Werder Bremens Kaderplanung

Mit Plan B in den Heuhaufen: Nach den geplatzten Transfers von Kyereh und Singh bastelt Werder Bremen an anderen Lösungen

Bremen - Wenn es um Prognosen geht, dann ist beim SV Werder Bremen nach den jüngsten Erlebnissen eigentlich höchste Vorsicht geboten. Keine zwei Wochen ist es schließlich her, dass Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, während einer Charity-Veranstaltung öffentlichkeitswirksam den baldigen Transfer eines Offensivspielers ankündigte. „Das war tatsächlich etwas verfrüht“, meinte am Sonntag auch Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball, schmunzelnd.

Denn seither ist vieles in die falsche Richtung gelaufen. Sarpreet Singh, den Filbry damals meinte, kam aufgrund einer Schambeinentzündung doch nicht von den Bayern, auch der kreative Wunschspieler Daniel-Kofi Kyereh vom FC St. Pauli sagte kürzlich ab. Clemens Fritz wagte mit Blick auf den Trainingslager-Start am 30. Juni im österreichischen Zell am Ziller dennoch ein neuerliches Versprechen. „Was ich sagen kann, ist, dass noch etwas passieren wird“, hob der 41-Jährige hervor. „Es ist aber manchmal nicht ganz einfach, eine genaue Prognose für den Tag oder die Woche abzugeben.“ Mit anderen Worten: Werder Bremen hat also seine Hausaufgaben gemacht und nicht einzig und allein auf die Herren Singh und Kyereh gesetzt – was aber auch kaum vorstellbar ist. Bei der Frage nach einem Plan B antwortete Fritz denn auch kurz und knapp: „Der ist vorhanden.“

Nach den geplatzten Transfers von Sarpreet Singh und Daniel-Kofi Kyereh verfolgt Werder Bremen andere Pläne

Namen nannte er auch dieses Mal nicht. Aber der Ex-Profi erneuerte den Wunsch, in welchen Bereichen sich der Bremer Kader noch verändern soll. Und das sind nicht eben wenige. „Wir werden auf den Positionen auf der Außenbahn noch etwas machen, im Mittelfeld und im Angriff natürlich auch“, zählte er auf. Nicht wenige Fans von Werder Bremen wünschen sich für die Bundesliga-Rückkehr vor allem die seit Jahren ersehnte Verpflichtung eines neuen Sechsers, widmen ihr die gesamte Aufmerksamkeit. Clemens Fritz schaut dennoch lieber weiterhin aufs große Ganze: „Ich kann jetzt nicht sagen, dass eine Position die wichtigste ist. Alle Positionen sind wichtig.“ Doch dieses Gesamtpaket muss erst einmal gestemmt werden. „Wir müssen schauen, was im Endeffekt genau umsetzbar ist“, sagte Fritz, „denn wir haben natürlich unsere wirtschaftlichen Vorgaben, an die wir uns halten müssen.“

Werder Bremen: Clemens Fritz kündigt weitere Transfers an - „Prognose für den Tag oder die Woche ist aber schwierig“

Da war es wieder, das liebe Geld. In der Defensive hat Werder Bremen in dieser Hinsicht passende Lösungen parat gehabt. Während Großverdiener Ömer Toprak ging, kamen ablösefrei die bundesligaerprobten Akteure Amos Pieper (Arminia Bielefeld) und Niklas Stark (Hertha BSC) hinzu. Der Blick aufs Konto ist deshalb zwar noch immer kein Hochgenuss, aber er bietet zumindest Spielraum ohne weitere Stammkräfte vorher abzugeben. „Ich werde nicht auf Details bezüglich unseres Budgets eingehen“, meinte Clemens Fritz, „klar ist aber, dass wir nicht unbedingt Spieler verkaufen müssen. Wir haben da schon noch finanzielle Mittel zur Verfügung.“ Und dann sagte er ziemlich leichtfüßig daher, worauf es für die Bremer im Kern ankommt, um auch perspektivisch im deutschen Oberhaus wieder eine Rolle zu spielen: „Wichtig ist, jetzt das Richtige zu tun, was für uns sinnvoll ist und auch wirtschaftlich passt.“

Werder Bremen braucht personelle Volltreffer. Und Sportchef Frank Baumann und Clemens Fritz ebenso. Sonst sind die Kritiker, die nach den Transfers von Pieper und Stark durchaus anerkennend genickt haben, plötzlich wieder kopfschüttelnd und verurteilend zur Stelle. Auch wenn sich die beiden Entscheider davon bei ihrer täglichen Arbeit nicht wirklich beeindrucken lassen. Trotzdem gilt: „Wir müssen uns punktuell noch verstärken und daran arbeiten wir natürlich intensiv“, unterstrich Fritz, der aber aufgrund der finanziellen Zwänge auch nicht unerwähnt lassen wollte: „Klar sind dann auch gewisse Spieler, an denen wir Interesse hatten oder hätten, wirtschaftlich nicht möglich zu verpflichten.“

Werder-Bremen-Leiter Profifußball Clemens Fritz über Transfers: „Wir müssen uns punktuell noch verstärken“

Das ist an anderen Bundesliga-Standorten anders. Branchenprimus Bayern München soll unmittelbar vor einer 40 Millionen Euro schweren Verpflichtung von Sadio Mané (FC Liverpool) stehen, RB Leipzig holte Xaver Schlager für zwölf Millionen Euro von Ligakonkurrent VfL Wolfsburg. Beispiele, die zeigen, wie groß das Gefälle in der Liga längst ist. Die klammen Bremer brauchen da andere Lösungen, die Schmerzgrenze des Aufsteigers für Spieler des Kalibers Daniel-Kofi Kyereh liegt deutlich niedriger. Da hilft es vielleicht, dass der Transfermarkt aus Sicht von Clemens Fritz auch in diesem Jahr dem des Vorsommers ähnelt. „So viele Transfers haben bislang noch nicht stattgefunden. Man merkt, dass Covid die Vereine wirtschaftlich doch stark belastet“, erläuterte er. „Jeder sucht gefühlt die Nadel im Heuhaufen, allen geht es gleich. Aber man kann davon ausgehen, dass noch einiges passieren wird.“ In Deutschland. Aber auch bei Werder Bremen. Auch wenn noch nicht alle Nadeln herausgepickt wurden. Aber so viel Vorhersage war dann doch erlaubt. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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