+
Florian Kohfeldt freut sich über den guten Saisonstart, warnt aber vor zu großer Euphorie.

Florian Kohfeldt über Entwicklung seines Teams

So gut wie nie, weil sich die U23 jetzt wehrt

Bremen - Es ist nicht nur ein Traumstart, sondern sogar Werders bester Start in die Dritte Liga überhaupt – die U23 sorgt gerade mit zehn von zwölf möglichen Punkten für jede Menge Aufsehen.

Wie geht das junge Team damit um? „Wir liegen uns alle in den Armen, und ich buche einen Urlaub“, scherzt Trainer Florian Kohfeldt und lacht. Ein bisschen Spaß darf ruhig sein, doch der 34-Jährige betont zugleich: „Wir können das schon richtig einordnen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Aber die Punkte helfen uns natürlich.“

Sein Team hat die Konkurrenz gleich mehrfach überrascht: spielerisch, körperlich und mental. „So eine abgebrühte Zweitvertretung habe ich noch nicht gesehen“, urteilte Münsters Stürmer Tobias Rühle nach der 0:1-Heimpleite gegen die Bremer. Werder hatte erst gut gespielt, dann in Unterzahl stark gekämpft und dabei auch ganz clever immer wieder den Spielrhythmus unterbrochen. „Natürlich war der Sieg glücklich“, gesteht Kohfeldt. Aber die Art, wie sein Team den knappen Vorsprung über die Zeit gebracht hat, freut ihn: „Wir haben uns da weiterentwickelt, wir wehren uns auf dem Platz. Das ist eine wichtige Komponente bei einer U23. Die müssen wir uns bewahren.“

Altersstruktur hat sich in der U23 verändert

Normalerweise sind Härte und Cleverness die großen Schwächen der Nachwuchsteams in der Dritten Liga. Den Talenten fehlt schlichtweg die Erfahrung, für viele ist es sogar die erste Saison im Herren-Bereich. Aber auch im zweiten Jahr fällt es vielen Spielern manchmal noch schwer, sich anders als spielerisch gegen die alten Haudegen der Liga durchzusetzen. Bei Werder ist das in dieser Saison anders, die U23 schneller als sonst erwachsen geworden. Das hat mehrere Gründe.

Die Altersstruktur hat sich zum Beispiel etwas verändert. Rafael Kazior (34), Marc Pfitzner (32) und Tobias Duffner (33) sind zwar die drei erlaubten Ü23-Spieler geblieben, bekommen aber Unterstützung von Levent Aycicek. Der 23-Jährige hat schon Erste und Zweite Liga gespielt. Allerdings soll Aycicek, der ein Profi-Gehalt kassiert, aber bei den Profis nicht mehr erwünscht ist, abgegeben werden. Noch hat er keinen passenden Club gefunden.

Die U23 von Werder Bremen kann zurzeit häufig jubeln - wie hier gegen den Karlsruher SC nach dem Treffer von Kapitän Rafael Kazior.

Außerdem sind viele Spieler dabei, die in der vergangenen Saison den harten Abstiegskampf miterlebt haben – und das mit einem positiven Ergebnis. „Das war für die Jungs ein Vorgeschmack darauf, was Druck im Fußball bedeuten kann“, sagt Kohfeldt: „Von dieser Erfahrung profitieren sie jetzt.“

Dazu kommt harte Arbeit im Training – auch taktisch. „Wir haben einen klaren Plan“, berichtete Johannes Eggestein nach dem Sieg gegen Karlsruhe. Dieser Plan hat dabei immer das gleiche Ziel. „Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen“, betont Kohfeldt. Der Trainer hat sich dagegen gewehrt, dass sein Team den Stempel Abstiegskandidat aufgedrückt bekam. „Warum muss das automatisch so sein?“, hat er zu Saisonbeginn gefragt.

U23 hat am DFB-Pokal-Wochenende Pause

Die Antwort gab sein Team auf dem Platz – mit drei Siegen (Unterhaching, Karlsruhe, Münster) und einem Unentschieden (Würzburg). „Es war ein schöner Start – mehr aber auch nicht“, mahnt Kohfeldt vor zu großer Euphorie und erklärt: „Wir haben zwei Saisonziele: Wir wollen Spieler für die Bundesliga ausbilden und die Klasse halten.“ Speziell für Letzteres seien die zehn Punkte schon ganz wichtig gewesen, „aber wir haben noch 34 Spiele“.

Ein langer Weg, der nun durch das DFB-Pokal-Wochenende unterbrochen wird. Die U23 hat Pause. Kohfeldt plant einen Mix aus Belastungsreizen, taktischer Basisarbeit und Erholung. „Die Jungs sollen auch mal die Köpfe freibekommen“, sagt der 34-Jährige. Wie sie die Zeit dann nutzen, ist ihm egal. Er selbst hat keinen Kurzurlaub geplant.

Werders U23 in Zivil

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare