Milot Rashica zählt bei Werder Bremen zu den heißen Verkaufskandidaten.
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Milot Rashica zählt bei Werder Bremen zu den heißen Verkaufskandidaten.

Werder Bremen braucht Geld durch Transfers

Etliche Spieler sollen gehen, aber von einem Verkaufsrausch ist beim SV Werder Bremen noch nichts zu spüren

Bremen – Wie in jedem Jahr ist auch in 2021 bei Werder Bremen und Co. Verlass auf sie. Allerspätestens nach dem Saisonende sind sie da. Manche nur für kurze Zeit, als schnelle Schlagzeile. Andere hingegen deutlich länger, hartnäckiger, ehe einige von ihnen wiederum zur Gewissheit werden: Transfergerüchte.

Das große „Was-wäre-eigentlich-wenn?“, das Fußball-Fans durch die spielfreie Zeit während des Sommers trägt und dabei sowohl für Verlustängste als auch für Zukunftseuphorie sorgen kann. So weit so normal. Für die Anhänger des SV Werder Bremen dürfte die kommende Zeit allerdings ein neues Höchstmaß an spannenden Spieler-Spekulationen bereithalten, wenn auch zunächst überwiegend nur in eine Richtung. Schließlich will und muss der Bundesliga-Absteiger zwingend Profis verkaufen, um sich finanziell über Wasser halten zu können. Und der Verkaufsrausch muss zeitnah einsetzen, denn ohne Abgänge sind Planungen für die kommende Saison bei Werder blockiert.

Werder Bremen will 20 Millionen Euro Transferüberschuss erwirtschaften

Dass die Branche um die besonderen Bremer Umstände weiß, macht die Sache nicht einfacher. Und dennoch ist Werders Ziel ambitioniert: Möglichst 20 Millionen Euro Transferüberschuss wollen die Bremer in diesem Sommer erwirtschaften, was in den Planungen nur das erste Etappenziel darstellt. Beim Blick auf die Vertragslaufzeiten der Profis wird klar, dass einige von ihnen ganz automatisch und mit einer hohen Dringlichkeit zu Verkaufskandidaten werden.

Insgesamt zehn Spieler (namentlich Jiri Pavlenka, Milos Veljkovic, Ludwig Augustinsson, Christian Groß, Kevin Möhwald, Milot Rashica, Yuya Osako, Josh Sargent, Eren Dinkci und Johannes Eggestein) gehören aktuell dem Bremer Aufgebot an, deren Verträge im kommenden Jahr auslaufen, die dann also ablösefrei wechseln könnten, was sich Werder Bremen auf keinen Fall leisten kann. Heißt also: Sie entweder jetzt verkaufen oder mit ihnen verlängern. Zweiteres ist bei Pavlenka, Veljkovic, Augustinsson, Rashica und Sargent ausgeschlossen. Einerseits, weil sie sich selbst nicht in der 2. Bundesliga sehen und andererseits, weil sie mit ihren entsprechenden Marktwerten stattliche Erlöse versprechen. Auch wenn die vom Branchenportal „transfermarkt.de“ ermittelten Summen – Pavlenka ist demnach beispielsweise 5,5 Millionen Euro wert, Sargent neun und Rashica zwölf – in der Corona-Pandemie nur schwer zu erzielen sein werden. Immerhin: In der Welt der Transfergerüchte tauchen Pavlenka (Türkei), Josh Sargent (Frankfurt) und Rashica (Bayern, Frankfurt) längst auf.

Transfers: Kevin Möhwald wird Werder Bremen wohl erhalten bleiben

Bei Christian Groß und Kevin Möhwald spricht hingegen einiges dafür, dass sie der Mannschaft erhalten bleiben. Während der 32-jährige Groß, der bei Werder Bremen nach der aktiven Karriere weiterarbeiten möchte, ohnehin keine Wechselambitionen haben dürfte, ist es vorstellbar, dass Werder Bremen bei Möhwald zur Not das Risiko eingeht, ohne Vertragsverlängerung mit ihm weiterzumachen. Schließlich hat der 27-Jährige während seiner Nürnberger Zeit bewiesen, dass er ein herausragender Mittelfeldspieler der 2. Liga sein kann. Darüber hinaus dürften die Interessenten für ihn in diesem Sommer nicht gerade Schlange stehen.

Ähnliches gilt für Yuya Osako, bei dem es trotzdem eher nach Trennung aussieht. Viel wird davon abhängen, inwieweit Neu-Trainer Markus Anfang den 31-Jährigen als geeignet für die 2. Liga einstuft. Allein wegen ihres Alters sind Eren Dinkci (19) und Johannes Eggestein (24) jedenfalls zwei Stürmer mit verheißungsvollerer Perspektive. Bei Talent Dinkci ist eine Vertragsverlängerung ein Muss, bei Eggestein, der gerade erst sein Leih-Jahr in Linz hinter sich gebracht hat, eigentlich auch. Dass Werder Bremen dem Angreifer nach dem Abstieg eine tragende Rolle im Team zutraut, ist bekannt. Aber will Eggestein das auch? Der Angreifer hatte zuletzt schon „eine klare Perspektive“ für sich eingefordert. Es ist schwer vorstellbar, dass er damit einen Zweitliga-Vertrag in Bremen meint. Vorstellbar ist vielmehr ein Verkauf - aus rein wirtschaftlichen Gründen. Aus sportlichen Gründen lohnt aber auch der Gedanke, Eggestein in die Mission Wiederaufstieg einzubinden und das Risiko einzugehen, ihn im Sommer 2022 eventuell ablösefrei ziehen lassen zu müssen.

Bis Ende Juni will Werder Bremen auf dem Transfermarkt 9,4 Millionen Euro einnehmen

Neben den Spielern mit nahendem Vertrags-Ablaufdatum sind freilich auch Marco Friedl, Maximilian Eggestein und Ömer Toprak (alle Vertrag bis 2023) Kandidaten für einen Abgang. Namen kommentieren möchte Sportchef Frank Baumann aber nicht. „Es ist bekannt, wie unser Kader aussieht und welche Spieler Verkaufskandidaten sind“, sagt er nur. Die Zielvorgabe, die es für ihn auf dem Transfermarkt zu erreichen gilt, ist hingegen exakt beziffert.

Kurzfristig, also bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres am 30. Juni, will Werder Bremen 9,4 Millionen Euro einnehmen, um die Bilanz etwas besser aussehen zu lassen. So steht es in dem Prospekt, den der Verein zu seiner Mittelstandsanleihe herausgegeben hat. Eine Summe, die sich wohl nur durch einen schnellen Verkauf von Milot Rashica oder Josh Sargent realisieren lässt. Bis zum Ende der Sommer-Transferphase sollen es dann insgesamt 20 Millionen Euro Transferüberschuss sein, bis zum Sommer 2022 in Summe sogar 30 Millionen Euro.

Werder Bremen muss in den kommenden Transferphasen viele Spieler verkaufen

„Leicht wird es nicht, aber einfach kann jeder“, schmunzelt Baumann, angesprochen auf die großen Zahlen. Aber es ist ein bittersüßes Lächeln. Denn der 46-Jährige weiß auch, dass er gar keine andere Wahl hat. Sein Verein hat durch die Corona-Krise rund 35 Millionen Euro an Mindereinnahmen, zu denen sich noch einmal 40 bis 45 Millionen Euro durch den Abstieg gesellen. Mit einem durch eine Landesbürgschaft abgesicherten Kredit (20 Millionen Euro) sowie durch die Mittelstandsanleihe (17 Millionen Euro) hat Werder Bremen seine Liquidität vorerst gesichert, was den Druck etwas verringert, Spieler abgeben zu müssen. Dennoch bleibt er groß. Auch dass sich die Gehälter der Profis in der 2. Liga um 40 bis 60 Prozent reduzieren, hilft enorm. Ändert aber letztlich nichts an Baumanns Auftrag für die kommenden zwei bis drei Transferphasen: verkaufen, verkaufen, verkaufen. (dco) Auch interessant: Fundamentale Zweifel an Werder Bremens Entscheidungen - Tim Borowski erklärt sein Aus! Und: Doppelpacker Milot Rashica führt Kosovo zum Sieg, Jiri Pavlenka kassiert Packung gegen Italien!

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