Trainer Konrad Fünfstück startet mit einer blutjungen U23 von Werder Bremen in die neue Saison der Regionalliga Nord.
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Trainer Konrad Fünfstück startet mit einer blutjungen U23 von Werder Bremen in die neue Saison der Regionalliga Nord.

Neue Spielzeit startet am Freitag

Nach zehn Monaten Pause: Werders blutjunge U23 startet in die neue Regionalliga-Saison und hat viel aufzuholen

Ab wann wird eine lange Zeit eigentlich zur Ewigkeit? Wenn es um die Ausbildung von jungen Fußballern geht, dürften zehn Monate schon dazuzählen. Seit zehn Monaten hat die U23 des SV Werder Bremen coronabedingt kein Pflichtspiel bestritten, zehn Monate fehlen den Talenten, für die auf dem Sprung aus der Jugend in den Profifußball eigentlich nichts wichtiger ist als der Wettkampf. Nun aber hat die Warterei ein Ende: Am Freitag startet die Regionalliga Nord, die in den vergangenen zwei Spielzeiten abgebrochen wurde, in die neue Saison. Werders Reserve tritt auswärts beim VfB Oldenburg an (18 Uhr).

„Wir freuen uns einfach, dass wir wieder in den Alltag eines Profifußballers eintauchen können“, sagt Werder Bremens U23-Trainer Konrad Fünfstück im Gespräch mit der DeichStube. Eintauchen – das passt gut, denn die vergangenen Monaten müssen sich für die Werder-Talente angefühlt haben wie Trockenübungen für Schwimmschüler.

„Was wir machen konnten, haben wir getan“, sagt Fünfstück ganz trocken. Neben dem regulären Trainingsbetrieb seien die Spieler in der spielfreien Zeit individuell gefördert worden, angepasst an ihre Position, ihr Stärken-Schwächen-Profil und die Anforderungen im Profifußball. Doch dass der Wettkampf den jungen Spielern enorm fehlt, weiß Fünfstück. Es mache schon einen „extremen Unterschied“, ob ein gestandener Spieler nach einer langen Pause wieder in den Wettkampf startet oder ein Nachwuchsspieler, der in den letzten anderthalb Jahren zehn Pflichtspiele bestritten hat und womöglich noch nie im Herrenbereich angetreten ist.

Werder Bremen U23 wieder völlig neu zusammengestellt - droht ein verlorener Jahrgang?

Droht Werder und dem Fußball ein verlorener Jahrgang? „Das ist ein großes Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssen“, sagt Fünfstück. Zwar habe Werder versucht, den Spielern die unter den Gegebenheiten bestmögliche Ausbildung zu gewährleisten, „trotzdem kann man noch nicht abschätzen, wie sich die fehlende Wettkampfpraxis über den langen Zeitraum auswirken wird“. Gerade für einen Ausbildungsverein wie Werder Bremen ist das kritisch.

Deswegen müssen die Spieler jetzt ans Spielen kommen. Die U23 des SV Werder Bremen ist dabei völlig neu zusammengestellt. Von dem Team, das in der abgebrochenen vergangenen Saison nach acht Spielen Tabellenerster war und eigentlich hätte um den Aufstieg in die 3. Liga spielen können, ist wenig übrig geblieben. Viele Spieler sind der U23 entwachsen. Konrad Fünfstück: „Das letzte Jahr war außergewöhnlich gut – tabellarisch, aber auch von der Anzahl derer, die den Sprung zu uns in die Bundesliga-Mannschaft geschafft haben oder woanders höherklassig spielen.“ Darauf könne man „schon stolz“ sein, sagt der 40-Jährige. Denn genau um diese Ausbildung geht es.

Werder Bremen U23: Ausbildung der blutjungen Mannschaft wichtiger als der Tabellenplatz

Viele Spieler sind weg, das Prinzip aber bleibt: Wie in der Vorsaison werde Werder erneut die deutschlandweit jüngste Regionalliga-Mannschaft stellen, behauptet Fünfstück. „Wenn auch der Altersschnitt etwas höher gegangen ist durch Philipp Bargfrede.“ Der 32-jährige Routinier sei „der einzige Spieler der U23, bei dem wir nicht Anspruch haben, ihn nochmal zum Bundesliga-Spieler auszubilden“, schmunzelt Fünfstück über seinen Kapitän, der auch als verlängerter Arm des Trainerteams agiert. Aber ansonsten: ein blutjunges Team, in dem sogar einige Spieler aus der U19 wie Torwart Louis Lord schon fest eingeplant sind. „Da wird es keine vergleichbare Mannschaft geben in der Regionalliga, die dieses Modell praktiziert“, ist sich Fünfstück sicher.

Ein klares Saisonziel will der Coach nicht ausgeben. „Wir lassen uns definitiv nicht von einer Tabelle treiben. Für uns ist klar, wenn wir die Ambitionen hätten, sicher wieder um den Aufstieg in die 3. Liga zu spielen, hätten wir den Kader komplett anders zusammengestellt. Dann hätten wir erfahrene Spieler geholt, die am Markt sind. Aber das ist nicht der Weg von Werder Bremen.“ Der Werder-Weg sei es, junge Spieler an die Profis heranzuführen. „In erster Linie geht es für jeden Spieler darum, sich zu positionieren, sich zu zeigen, sich interessant zu machen“, sagt Fünfstück. Und dafür müssen die Talente jetzt spielen, spielen, spielen. Damit ihre Generation keine verlorene ist. (han) Auch interessant: Stillstand bei Neuzugängen: Werder Bremen wehrt sich gegen Transfer-Kritik!

Werder Bremen U23 - Kader der Saison 2021/2022:

Tor: Louis Lord, Philipp Jorganovic, Timur Pazhigov, Ole Springer, Luca Plogmann

Abwehr: Tim-Justin Dietrich, Konstantin Donalies, Louis Poznanski, Thomas Linkov, Marc Schröder, Pascal Hackethal, Belal Halbouni, Lasse Rosenboom, Yuri Backhaus, Dominik Becker

Mittelfeld: Tom Berger, Jorik Wulff, Marin Pudic, Oscar Schönfelder, Keanu Schneider, Jascha Brandt, Jakob Löpping, Kaan Er, Min-woo Kim, Philipp Bargfrede

Sturm: Malik Memisevic, Justin Njinmah, Dejan Galjen, Tim van de Schepop, Johan Mina

Neuzugänge: Justin Njinmah (Holstein Kiel II), Tom Berger (VfL Wolfsburg II), Dejan Galjen (Karlsruher SC U19), Min-woo Kim (Open Cyber University of Korea), Louis Lord, Timur Pazhigov, Tim-Justin Dietrich, Konstantin Donalies, Lasse Rosenboom, Yuri Backhaus, Kaan Er, Jascha Brandt, Jakob Löpping (alle eigene U19)

Abgänge: Eduardo Dos Santos Haesler, Kyu-hyun Park, Abdenego Nankishi, Eren Dinkci, Nick Woltemade (alle Werder-Profis), Manasse Fionouke (SF Lotte), Julian Rieckmann (1. FC Magdeburg), Jannes Vollert (Hallescher FC, war bereits verliehen), Maik Nawrocki (Legia Warschau, Leihe, war bereits verliehen), Fabian Straudi (vereinslos), Ole Käuper (SV Meppen, war bereits verliehen), David Philipp (Viktoria Köln, war bereits verliehen), Yannik Engelhardt (SC Freiburg II, Leihe), Fred MC Mensah Quarshie (SSV Jeddeloh II), Luc Ihorst (Eintracht Braunschweig, Leihe, war bereits verliehen) Kebba Badjie (Hallescher FC, Leihe)

(Verfolgt das Heimspiel des SV Werder Bremen gegen den SC Paderborn im Liveticker der DeichStube)

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