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Philipp Pentke, Torwart der TSG 1899 Hoffenheim, bestreitet am Sonntag gegen den SV Werder Bremen erst sein zweites Bundesliga-Spiel.

Torwart neu in der Fußball-Bundesliga

Patzer von Pentke? Wieso Werder nicht auf den nächsten Torwart-Blackout hoffen sollte

Von Frank Hellmann. Hoffenheims Keeper Philipp Pentke wird im Weserstadion erst sein zweites Bundesliga-Spiel bestreiten – aber diesmal sollte der SV Werder Bremen nicht auf einen spielentscheidenden Torwart-Fehler hoffen.

Schon sein Spitzname ist außergewöhnlich. „Penne“ heißt es schlicht, wenn Philipp Pentke gemeint ist. Ein Torwart, der bislang unter dem Bundesliga-Radar durchtauchte. Denn der gebürtige Sachse war zwar langjährige Nummer eins beim Zweitligisten Jahn Regensburg, doch stellte er sich in dieser Saison freiwillig in die zweite Reihe. Mit seinem Wechsel zur TSG Hoffenheim war für den 34-Jährigen klar, dass er nicht viele Einsatzzeiten bekommen würde.

Oliver Baumann, immerhin seit 2014 ununterbrochen Stammkeeper, gilt schließlich als Institution im Kraichgau. Doch eine Meniskusoperation hat den 29-Jährigen aus der Bahn geworfen, so dass „Penne“ im relativ hohen Alter doch noch zum Bundesliga-Torwart wird, und es zum kuriosen Fakt kommt, dass der SV Werder Bremen wie schon in der Vorwoche auf einen mit der Liga nicht sonderlich gut vertrauten Torwart trifft.

Gegen Fortuna Düsseldorf hatte dieser Umstand den Bremern zum Sieg verholfen. Florian Kastenmeier (22), ein Greenhorn und Bundesliga-Debütant, war das entscheidende Eigentor zum 1:0-Sieg der Gäste unterlaufen. Nun also Pentke, der erst sein zweites Spiel im Oberhaus bestreiten wird. „Für mich ist das gerade ein schöner Moment“, sagt der Baumann-Ersatz und erweckt nicht den Eindruck, als hätte er vor der Dienstreise nach Bremen besonderes Lampenfieber. Warum auch? Sich selbst beschreibt er als „lustig, pünktlich und ehrgeizig“.

Werder Bremen-Gegner Philipp Pentke leistet sich keinen Aussetzer

Tatsächlich strahlt der 1,91 Meter große Tormann, im Nachwuchs bei Dynamo Dresden ausgebildet, eine Mischung aus Lebenslust, Draufgängertum und Frohsinn aus. Dazu bringt der Erstliga-Novize auch noch einen gewissen Ordnungssinn mit, denn überregionale Schlagzeilen machte Pentke im Mai 2017, als die Regensburger im Relegationsspiel beim TSV 1860 München reüssierten. Die über den Abstieg erbosten Löwen-Fans warfen serienweise Sitzschalen in Pentkes Strafraum, die dieser ungerührt hinter die Torlinie räumte.

Dass er zupacken kann, bewies er auch vergangenen Samstag gegen Eintracht Frankfurt (1:2). Während sich die Vorderleute offensichtlich noch im Winterschlaf befanden, war die Nummer 12 hellwach. Pentke griff bei hohen Bällen energisch zu, erledigte die Routinearbeit so zuverlässig, dass die eigentlich wegen eines tragischen Notfalleinsatzes schweigende Fankurve immer mal wieder Applaus spendete. Anders als Düsseldorfs Kastenmeier, leistete sich Hoffenheims Neuling Pentke keinen Aussetzer. Auf diesen Faktor sollten die Bremer auch am Sonntag nicht hoffen.

Philipp Pentke: Glücklichster Spieler der TSG Hoffenheim gegen Werder Bremen?

Sein Vorbild ist übrigens der niederländische Torwart-Stoiker Edwin van der Sar. Auch der „Flying Dutchman“ hätte zum Rückrundenauftakt den entscheidenden Kopfballtreffer von Frankfurts Timothy Chandler sicher nicht gehalten. „Ich hätte drei Meter lange Arme gebraucht, um den hinten aus dem Eck zu kratzen“, erzählte Pentke später in der Mixed Zone, während er entspannt ein Laugenbrötchen kaute. Die innere Ruhe kommt nicht von ungefähr. Tochter Mexie-Sophia ist „das Wichtigste“ in meinem Leben, sagt der Fußballprofi, „da kann ich auch nicht Nein sagen“. Jede freie Minute nutze er nach eigener Aussage dazu, „meine Tochter zu bespaßen“.

Pentkes Lebenspartnerin ist die niederländische Handball-Nationalspielerin Maura Visser, die für den schwäbischen Bundesligisten SG BBM Bietigheim spielt. Seine Luftveränderung vergangenen Sommer war denn auch in erster Linie privaten Gründen geschuldet, wie er nach seinem Wechsel zugab. Die Familie wolle er „mehr und öfter sehen“. Statt früher 280 Kilometer fährt er von Hoffenheim nach Bietigheim nur 80. Dass er jetzt noch eine Klasse höher sein Torwart-Können zeigen, macht ihn zum vielleicht glücklichsten Gästeakteur, der im Weserstadion des SV Werder Bremen am Sonntag seine Visitenkarte abgibt.

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