Werder Bremen feiert den Sieg gegen Jahn Regensburg - auch möglich gemacht durch Trainer Ole Werner, der große Ruhe ausstrahlt.
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Werder Bremen feiert den Sieg gegen Jahn Regensburg - auch möglich gemacht durch Trainer Ole Werner, der große Ruhe ausstrahlt.

Nach 3:2 gegen Jahn Regensburg

Dank Werner-Wellness: Der SV Werder Bremen darf nun wieder vom Aufstieg träumen

Regensburg – Sehen konnte er es aus der Entfernung nicht, weshalb Ole Werner zumindest einige Sekunden lang befürchtet haben muss, dass seiner Mannschaft da gerade im allerletzten Augenblick doch noch zwei wertvolle Punkte durch die frostigen Finger geglitten waren. „Ich hatte eine ganz schlechte Position, aber der Linienrichter hat zum Glück schnell die Fahne gehoben“, sagte der Trainer des SV Werder Bremen hinterher nüchtern über die Szene, die zum vermeintlichen Regensburger Ausgleich in der Nachspielzeit geführt hatte, dann aber wegen Abseits zurückgepfiffen worden war.

Dieses Wechselbad der Gefühle dürfte den Puls so manch eines Bremers mitten im bayerischen Winter rasant in die Höhe getrieben haben, doch Ole Werner reagierte äußerlich mit maximaler, ja beinahe schon stoischer Gelassenheit. Im Nachgang an den hart umkämpften 3:2-Erfolg seiner Mannschaft beim Tabellendritten, Werners zweiten Sieg im zweiten Spiel als Werder-Trainer, wurde dann mehr als deutlich, dass es genau diese unglaubliche Unaufgeregtheit des 33-Jährigen ist, die Werder Bremen gerade so stark macht.

Werder Bremen-Sieg gegen Jahn Regensburg: Ole Werner hilft Spielern mit Ruhe und Sachlichkeit

Den wohl anschaulichsten Beleg dafür lieferte Leonardo Bittencourt, der Torschütze des zwischenzeitlichen 1:1 (39.), was durchaus besonders betont werden darf, weil der 27-Jährige mit brasilianischen Wurzeln in Sachen Temperament und Feuer den kompletten Gegenentwurf zu seinem Trainer darstellt. „Ole Werner ist total ruhig, total entspannt, ein sehr angenehmer Typ“, schwärmte Bittencourt am TV-Mikrofon und hielt begeistert fest: „Er macht in seiner Anfangszeit nichts Wildes. Diese Ruhe, die er reinbringt, hat der Verein gebraucht, denn die Hinrunde war schon wild genug bei uns. Und dann kommt da so ein Trainer, der einfach ruhig und sachlich ist. Er packt die Mannschaft so an, wie sie es braucht.“

Werner-Wellness, sozusagen. Nach den vielleicht turbulentesten Wochen der Vereinsgeschichte, die der Impfpass-Skandal rund um Ex-Trainer Markus Anfang ausgelöst hatte, ist es eigentlich nur logisch, dass die Profis des SV Werder Bremen die neue Sachlichkeit, die mit dem neuen Trainer an den Osterdeich geweht wurde, als echte Wohltat empfinden. Auf dem Platz war das sowohl beim 4:0 gegen Erzgebirge Aue als auch nun gegen Jahn Regensburg zu beobachten – wenn auch in unterschiedlicher Art und Weise.

Werder Bremen stolz auf den Sieg gegen Jahn Regensburg und die Erkenntnis, Spiele drehen zu können

Während sich beim Kantersieg in der Vorwoche der Widerstand des Gegners doch arg in Grenzen gehalten hatte und sich Werder Bremen phasenweise an sich selbst begeistern konnte, war das Spiel in Regensburg über weite Strecken doch eher sperrig, inklusive frühem Rückstand durch einen Treffer von Steve Breitkreuz (5.). So war es für Ole Werner am Ende dann auch „die Haupterkenntnis des Abends“, dass seine Mannschaft in der Lage sei, auf Rückstände zu reagieren: „Das gibt uns ein gutes Gefühl.“

In der Tat hatte Werder Bremen die Anfangsphase zwar verschlafen (Werner: „Wir waren in den ersten zehn, 15 Minuten nicht so auf dem Platz, wie wir uns das erhofft hatten“), ließ sich davon aber nicht aus der Bahn werfen, sondern kämpfte sich ins Spiel. Das wurde mit guten Offensivaktionen und letztlich mit den Toren von Bittencourt, Marco Friedl (59.) und Marvin Ducksch (89.) belohnt. „Uns ist es gelungen, eine gute Reaktion zu zeigen“, freute sich Ole Werner. Nach dem späten Anschluss durch Sarpreet Singh (90.+2) mussten die Bremer zwar noch mal gehörig zittern und die bangen Augenblicke rund um das Abseitstor von Aygün Yildirim (90.+4) überstehen. Dann war es allerdings geschafft. Auf die drei Punkte, geholt bei „einer Spitzenmannschaft der 2. Liga“, könne das Team stolz sein, sagte Werner.

Werder Bremen träumt nach Sieg gegen Jahn Regensburg wieder vom Bundesliga-Aufstieg

Und das waren die Spieler auch, unüberseh- und hörbar. „Wir wussten, dass wir eine Riesenchance haben, wieder ganz oben mitzumischen, wenn wir gewinnen“, strahlte Friedl, „das war unser Ziel, und ich glaube, das hat man auch gesehen“. Bittencourt wurde sogar noch etwas deutlicher und sprach das aus, was die Fans hören wollen: „Ich will aufsteigen, viele andere Jungs wollen das auch. So langsam greift ein Rädchen ins andere. Wir sind alle fit, die Mannschaft ist intakt. Die Rückschläge haben uns zusammengeschweißt. Das kann der Pluspunkt sein.“

Mit 26 Zählern auf dem Konto hat Werder Bremen die Hinrunde zwar nur als Tabellenneunter beendet, aber die Aufstiegsränge sind - mal abgesehen von Spitzenreiter St. Pauli - in Sichtweite. Legt die Mannschaft am kommenden Sonntag zum Rückrunden-Auftakt bei Hannover 96 einen weiteren Sieg nach, kann sie endgültig wieder von der direkten Bundesliga-Rückkehr träumen. „Man darf durchaus Ziele haben, die einen locken“, räumte Werner ein, schaltete dann aber schnell wieder in den bewährten Modus zurück: „Erstmal müssen wir aber unsere tägliche Arbeit machen.“ Nach dem Auslaufen am Samstag hat die Mannschaft am Sonntag erstmal einen Tag frei, ehe am Montag die Vorbereitung auf Hannover beginnt. Konzentriert. Und natürlich unglaublich unaufgeregt. dco

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