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Ihlas Bebou von der TSG 1899 Hoffenheim rechnet damit, dass Werder Bremen den Klassenerhalt schafft.

Vor Werder-Spiel gegen TSG 1899

Hoffenheims Bebou im Interview über Werder: „Ein Abstieg wird ihnen nicht passieren“

Von Hans-Günter Klemm. Ihlas Bebou von der TSG 1899 Hoffenheim spricht im Interview über den kommenden Gegner Werder Bremen, den Ex-Kollegen Kevin Vogt und die neue Schiedsrichter-Debatte.

In der letzten Saison haben Sie als Spieler bei Hannover 96 den Abstiegskampf erlebt. Können Sie empfinden, wie sich die Kollegen bei Werder Bremen im Moment fühlen, Ihlas Bebou?

Ja, natürlich. In Hannover war es keine einfache Situation, ähnlich wird es nun in Bremen sein. Als Spieler möchte man solche Phasen am liebsten meiden, aber solche Erfahrungen gehören auch dazu.

Was ist das Wichtigste aus Ihrer Erfahrung und Sicht, um im Abstiegskampf zu bestehen?

Es ist wichtig, als Team zusammenzubleiben. Und man darf nie aufgeben, sich nie hängen lassen. Die Devise muss lauten: Immer dranbleiben. Klar ist aber auch, dass nur Siege weiterhelfen, um aus dem Tief herauszukommen. Über Erfolgserlebnisse wächst dann das Selbstvertrauen.

Ist es ein besonderer Druck, wenn ein Team im Tabellenkeller steht und ums Überleben kämpft?

Auf jeden Fall, der Druck wächst, er wird von Spieltag zu Spieltag größer. Steht man unten drin, ist das eine immens schwere Zeit für den Club, aber auch für den einzelnen Profi. Denn wer möchte schon gerne absteigen?

Abstieg als Makel im Lebenslauf eines Fußballers. Wie sehr schmerzt Sie dann der Abstieg mit Hannover persönlich?

Leider konnte ich nicht so viele Spiele absolvieren, weil ich lange verletzt gewesen bin. Es tat umso mehr weh, dass ich der Mannschaft nicht helfen konnte, wir saßen schließlich alle im selben Boot.

Hatten Sie Werder vor Saisonbeginn als Abstiegskandidat auf der Rechnung?

Ehrlich gesagt, nein. Die Bremer haben einen Kader mit vielen guten Spielern. Dass sie so in Gefahr geraten sind, ist schon eine Überraschung.

Sie erwähnen die nominelle Klasse der Werder-Akteure. Klingt so, wie die Bremer die Lage selbst noch vor einigen Wochen eingeschätzt haben: Zu gut für den Abstiegskampf! Sehen Sie es auch so?

Präzise kann ich das aus der Ferne nur schwer beantworten. Ich bleibe dabei: Werder hat gute Spieler, doch es lief für sie bislang einfach nicht in dieser Spielzeit, da spielte auch das Verletzungspech eine Rolle. Sie wissen, dass sie sich nun dieser unangenehmen Situation stellen müssen.

Ihlas Bebou über möglichen Ausfall von Werder Bremens Kevin Vogt: „Es wäre bitter“

Erinnern Sie sich noch das Hinspiel?

Sicher, wir haben gewonnen und ich habe ein Tor geschossen (grinst). Aber ich muss zugeben, es hätte auch anders laufen können. Es war ein Spiel auf Augenhöhe mit einer ebenbürtigen Werder-Elf.

Thema Verletzungen, es begleitet Sie in Ihrer Karriere. Nach Ihrem Wechsel zu Hoffenheim sind Sie seit Langem verletzungsfrei, haben alle Saisonspiele mitgemacht...

… und darüber freue ich mich. Es ist das Wichtigste, dass ich nun regelmäßig spielen kann und nicht immer wieder aussetzen muss, so ständig zurückgeworfen werde.

Manager Alexander Rosen hält viel von Ihnen und hat sie als einen potenziellen „Unterschiedsspieler“ geadelt. Konnten Sie diesem Kompliment schon gerecht werden?

Ich bin insgesamt zufrieden, vor allem, um es nochmals zu betonen, weil ich durchgehend spielen konnte. Doch ich glaube auch, dass ich noch viel Potenzial nach oben habe. Und ich hoffe, dass ich der Mannschaft noch mehr helfen kann als bisher.

Mit dem Israeli Munas Dabbur ist im Winter ein weiterer Stürmer verpflichtet worden. Neue Konkurrenz?

Ich sehe das als ganz normalen Vorgang bei einem Bundesligisten. Es gibt immer Konkurrenzsituationen, auf jeder Position. Es kann auch hilfreich sein, weil die Konkurrenten sich gegenseitig anstacheln.

Niclas Füllkrug, Ihr früherer Kollege in Hannover, fällt in Bremen nun schon lange aus. Martin Harnik, ebenso ein ehemaliger Kollege, schwächelt beim HSV. Haben Sie es mit ihrem Wechsel zu Hoffenheim am besten getroffen?

„Fülle“ kann nichts dafür, dass er wieder aussetzen muss. Ich weiß, was er durchmacht. Ich wünsche ihm gute Besserung und dass er schnell wieder fit wird. Was mich betrifft: Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung und meiner Entwicklung in Hoffenheim.

Kevin Vogt, der nach Bremen ausgeliehene Ex-Kollege, hat sich im ersten Spiel verletzt und wird wohl kaum am Sonntag auflaufen können. Ist Bremen ohne ihn stark geschwächt?

Es wäre bitter für Kevin und Werder, denn er ist zweifelsohne ein sehr guter Bundesliga-Spieler. Aber auch ohne ihn würde Bremen auf dieser Position sicher gut aufgestellt sein.

Im Hinspiel gewann die TSG 1899 Hoffenheim um Torschütze Ihlas Bebou mit 3:2 gegen Werder Bremen.

Nach Schiedsrichter-Debatte bei Werder Bremen - Ihlas Bebou: „Spieler müssen sich im Griff haben“

Auch Niklas Moisander fehlt beim Gegner nach der Ampelkarte, um die es danach große Diskussionen gab. Wie beurteilen Sie die Verschärfung der Regel, dass Unsportlichkeiten wie Proteste und Rudelbildung härter geahndet werden?

In jedem Spiel gibt es mal Momente, in denen es emotionaler zugeht. Ich denke, dass es einen gewissen Spielraum geben sollte, bevor sofort und automatisch eine Gelbe Karte gezückt wird. Es darf aber auf der anderen Seite auch nicht zu viel gerechtfertigt werden: Spieler müssen sich im Verhalten den Schiedsrichtern gegenüber im Griff haben.

Auf der anderen Seite beklagen immer mehr Profis den Umgangston sowie das arrogante und aggressive Verhalten der Unparteiischen auf dem Platz. Leonardo Bittencourt erklärte am Wochenende, dass er am liebsten auch dem Schiedsrichter die Gelbe Karte gezeigt hätte. Mangelt es den Schiedsrichtern am Respekt den Spielern gegenüber?

Ich habe bisher keine schlechten Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. Wobei ich auf dem Platz auch eher der ruhige Typ bin. Ich werde nur selten verwarnt und habe generell wenig mit dem Schiedsrichter zu tun (grinst).

Zur TSG 1899: Beschreiben Sie bitte mal den Trainer! Arbeitet der Niederländer Alfred Schreuder anders als deutsche Fußballlehrer?

Ich arbeite jeden Tag sehr gern mit unserem Coach zusammen. Er trainiert viel mit dem Ball, was ich gut und wichtig finde. Zudem arbeitet er sehr viel in taktischer Hinsicht, erläutert anhand von Videos. In dieser Form habe ich es bei meinen bisherigen Stationen noch nicht erlebt. Diese Arbeitsweise hilft mir enorm, mich zu verbessern.

Eine Niederlage für Hoffenheim zum Auftakt der Rückrunde im Heimspiel gegen Frankfurt. Wie ist dies einzuordnen?

Eine Niederlage ist nie gut, auch zum Start in eine Halbserie nicht. Wir wollen es gegen Bremen wiedergutmachen. Wir wollen und müssen anders auftreten. Vor allem die schwache Anfangsphase soll ein Ausrutscher bleiben.

Letzte Frage: Was ist realistischer? Hoffenheim qualifiziert sich für den Europacup? Oder Werder steigt ab?

Nun ja, erst einmal setze ich natürlich auf uns (grinst). Aber Bremen wünsche ich nach unserem Spiel auch alles Gute. Ich bin sicher: Ein Abstieg wird ihnen nicht passieren.

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