Frank Baumann (l.) und Clemens Fritz haben für diese Woche Neuzugänge bei Werder Bremen angekündigt - gekommen ist aber bisher kein einziger neuer Spieler für die Profi-Mannschaft.
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Frank Baumann (l.) und Clemens Fritz haben für diese Woche Neuzugänge bei Werder Bremen angekündigt - gekommen ist aber bisher kein einziger neuer Spieler für die Profi-Mannschaft.

Wo bleiben die angekündigten Wechsel?

Stillstand bei Neuzugängen - Werder Bremen wehrt sich gegen Transfer-Kritik: „Wir sind ja nicht an der Taktiktafel“

Bremen – Auch der Donnerstag verstrich, ohne dass sehnlichst erwartete positive Nachrichten die Gemüter der Werder-Fans gestreichelt hätten. Nicht mal der allseits erwartete Transfer von Ludwig Augustinsson zum FC Sevilla wurde offiziell verkündet. Nur der sportlich wie wirtschaftlich kaum ins Gewicht fallende Abgang von Ersatztorhüter Stefanos Kapino, der künftig das Trikot von Arminia Bielefeld tragen wird, bereicherte die Nachrichten rund um den SV Werder Bremen.

Dabei ist es aber aktuell viel drängender, Neuzugänge präsentieren zu können. Wenigstens einen. Aber nix da. Tag 82 nach dem Abstieg aus der Bundesliga verstrich, ohne dass der Kader des SV Werder Bremen für die 2. Liga klarere Konturen bekommen hätte. Längst mutiert bei einigen Fans die Ungeduld zum Unmut, längst murren die Anhänger über das Schritttempo, in dem der Umbau der Mannschaft vorangeht. Man kann es ihnen nicht verdenken. Doch die Bremer Verantwortlichen werben weiter für Verständnis.

Es ist speziell der durchaus als ungewöhnlich zu bezeichnende Vorgang in der Offensive, den so mancher Werder-Sympathisant nicht mehr versteht. Dass die Bremer innerhalb weniger Tage in Josh Sargent, Johannes Eggestein und Yuya Osako drei Offensive abgeben, sich damit finanziell den gewünschten Handlungsspielraum verschaffen, dann aber eine Woche lang kein Neuzugang für diese oder eine andere Position präsentiert wird, ist nicht das, was vom Team um Sportchef Frank Baumann erwartet worden war. Tatsächlich ist die Frage, ob die aktuelle Situation mit einer extrem dünnen Offensive angesichts eines mehrwöchigen Planungsvorlaufs nicht hätte vermieden werden können, vermieden werden müssen. Schließlich waren die Abgänge ja geplant und gewollt, wieso aber laufen die in die Gegenrichtung gehenden Planungen bislang ins Leere?

Hat Werder Bremen wirklich seine Transfer-Hausaufgaben gemacht? Clemens Fritz hält Kritik für ungerecht

Statt eines neuen Stürmers gibt es nur die Meldung über das Interesse an Marvin Ducksch – jedoch inklusive eines klaren Nein von Hannover 96, das seinen Torjäger nicht abgeben will. Werder Bremen, so scheint es, prallt hart ab an dieser Weigerung. Der frische Angreifer, dessen Verpflichtung Baumann für die laufende Woche angekündigt hatte, wird auch am Freitag und damit zwei Tage vor dem Heimspiel gegen den SC Paderborn noch nicht in Bremen auf dem Trainingsplatz stehen. Da muss es erlaubt sein, zu fragen, ob Werder wirklich all seine Hausaufgaben gemacht hat.

Clemens Fritz bekommt bei diesem Thema einen erhöhten Puls. Als Leiter Profi-Fußball und Scouting ist er der engste Mitarbeiter Baumanns. Fritz versteht einerseits die Kritik, die Ungeduld, andererseits hält er sie nicht für gerecht. „Auch wenn man im Vorfeld einen Transfer abgeklopft hat, ist die Realisierung am Ende nicht immer ganz einfach“, sagt er. Zur Veranschaulichung könnte dabei das Beispiel Ducksch dienen. Der Spieler hat aus einer gemeinsamen Zeit bei Holstein Kiel eine sehr enge Bindung zu Werder-Trainer Markus Anfang. Angeblich würde er deshalb auch gerne zu Werder Bremen wechseln wollen, vor einem Jahr soll sogar ein Transfer zu Darmstadt 98, Anfangs damaligem Club, im Raum gestanden haben. Doch auch damals sperrte sich 96. Anfang hatte diese Transferproblematik unlängst so beschrieben: „Da hängt noch ein Berater mit drin, ein anderer Verein, ein Sportdirektor, ein Trainer und vielleicht noch ein Präsident.“

Werder Bremen: Kader immer noch extrem unfertig - Kein Plan B bei geplatzten Transfers?

Zwar sind das die normalen Hürden bei jedem Spielerwechsel, Werder Bremen fällt es aktuell aber doppelt schwer, sie zu überspringen, weil die finanziellen Mittel so begrenzt sind wie noch nie. Anfang: „In der Theorie ist es leicht zu sagen, dass alles schneller gehen müsste. Die tatsächliche Umsetzung ist aber zwangsläufig schwierig.“ Oder wie Fritz es ausdrückt: „Wir sind ja nicht an der Taktiktafel, wo du den einen Spieler raus- und den anderen dafür reinschiebst.“

Alles gut, alles richtig. Dennoch: Bald zwölf Wochen, seitdem feststeht, dass Werder in Liga zwei einen Neuanfang starten muss, ist die Mannschaft noch extrem unfertig. Die Verpflichtung von Fredrik Aursnes, norwegischer Nationalspieler und ein Werder-Wunschkandidat für das Mittelfeld, war lange in der Schwebe und ist dann geplatzt. Feyenoord Rotterdam bekam den Zuschlag. Dass Werder Bremen auf diesen Rückschlag sofort mit Plan B reagiert hätte, kann aber genauso wenig behauptet werden wie nach dem Aderlass im Sturm. Auf die gewünschte frische Kraft für das Mittelfeld warten die grün-weißen Fans noch genauso wie auf einen Mittelstürmer sowie einen Außenangreifer. Und wenn Ludwig Augustinsson jetzt zum FC Sevilla geht, gibt es den Handlungsbedarf auf den Außenverteidiger-Positionen auch nicht mehr nur in der Theorie, sondern in der Realität. Ganz massiv sogar.

Werder Bremen: Erwartete Abgänge und Stillstand bei Neuzugängen, aber Markus Anfang warnt vor Aktionismus

Um es klar zu sagen: Kein einziger der Abgänge kommt überraschend. Und mit den erlösten Ablösesummen (je 11 Millionen Euro für Sargent und Milot Rashica, in Summe drei Millionen Euro plus X für Osako und Eggestein sowie vermutlich bis zu 7,5 Millionen für Augustinsson) hat Werder Bremen gesteckte Zwischenziele auch erreicht. Überraschend und unbefriedigend ist aber, dass Gegenmaßnahmen so lange auf sich warten lassen. Markus Anfang übernimmt die Rolle des Vertrösters und sagt, was im Fußball in solchen Situationen eben gesagt wird. „Es ist total in Ordnung, kritisch zu sein. Ich nehme das auch an. Das größte Problem wäre es aber, jetzt einen Spieler zu holen, nur um einen Neuzugang präsentieren zu können. Das wäre nicht Sinn und Zweck der Sache, das wäre Aktionismus.“ Ja, stimmt. Aber Stillstand ist eben das andere Extrem.

Um final über die Bremer Transferpolitik zu urteilen, ist es allerdings immer noch viel zu früh. Das Transferfenster schließt erst am 31. August, es bleiben für Baumann und seine Mannschaft also noch einige Tage, um die Dinge in ein anderes Licht zu rücken, um die sich verfestigenden Urteile der Fans aufzubrechen und den wachsenden Unmut zu stoppen. (csa)

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