber auch große Namen treffen, die Promis des Teams eben. In einer Zeit, in der der Transfermarkt im Tiefschlaf versunken ist, wird Werder gezwungen sein, einen Teil des ohnehin spärlichen Tafelsilbers zu verkaufen. 

Milot Rashica steht dabei an erster Stelle, weil er trotz allem immer noch eine Ablöse zwischen 20 und 30 Millionen Euro verspricht – quasi eine Soforthilfe, ein Feuerlöscher. Aber eine langfristige und ausreichende Entlastung des Etats ist mit ihm allein nicht zu erreichen. Andere Gutverdienende werden bei Werder Bremen ebenfalls auf die Verkaufsliste rücken. Ein Überblick über die Kandidaten. 

Jiri Pavlenka 

Als der Torhüter im Sommer 2018 seinen Vertrag vorzeitig verlängerte, stieg er vom Otto-Normal-Profi zum Gehaltsmillionär auf. Auf zwei Millionen Euro wird sein Gehalt geschätzt. Ihn im Sommer 2020 zu verkaufen, war schon damals der Plan. Nun würden eine gute Ablöse und das eingesparte Gehalt gleich doppelt helfen. Allerdings ist der Marktwert des 28-jährigen Jiri Pavlenka zuletzt im Krisen-Doppelpack von zwölf Millionen Euro auf nur noch 6,5 Millionen abgesackt. Und Pavlenka lässt nicht gerade einen unbändigen Wechselwillen erkennen. Im aktuellen Werder-Podcast erklärt er: „Alle sagen immer, ich gehe weg. Aber ich sage das nicht.“ 

Ludwig Augustinsson 

Ein Linksverteidiger mit internationalem Niveau und einer ähnlichen Situation wie bei Pavlenka: Vertragsverlängerung 2018 mit angehobenem Gehalt und dem Plan, ihn vor Ablauf des bis 2022 geschlossenen Kontrakts gut zu verkaufen. Allerdings gibt es gewiss bessere Umstände als die aktuellen, um den Schweden zu verkaufen. Obwohl es schwer werden dürfte, für ihn eine zweistellige Millionen-Ablöse zu generieren, bietet Ludwig Augustinsson immer noch eine attraktive Kombination aus Transfererlös und Gehaltseinsparung. Zudem haben die Bremer in Felix Agu vom VfL Osnabrück bereits einen Außenverteidiger für die Zukunft verpflichtet. 

Maximilian Eggestein 

Wie sich die Dinge um ihn entwickelt haben, tut richtig weh. Sein steiler Aufstieg führte ihn bis in den Nationalmannschaftskader und bis in traumhafte Ablösegefilde. 30 Millionen Euro soll der Mittelfeldspieler noch vor einem Jahr wert gewesen sein – eine irre Zahl. Jetzt wären mit Maxi Eggestein, der durch seine Vertragsverlängerung im April 2019 zu den Spitzenverdienern im Club aufstieg und nun bei 2,5 Millionen Euro Jahressalär liegen dürfte, vielleicht noch die Hälfte oder gar nur ein Drittel dieser Summe zu erlösen. Seine Leistungskrise ist auch die Krise des SV Werder Bremen – oder umgekehrt. 

Davy Klaassen 

Muss Davy Klaassen am Ende verkauft werden, weil er so teuer ist? Der Niederländer steht angeblich an der Spitze der Gehaltsliste – mit drei Millionen Euro. Die Gegenleistung war zuletzt, wie bei Eggestein, sehr überschaubar. 

Nuri Sahin 

Erfahren, hoch dekoriert, teuer. Nuri Sahin (31) liegt wohl in einer Gehaltsgruppe mit Pavlenka und Augustinsson. Sein Vertrag läuft jedoch aus, eine Verlängerung ist unwahrscheinlich. Es sei denn, der 31-Jährige wäre bereit, deutliche Gehaltseinbußen zu akzeptieren. 

Niclas Füllkrug und Davie Selke 

Die Stürmer Niclas Füllkrug und Davie Selke sind beide keine Billiglösungen, werden aber bleiben. Für Füllkrug gibt es nach seiner erneuten Knieverletzung keinen Markt, Selke ist noch bis 2021 ausgeliehen, muss dann gekauft werden. 

Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt 

Zwei weitere Leihspieler mit Millionengehältern, die zudem nach der Saison, aber nur im Falle des Klassenerhalts, zusammen 13 Millionen Euro Ablöse kosten werden – von Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt ist also keine finanzielle Entlastung zu erwarten. Kevin Vogt, der Winter-Neuzugang, wird Werder Bremen dagegen verlassen. Die Bremer werden ihn schlicht nicht bezahlen können. (csa)

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