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U23-Verteidiger Julian Riekmann gehört bei den Junioren von Werder Bremen zu den Top-Talenten.

U23-Profi des SV Werder Bremen

Werder-U23-Verteidiger Julian Rieckmann im Interview: „Ich mache auch mal eine klare Ansage“

Werder Bremens U23-Verteidiger Julian Rieckmann gehört zu den Top-Talenten des Vereins, eine Kadernominierung bei den Profis war ihm aber noch nicht vergönnt. 

Im Interview mit der DeichStube spricht der 19-Jährige darüber, warum es bei ihm bisher noch nicht geklappt hat, ob er sich eine Zukunft an der Weser vorstellen kann und wie sein Leben als Nachwuchsspieler aussieht.

Julian Rieckmann, am 28. Juli 2017, wissen Sie noch, was da war?

Puh. Das weiß ich nicht mehr.

Trainingslager bei mit den Profis in Schneverdingen, Testspiel, klingelt da was?

Ah, doch, jetzt. Das Testspiel gegen West Ham United.

Wie sind Ihre Erinnerungen an das Spiel?

Ich kann mich gut daran erinnern, wie es dazu kam und wie ich dahingekommen bin. Ich war 16 Jahre alt, zuvor noch mit der U19 im Trainingslager in Barsinghausen. Von da aus bin ich dann zur ersten Mannschaft gefahren. Die Profis waren schon alle da, und ich wusste natürlich nicht wirklich, was auf mich zukommt. Als ich aber erstmal da war, war es ein gutes Gefühl. Und am Ende des Trainingslagers hatte ich dann natürlich das Spiel, in dem ich Marko Arnautovic als Gegenspieler hatte. Er mit seiner Kraft, ich mit meinen 16 Jahren – das war schon intensiv für mich.

Das war Ihr erstes Spiel bei den Profis, in der Bundesliga hat es bislang nicht zu einem Einsatz oder einer Nominierung gereicht. Wann kommt Ihre Zeit?

Das ist schwer zu sagen. Es kann mal schnell gehen, wie damals bei Luc Ihorst. Er ist mit uns noch nach Hannover gefahren zum TSV Havelse, ist aber kurzfristig für das Spiel gegen RB Leipzig zu den Profis abkommandiert worden und kam sogar zum Einsatz. Ich muss geduldig bleiben.

Sie haben es schon angesprochen: Besonders viele Defensivspieler waren zu Beginn der Saison im Bundesliga-Team ausgefallen. Christian Groß als 30-Jähriger wurde hochgezogen zu den Profis, Sie nicht. Haben Sie nicht auch überlegt, dass Sie der Glückliche sein könnten?

Ja klar, ich mache mir immer meine Gedanken. Aber letztendlich ist es auch schon gut gewesen, in der Sommer-Vorbereitung bei den Profis dabeigewesen zu sein. Wenn sich der Trainer dann für „Grosso“ entscheidet, gönne ich ihm das auch.

Was denken Sie: Warum hat sich Kohfeldt für Groß anstatt für Sie entschieden?

„Grosso“ hat das in der Vorbereitung einfach gut gemacht. Und er bringt einfach Erfahrung mit aus der Dritten Liga und dem DFB-Pokal, die ich noch nicht habe.

Sie haben jetzt schon ein paar Mal bei den Profis mittrainiert. Machen Sie sich Druck, den endgültigen Schritt in die Bundesliga-Mannschaft bald schaffen zu müssen?

Noch kann ich das entspannt sehen. Im letzten Jahr habe ich mehrere Spiele in der U23 aufgrund einer Verletzung verpasst. Die Zeit hat mir gefehlt. Für mich zählt daher in dieser Saison meine Leistung in der U23 zu bringen und viel Spielzeit zu haben. Daher mache ich mir auch keinen Druck.

Sehen Sie Ihren weiteren Weg bei Werder?

Am liebsten schon. Es gibt andere Wege, um sein Ziel zu erreichen – Bundesliga, Zweite Liga, oder ob es dann vielleicht auch die Dritte Liga ist. Je nachdem, was sich ergibt.

Werder Bremen: U23-Talent Riekmann kann sich eine Ausleihe vorstellen

Denken Sie da auch an eine Ausleihe?

Ja, klar. Das ist immer eine Option, wenn ich das Gefühl habe, dass ich hier nicht den nächsten Schritt machen kann oder dass die Regionalliga zu wenig ist, dann muss ich natürlich etwas anderes machen. Und da ist die Dritte Liga auch ein gutes Ziel.

Ist eine Leihe auch in der Winterpause schon denkbar?

Ich habe noch einen Vertrag über das Jahr hinaus. Deswegen gehe ich natürlich erstmal davon aus, dass ich noch bei Werder bleibe, aber wie schon gesagt: Eine Leihe ist immer eine Option.

Die U23 mischt in der Regionalliga im vorderen Drittel mit, der Aufstieg kann aber schon fast abgehakt werden, oder?

Wolfsburg II ist wieder echt gut drauf in diesem Jahr, sie sind auch schon 15 Punkte vor uns. Also müssen wir hoffen, dass sie jetzt noch oft patzen in der Rückserie. Aber es stimmt schon: Es wird schwer, da noch etwas zu holen.

Julian Rieckmann im Gespräch mit DeichReporter Bennet Stark.

Wie sehen Sie Ihre Rolle in der Regionalliga-Mannschaft?

Dadurch, dass ich letztes Jahr schon in der U23 war, sehe ich mich da schon als Führungsspieler, der die frischen U19-Spieler noch mitnimmt und ihnen ein bisschen was zeigen kann.

Sind Sie ein Typ, der in der Kabine auch mal lauter werden kann, oder einer, der eher zurückhaltend ist?

Mal so, mal so. Das kommt auf das Spiel an. Meistens bin ich eher der ruhigere Vertreter, aber wenn es sein muss, dann gibt es auch mal eine klare Ansage.

Hat Florian Kohfeldt Ihnen schon irgendwas mit auf den Weg gegeben, was Sie verbessern sollten?

Man hat ja immer so seine kleinen Defizite. Bei mir war es die Schnellkraft. Da habe ich bereits dran gearbeitet, mache es aber immer noch. Fußballerisch kann ich mich auch immer wieder verbessern.

Wo sehen Sie Ihre größten Stärken, was macht Sie als Defensivmann aus?

Meine Stärken sehe ich im Antizipieren und im Fußballerischen. Zweikämpfe muss ich als Defensivspieler aber natürlich auch gut können.

Konrad Fünfstück ist Ihr Trainer bei der U23, versucht er Sie zu pushen?

Auf jeden Fall. Das ist auch seine Aufgabe. Aber auch Thomas Schaaf und Björn Dreyer helfen und pushen uns alle, damit wir noch besser werden.

Werder Bremen: Die vielen Verletzungen bei den Profis waren für die U23 ein Problem

Wie gefällt es Ihnen unter Fünfstück?

Es gefällt mir. Am Anfang war es natürlich schwer für uns junge Spieler mit dem Problem, dass die Profis alle verletzt waren. Da hatten wir teilweise eine Trainingsgruppe von sieben, acht Spielern, weil so viele im Profitraining aushelfen mussten. Sich unter diesen Umständen als Mannschaft zu finden, ist natürlich schwer – vor allem, wenn man neue Mitspieler und einen neuen Trainer hat. Das hat man dann auch in der Regionalliga gemerkt. Wir waren zu Beginn nicht so stabil. Aber als Ilia Gruev, David Philipp und Simon Straudi alle wieder bei uns waren, hat sich das gut eingespielt.

Wo liegen die Unterschiede zwischen dem Training bei den Profis und der U23?

In der Bundesliga ist es einfach nochmal schneller. Da muss jeder Pass sitzen, jeder muss im Training viele Kommandos geben. Da muss ich einfach noch mehr abliefern. Bei der U23 ist alles viel ruhiger, auch was das Interesse von außen angeht.

Wie ist es denn, wenn Sie zum Training gehen, werden Sie auch mal angesprochen und nach einem Autogramm gefragt?

Wenn ich mal bei den Profis mittrainiere, dann schon ab und zu. Aber bei der U23 guckt ja eigentlich niemand beim Training zu. Da sind wir unter uns. Da gibt es keine Fans, die ein Autogramm oder ein Foto wollen.

Wie ist Ihr Leben in Bremen? Nehmen Sie uns etwas mit!

Ich wohne seit eineinhalb Jahren in Bremen. Ich habe im Internat angefangen und bin dann dort ausgezogen. Seit einem Jahr ungefähr habe ich eine eigene Wohnung. Es ist ein entspanntes Leben. Die Schule habe ich auch fertig, sodass ich mich jetzt voll auf den Fußball konzentrieren kann. Letztes Jahr war es schon ziemlich anstrengend mit dem Zwiespalt U23 und Schule.

Wie sah der Zwiespalt genau aus?

Ich bin jeden Tag zur Schule gegangen wie jeder andere auch. Meistens war bei der U23 schon um 13.30 Uhr Treffpunkt, da musste ich dann um 13 Uhr schnell von der Schule zum Training fahren. Da das 20 Minuten dauert, war das schon anstrengend auf Dauer. Wir waren um 16 bis 17 Uhr durch. Danach hatte ich auch meine Freizeit und konnte etwas für die Schule machen oder mich auch einfach mal ausruhen. Aber insgesamt war das schon ziemlich stressig.

Sie haben Ihr Fachabitur gemacht. Haben Sie noch einen Plan B, wenn es am Ende nichts mit dem Profifußball werden sollte?

Ich möchte mich im Moment auf den Fußball konzentrieren und versuchen, den Schritt zu schaffen, mich wirklich im Profibereich zu etablieren. Und wenn ich erstmal da oben gefestigt bin, kann ich mir immer noch ein zweites Standbein aufbauen. Aber ansonsten wäre ich echt offen. Ich kann mir vorstellen, zu studieren, falls es mit dem Fußball nicht klappen sollte. Aber ich hätte auch Lust, irgendwas Handwerkliches zu machen. Ich habe hoffentlich noch ein paar Jahre Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Am besten muss ich mir gar keine Gedanken darübermachen.

Sehen Sie sich persönlich eigentlich als Profifußballer?

Ja. Wir machen das alle hauptberuflich.

Haben Sie Angst, den Schritt in die höheren Ligen nicht zu schaffen?

Was heißt Angst? Klar, ich habe im Hinterkopf, dass es schiefgehen kann. Wenn ich mir jetzt aber nur darüber Gedanken mache und nicht den vollen Fokus auf den Fußball lege, wird es schwierig.

Von Ihrer Familie erhalten Sie dafür die volle Unterstützung?

Auf jeden Fall. Meine Familie unterstützt mich schon seit der U14, als ich angefangen habe. Da habe ich noch zu Hause gelebt und bin jeden Tag mit dem Zug aus der Nähe von Hamburg hierhergefahren. Sie sind immer da für mich.

Sie kommen aus der Nähe von Hamburg, hat sich Ihr Freundeskreis durch den Umzug nach Bremen verändert?

Ja, in Hamburg sind es auf jeden Fall weniger geworden. Aber ich hab noch meine sieben, acht, neun Freunde, mit denen ich was mache, wenn ich zu Hause bin. Durch die Schule in Bremen habe ich auch noch drei, vier Leute kennengelernt, aber es ist auch nicht so, dass ich dann mit denen viel mache, weil ich auch mit den Jungs aus der Mannschaft viel zusammen bin und sich da auch Freundschaften bilden.

Wie sieht denn eine typische Woche bei Ihnen aus? 

Die üblichen Sachen halt: Training, dann habe ich vielleicht noch den Nachmittag frei, wenn wir nur einmal trainieren. Ich gehe gerne mal Kartfahren oder ins Gym. Oder ich ruhe mich auch einfach mal aus. Es passiert nichts Besonderes.

Kartfahren? Erzähl Sie mehr! 

Es gibt in der Mannschaft immer ein paar Jungs, die gerne mitkommen. Dann fahren wir ein paar interne Rennen.

Wer sind denn die Rennfahrer in der U23?

Bennet van den Berg bezeichnet sich als guten Rennfahrer. Luc Ihorst ist auch immer dabei. Auch Henry Rorig und ‚Dudu‘ (Eduardo Dos Santos Haesler, d. Red.) fahren. Da gibt es immer eine kleine Gruppe, die mitkommt.

Und wer gewinnt?

Meistens ich. (lacht)

Werder Bremen: Rieckmann sieht Sahin und Klaassen als Vorbild

Haben Sie eigentlich ein Vorbild?

Vorbild würde ich nicht direkt sagen. Natürlich habe ich meine Spieler, von denen ich mich inspirieren lasse. Bei mir ist es zum Beispiel Virgil van Dijk. Sein Zweikampfverhalten und seine Ruhe im Verteidigen, das ist schon sehr interessant. Oder Spieler wie Andres Iniesta oder Xavi. Da gucke ich mir immer gerne etwas ab.

Und an wen denken Sie bei Werder?

Da sind es Spieler wie Davy Klaassen und Nuri Sahin. Bei den beiden finde ich es sehr interessant, wie sie spielen. Und auch von denen kann ich mir natürlich etwas abschauen.

Sahin ist Sechser, Klaassen spielt etwas offensiver, van Dijk ist Verteidiger. Wo sehen Sie sich?

Am ehesten auf der Sechs oder auf der Innenverteidiger-Position. Die letzten Jahre war ich Innenverteidiger, dieses Jahr wieder mehr auf der Sechs. Ich bin da variabel und habe mich nicht auf eine Position festgelegt. Zum Anfang bin ich meistens hinten geblieben, aber jetzt gehe ich auch gerne mal nach vorne und schieße selbst ein Tor, wenn es denn klappt. Diese Saison leider noch nicht.

Können Sie sich eine Zukunft auf der Innenverteidiger-Position bei Werder vorstellen?

Man muss immer gucken, was frei ist oder wo Bedarf ist. Ich möchte mich da auf eine genaue Position aber gar nicht festlegen. Es ist gut, dass ich zwei, drei Positionen spielen kann und mich der Trainer da einsetzt, wo ich gebraucht werde.

Zum Vorbereitungsstart am 1. Juli 2020, wo sehen Sie sich da?

Das kann ich schwer sagen. Es steht noch nichts fest, das ist noch alles offen. Am schönsten wäre es natürlich bei den Profis.

(Das Interview führte Bennet Stark)

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Am 14. Oktober 2017 kassierte Florian Kohfeldt mit der U23 des SV Werder Bremen eine 1:7-Packung beim SC Paderborn – bis heute seine höchste Niederlage als Trainer. Warum für Werder Bremen gegen SC Paderborn nur ein Heimsieg zählt - der Vorbericht.

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