Am Sonntagabend empfängt der SV Werder Bremen die TSG Hoffenheim. Das erste Mal treffen dabei die Trainer Florian Kohfeldt (li.) und Sebastian Hoeneß aufeinander.
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Am Sonntagabend empfängt der SV Werder Bremen die TSG Hoffenheim. Das erste Mal treffen dabei die Trainer Florian Kohfeldt (li.) und Sebastian Hoeneß aufeinander.

Vor dem Bundesliga-Duell am 5. Spieltag

So viel Werder steckt in Hoffenheim: Kohfeldt und Hoeneß im Vergleich

Was er seinem Pendant vom SV Werder Bremen voraus hat? Einen Namen mit Klang und Charisma, einen Namen, der nicht nur in der Branche einen ungeheuren Bekanntheitsgrad aufweist. Hoeneß heißt er, Sebastian mit Vornamen. Die berühmte Verwandtschaft macht schon einen Unterschied zum Kollegen Florian Kohfeldt, den niemand kannte, als er die Bundesliga-Bühne betrat.

Beide sitzen nun auf einem der 18 begehrten Trainerstühle in der höchsten deutschen Spielklasse. Sebastian Hoeneß, der Sohn des einstigen Sturmtanks Dieter und Neffe der Bayern-Ikone Uli, ist dabei ein ebenso unbeschriebenes Blatt wie der Coach des SV Werder Bremen, als dieser 2017 auf der Bildfläche erschien. Gewissermaßen, so formulierte der „kicker“ in seiner Saisonvorschau, habe der Club aus dem Kraichgau mit dem Vertreter der jüngsten Generation aus der Hoeneß-Dynastie somit „namenlose Prominenz“ verpflichtet.

Die Parallelen sind da: Sebastian Hoeneß hat als Spieler nie den Sprung in den bezahlten Fußball geschafft. Ihm hätten, so mutmaßen Beobachter, die Durchschlagskraft und Robustheit seines Vaters sowie die Schnelligkeit und Spritzigkeit seines Onkels gefehlt, um eine erfolgreiche Karriere auf höchster Ebene hinlegen zu können. Von Florian Kohfeldt ist bekannt, dass er als Torwart zunächst beim TV Jahn Delmenhorst und später in der U21-Elf von Werder Bremen in der Bremen-Liga aktiv war. Für eine Karriere als Profi, so seine Selbsteinschätzung, habe sein Talent nicht gereicht.

Werder Bremen: Viktor Skripnik nannte Florian Kohfeldt „den Student“

Beide mussten also den schweren Weg gehen, um als Coach in der Bundesliga zu landen. Beide gingen den Weg über die Lehrzeit im Nachwuchsbereich: Hoeneß bei RB Leipzig und bei Bayern München, wo er in der letzten Saison mit der Reserve des Seriensiegers das Meisterstück in der 3. Liga schaffte. Kohfeldt diente sich seit 2006 als Betreuer diverser Jugendmannschaften hoch, bevor „der Student“, wie Ex-Trainer Viktor Skripnik ihn titulierte, seine Ausbildung als Assistent bei den Profis von Werder Bremen verfeinerte.

Übereinstimmung also beim Werdegang und auch bei der Rekrutierung durch die Club-Bosse. Die Chefs bei der TSG 1899 Hoffenheim und Werder Bremen verfolgen ähnliche Denkmuster: Im Hopp-Klub setzen sie auf alte Bekannte, die das Innenleben des Vereins und die gelebten Ideen kennen. So holten sie Alfred Schreuder, ehedem als Co tätig, aus den Niederlanden zurück, als die durch den Weggang von Julian Nagelsmann vakant gewordene Stelle zu besetzen war. So holten sie nun Hoeneß, den einstigen Spieler, in der Hoffnung, dass es diesmal besser funktioniert. Die Vorgehensweise ähnelt der im Norden. Auch Werder pflegt diese Methode, auf Eigengewächse zu setzen. Die Namen sind geläufig: Zunächst Thomas Schaaf, dann Viktor Skripnik und Alexander Nouri, aktuell Kohfeldt.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt setzt auf Offensivfußball

Hoeneß und Kohfeldt, beide im für Fußballlehrer zarten Alter von 38 Jahren, gehören der jungen Trainer-Generation an. Sie verkörpern ein Versprechen auf die Zukunft. Viel Vorschusslorbeeren für das Duo, das auf sich aufmerksam gemacht hat, doch erst noch den Beweis antreten muss, ob die Elogen gerechtfertigt sind. Für beide ist somit die nächste Spielzeit eine Bewährungsprobe, für Kohfeldt erst recht in seiner vierten Saison. Das Exempel des in Schalke jäh abgestürzten Domenico Tedesco mag als Warnsignal gelten.

Große Ambitionen haben die beiden Übungsleiter, die insgesamt noch als Neulinge im Geschäft durchgehen. „Die grundsätzliche Philosophie des Clubs ist identisch mit meiner Idee vom Fußball“, betont Hoeneß und präzisiert: „Offensiv, mutig, flexibel und immer aktiv.“ Worte, die auch so ähnlich gefallen sind aus dem Mund des Kollegen Kohfeldt, der an der Weser einen zuletzt nur selten gesehenen Offensivzauber versprochen hat. Hier der „Hoffe-Style“, dort die Werder-Identität, vor allem in den erfolgreichen Schaaf-Jahren gepflegt. Es wird spannend sein, in den nächsten Wochen zu beobachten, wie die beiden Trainer es schaffen, den propagierten Stil auf den Rasen zu bringen. Es geht um die Aufgabe, die rechte Balance zu finden zwischen offensiver Attraktivität und defensiver Stabilität. Durchaus ein eminent schwieriger Spagat, der Hoeneß zuletzt bei Bayern München II gelungen ist, Kohfeldt bei Werder Bremen I weniger.

Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim: Kevin Vogt kehrt an die Weser zurück

Bei dem Vorhaben können im Südwesten drei Akteure mithelfen, die eine Bremer Vergangenheit aufweisen. Zwei von ihnen muss Hoeneß wieder ins Team integrieren: Kevin Vogt, im letzten Jahr als Kapitän entmachtet und als Stammspieler aussortiert, bevor er im Winter die Flucht zu Werder antrat, sowie Ishak Belfodil, der lange verletzte Torjäger. Von allen Leihgaben in Bremen hätten die Bosse am liebsten Vogt, den defensiv starken Allrounder, behalten mögen, doch der 29-Jährige wurde zurückbeordert – anders als Leihgabe Leonardo Bittencourt, den Werder Bremen für sieben Millionen Euro kaufen musste, wie vertraglich vereinbart. Der vor zwei Jahren nach Hoffenheim transferierte Algerier Belfodil zeigte seine Qualitäten im Kraichgau eher als bei seinem kurzen Gastspiel an der Waterkant. Zahlen als Beleg: enttäuschende vier Tore in 26 Spielen für Werder, 16 Tore in 33 Partien für den neuen Arbeitgeber.

(Verfolgt das Spiel des SV Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim im Liveticker der DeichStube)

Und der Dritte im Bunde: Florian Grillitsch, in der Bremer Akademie seit 2013 ausgebildet, zwei Jahre später in die erste Mannschaft aufgerückt, seit 2017 in Hoffenheim. Der zentrale Mittelfeldspieler hat sich zu einem überdurchschnittlichen Bundesliga-Spieler gemausert. Inzwischen fast unumstrittener Stammspieler im Verein, zählt der 25-Jährige auch zum Kader der Nationalelf Österreichs. Für Werder Bremen ein Verlust, für Hoffenheim ein Gewinn. Gemeinsam mit dem aus Frankfurt im Tausch mit Steven Zuber geholten Mijat Gacinovic, dem einzig namhaften Neuzugang in diesem Sommer, könnte der Ex-Bremer das Geschehen in der Zentrale des Europacup-Teilnehmers prägen. Zum dritten Mal hat sich die TSG 1899 für den internationalen Wettbewerb qualifiziert, will nach den missglückten Versuchen in der Europa League 2017/18 und in der Champions League im Folgejahr nun auch kontinental für Furore sorgen.

An diesem Punkt lässt sich der wesentliche Unterschied zwischen den Clubs festmachen: Emporkömmling Hoffenheim, erst im 13. Jahr in der Bundesliga, gastiert in Europa. Werder Bremen, der Altmeister, vor Jahren ein Dauergast im Europapokal gewesen, wartet weiter sehnsüchtig auf das Comeback, nachdem das Saisonziel im letzten Spieljahr um Längen verpasst wurde. (hgk)

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